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Manch ein Franzose sieht in diesen Tagen nochmals genau unter der Matratze nach. Blickt ins alte Sparschwein, räumt Schränke aus - und wenn nicht die eigenen, so doch die der Eltern oder Großeltern. Denn viele haben auch zehn Jahre nach Einführung der europäischen Gemeinschaftswährung noch Franc-Scheine gebunkert, ob aus Nachlässigkeit, Euro-Skepsis oder Nostalgie. Die Banknoten zeigen die Antlitze von Größen wie dem Architekten Gustave Eiffel (200 Franc), den Physik-Nobelpreisträgern Marie und Pierre Curie (500 Franc) oder dem Autor Antoine de Saint-Exupéry (50 Franc).
Wer dafür noch frische Euro möchte, muss sich beeilen: Bis Freitag, 17. Februar, tauscht die französische Notenbank Banque de France die alten Scheine noch um. Dann läuft in Frankreich die Frist dafür ab, so wie bereits in Italien und demnächst auch in Griechenland und Finnland. Und das in Zeiten, in denen europakritische Politiker wie die Rechtspopulistin Marine Le Pen den Ausstieg aus dem Euro fordern und sich in Umfragen ein Viertel der Franzosen die Rückkehr zum Franc wünscht.
Deutschland hat keinen solchen Stichtag für den Umtausch alter D-Mark in Euro. Laut Angaben der Bundesbank waren bis Ende letzten Jahres noch 13,3 Milliarden D-Mark in bar im Umlauf, also rund 6,8 Milliarden Euro, knapp die Hälfte davon in Scheinen. Vermutet wird, dass ein großer Teil davon im Ausland liegt. Die Münzen sind wohl für viele Besitzer den Umtausch-Aufwand nicht wert - da wiegt der Erinnerungswert höher.
Die französische Notenbank schätzt den Wert des noch zirkulierenden Geldes auf vier Milliarden Franc, etwa 600 Millionen Euro. Sie rechnet damit, dass höchstens ein Sechstel davon noch abgegeben wird. Die übrigen 500 Millionen Euro kommen dem Staat zugute; bei einer Neuverschuldung von mehr als 80 Milliarden Euro eine erfreuliche Nachricht. Die Regierung hat das Geld bereits in den Haushalt eingeplant. Ein großer Teil des wertlos werdenden Geldes dürfte Touristen gehören, die es nach einem Frankreich-Urlaub nie mehr gewechselt haben. Auch Sammler halten Scheine zurück, die teilweise ein Vielfaches ihres Ursprungswertes bekommen.
Dennoch verzeichnen die 68 Filialen der Banque de France in diesen Tagen einen Ansturm von Geldwechslern - allein seit Weihnachten waren es rund 60.000. Meist handele es sich um den berühmten "Notgroschen" und deshalb um relativ geringe Summen. Fälle wie der Mann, der an der Côte d`Azur eine Million Franc einzahlte, bleiben selten.
Auch zahlreiche Händler, Tankstellen und sogar Casinos akzeptierten in den vergangenen Wochen noch Franc. Wie lohnend das sein kann, illustriert vor allem das 9000-Seelen-Städtchen Le Blanc in Zentralfrankreich: Mehr als 30 Läden im Ort nehmen dort seit fünf Jahren Franc an. Aus ganz Frankreich pilgerten die Menschen in die Franc-Bastion. "Wir haben dadurch bis zu 20 Prozent mehr Umsatz erreicht", erklärt Sylvie Auteau-Oenne-Loccoz, die als Vorsitzende eines Händler-Vereins die Idee hatte. Die alten Franc geben die Leute für Dinge aus, die sie sonst gar nicht gekauft hätten, ergänzt eine Kollegin.
Damit ist es bald für immer vorbei; dennoch markieren bis heute manche Restaurants und Läden die Preise noch in Franc. Manche Kunden stöhnen dann, dass das Leben mit ihm billiger war. Dafür konnten sie mit ihm aber nicht in 17 Ländern bezahlen.

Bewerbungen für den NN-Kunstpreis werden ab 1. März 2012 entgegengenommen. Die Teilnahmebedingungen finden Sie
hier.