|
Anmeldung
Diese Funktion steht nur registrierten Usern zur Verfügung.
Loggen Sie sich bitte hier ein oder registrieren Sie sich kostenlos! |
![]() |
Passwort vergessen
Wenn Sie Ihr Passwort vergessen haben können Sie hier ein neues Passwort anfordern. Geben Sie bitte hierzu Ihre E-Mail-Adresse ein!
|
Zugegeben: Derzeit ist im Kräutergarten des Bund Naturschutz am Hallertor tote Hose. Zurückgeschnitten und schneebedeckt machen die Pflanzen nichts her. Doch wenn Kazumi Nakayama erzählt, dann richten sich vor dem inneren Auge die Mariendistel, die Kapuzinerkresse und der Estragon wieder auf und zeigen ihre prächtigen Blüten und heilenden Blätter her.
Über 80 verschiedene Pflanzen wachsen am Hallertor. Die Japanerin, die seit zehn Jahren in Nürnberg lebt, führt Gruppen durch den Kräutergarten, den der Bund Naturschutz im nächsten Jahr gern erweitern möchte. Die hübschen Beete auf der Stadtmauer sollen, wenn es nach Kazumi Nakayama geht, den Sinn schulen für die Kräfte der Natur. Aber nicht nur das: Sie habe den Auftrag, mehr Migranten für den Bund Naturschutz zu gewinnen.
Das funktioniere am besten über die Frauen, meint sie. „Der Garten könnte unser Anziehungspunkt sein, hier möchte ich gern mit Frauen aus Afrika oder aus arabischen Ländern darüber sprechen, wie sich mit Kräutern leckere Gerichte kochen lassen“, sagt Nakayama. Sie habe schon hier und da vorgefühlt: „Interesse ist da.“
„Viele wissen ja gar nicht, wie zum Beispiel Thymian aussieht, obwohl sie es in getrockneter Form zum Kochen verwenden.“ Nakayama selber hat schon in ihrer Kindheit in Japan viele Kräuter kennengelernt. „Meine Mutter wusste viel über Heilpflanzen“, erzählt sie. Gemeinsam haben sie wilde Kräuter gesammelt, zum Beispiel Ackerschachtelhalm, der viel Kieselsäure enthält, die das Bindegewebe stärkt.
Wildkräuter zu essen sei in Japan durchaus üblich. „Ich habe schließlich auch deshalb Biochemie studiert, weil ich verstehen wollte, warum Pflanzen giftig sind und warum Inhaltsstoffe eine spezielle Wirkung haben.“ Sie besuchte eine Hochschule in England, bis sie mit ihrem Mann nach Deutschland zog.
Seit einigen Jahren arbeitet Nakayama für eine japanische Firma, die elektrische Bauteile herstellt. Heilkräuter wurden ihr Hobby, sie gestaltet sich mit ihnen auch ihr ganz persönliches Wohlfühlprogramm. „Bei Stress tut mir Zitronenmelisse gut. Ich trinke zwei Tassen pro Tag.“ Schon das Ritual, sich Wasser heiß zu machen und den Tee aufzugießen, wirke entspannend. Vor allem vor dem Zubettgehen.
Ein Bad mit getrockneten Lavendelblüten sei ebenfalls wohltuend, vor allem an kalten Wintertagen. „Man gießt 50 Gramm Lavendelblüten mit ein bis zwei Liter heißem Wasser auf und lässt die Mischung abgedeckt zehn Minuten ziehen“, rät Nakayama. Anschließend die Blüten abseihen und ins maximal 37 Gard warme Badewasser geben. 15 Minuten darin baden und entspannen.
Ihr Lieblingskraut ist aber die Melisse. „Das Wort kommt aus dem Griechischen und bedeutet Biene.“ Früher haben Imker mit den Blättern der Melisse ihre Bienenhäuser eingerieben. „Die Insekten mögen den Duft sehr gern, außerdem schützt die Heilpflanze vor Viren.“ Derzeit sparen die Heilkräuter ihre Kraft fürs Überwintern, bis vor kurzem konnte aber beispielsweise Schafgarbe noch geerntet werden. „Der Tee hilft bei Verdauungsproblemen und Appetitlosigkeit.“
Wer sich im Winter mit Heilkräutern etwas Gutes tun will, muss auf fertige Teemischungen zurückgreifen. Dabei kann man sich aber wie Kazumi Nakayama schon mal aufs nächste Frühjahr freuen, wenn die Pflanzen draußen wieder blühen. Im Garten des Bund Naturschutz kann man dann wieder frischen Rosmarin, Thymian oder Salbei naschen.
In unserer Fotoserie "Mittags in der Stadt" finden Sie an den fünf Werktagen ein aktuelles Foto aus Nürnberg.