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Früher als typische Mittelmeerpflanze eingeschätzt, die viel Wärme braucht, hat sich Lavendel längst auch bei uns als winterhart entpuppt und ist aus den Gärten nicht mehr wegzudenken. Das heißt: Von den insgesamt 25 Lavendelarten, die es vor allem in Europa gibt, erträgt nur Lavendula angustifolia unsere oft strengen Winter. Andere gärtnerisch bedeutsame Arten, etwa der Schopflavendel (Lavendula stoechas) oder der Breitblättrige Lavendel (Lavendula latifolia) taugen bei uns allenfalls als Kübelpflanze.
Lavendel, oder wie er regional auch noch heißt: Hirnkraut, kleiner Speik, Spiket, Schwindelkraut oder Eander, ist eine ungeheuer vielseitige Pflanze, die mit dem Klima in den Wüstenregionen Arabiens genauso zurecht kommt, wie mit nasskaltem Schmuddelwetter in England. Selbst in Norwegen kann man Lavendel kultivieren.
Beim Boden allerdings kann das Duftgehölz nicht verleugnen, dass es ein Kind des Südens ist. Lavendel braucht mageren, durchlässigen und vor allem kalkhaltigen Boden. Staunässe wäre für die Wurzeln tödlich. Bestens angepasst an trockene Regionen, verzeiht es Lavendel auch, wenn man das Gießen mal vergisst. Auch beim Dünger darf man ruhig sparsam sein. Dankbar aber ist Lavendel, wenn man ihm im Frühjahr oder im Herbst etwas Gartenkalk unter die Erde mischt.
Und noch eines: Lavendel muss man schneiden. In der Natur kann Lavendel bis zu zwei Meter hoch werden. Dann sitzen die Ährenblütchen auf einem knorrigen Stamm, der von unten her kahl ist. Das möchte man im Garten vermeiden. Also wird Lavendel nach der Blüte zurückgeschnitten. Das Schnittgut kann man gut zum Abdecken der Rosen im Winter benutzen.
Der Name des Lavendels kommt übrigens aus dem Lateinischen. Dort heißt „lavare“ „waschen“. Zwar reinigt der Duftstrauch anders als etwa das Seifenkraut die Wäsche nicht selbst. In der Antike meinte man jedoch, Lavendel umgebe die Menschen mit Klarheit und Frische. Später wurden Lavendelessenzen gegen Pest, Tuberkulose und selbst gegen den Teufel verwendet.
Entsprechend begehrt und teuer waren Lavendelöle. Denn wenn auch ihre Wirkung gegen den Teufel nicht hundertprozentig erprobt ist – gegen Pelzkäfer und Motten im Schrank, gegen lästige Insekten in der Wohnung halfen Duftsäckchen mit getrockneten Blüten oder Lavendelöl in der Lampe bestens.
Dass Lavendel in jeder Form auch sehr gesundheitsfördernd ist, weiß man ebenfalls schon seit der Antike. Antiseptisch, krampflösend und harntreibend sollte Lavendel sein. Dazu gut gegen Asthma, Migräne, Nervenschwäche und Herzbeschwerden. Und die unvermeidliche Hildegard von Bingen schwor auf Lavendelwein gegen Lungenbeschwerden.
Unabhängig von all den gesunden Attributen: Lavendelduft tut einfach nur gut und lässt vom Süden träumen. Nebenbei soll er auch noch beim Verführen helfen. So nahmen arme provencalische Mädchen vor ihrer Hochzeit ein Bad in Lavendel. Wenn sie schon keinen Lavendelacker mit in die Ehe bringen konnten, so wollten sie wenigstens entsprechend duften.
Übrigens: Nicht alles, was in der Provence blau blüht, ist Echter Lavendel. Zwar ist die südfranzösische Region das Hauptanbaugebiet für die duftenden Blüten. Überwiegend handelt es sich bei den Pflanzen der blauen „Lavendel“-Feldern um so genannten Lavandin — eine Naturhybride von Echtem Lavendel (L. angustifolia) und dem Speik-Lavendel (L. latifolia). Lavandin bringt zwar mehr Ertrag, der Duft allerdings ist etwas schwächer.


Bewerbungen für den NN-Kunstpreis werden ab 1. März 2012 entgegengenommen. Die Teilnahmebedingungen finden Sie
hier.