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Als wäre nichts passiert: China baut Kernkraft aus

Kein Land will so viele Atomkraftwerke bauen wie das Reich der Mitte - 14.03. 10:29 Uhr

Peking  - Als wäre nichts geschehen: Während Atommeiler nach dem Erdbeben in Japan außer Kontrolle geraten, stimmt der Volkskongress in China für ehrgeizige Pläne zum Ausbau der Kernenergie. Kein Land will so viele Atomkraftwerke bauen wie das Reich der Mitte.


Blick auf das im Bau befindliche chinesische Atomkraftwerk
Qinshan in Haiyan im Osten des Landes (Archivfoto vom 01.11.2008).
Blick auf das im Bau befindliche chinesische Atomkraftwerk Qinshan in Haiyan im Osten des Landes (Archivfoto vom 01.11.2008).
Foto: dpa
Blick auf das im Bau befindliche chinesische Atomkraftwerk
Qinshan in Haiyan im Osten des Landes (Archivfoto vom 01.11.2008).
Blick auf das im Bau befindliche chinesische Atomkraftwerk Qinshan in Haiyan im Osten des Landes (Archivfoto vom 01.11.2008).
Foto: dpa

Unbeirrt von der Atomkatastrophe in Japan setzt China voll auf den Ausbau der Kernenergie. Allein in den nächsten fünf Jahren soll mit dem Bau von rund 40 weiteren Reaktoren begonnen werden. Das sieht der neue Fünf-Jahres-Plan vor, den der Volkskongress ohne jede Debatte zum Abschluss seiner Jahrestagung billigte.

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Die Regierung versicherte, »einige Lehren» aus den Unfällen in Japan ziehen zu wollen. »Aber China wird seine Entschlossenheit und Pläne für die Entwicklung der Atomkraft nicht ändern», zitierten Staatsmedien Vizeumweltminister Zhang Lijun. Die Nutzung der Atomkraft in den Küstenprovinzen werde beschleunigt, gibt der Fünf-Jahres-Plan vor.

25 Reaktoren sind im Bau, für 70 weitere gibt es Vorschläge

Auch in Zentralchina werde die Gewinnung von Atomstrom »beständig vorangetrieben». Bis 2015 soll mit dem Bau von 40 Gigawatt an Kapazitäten neu begonnen werden. Schon heute verfolgt China ehrgeizige Pläne: 13 Atomreaktoren mit 10,8 Gigawatt sind in Betrieb. Bis 2020 sollen diese Kapazitäten auf 86 Gigawatt sogar verachtfacht werden. 25 Kernreaktoren sind gegenwärtig schon im Bau, weitere 50 in konkreter Planung. Darüber hinaus gibt es Vorschläge für 70 weitere Reaktoren. Erwartungsgemäß stimmten 2778 Delegierte in der Großen Halle des Volkes für den neuen Entwicklungsplan. Nur 56 stimmten dagegen, während sich 38 Abgeordnete enthielten.

Auf einer sorgfältig orchestrierten Pressekonferenz ging Regierungschef Wen Jiabao mit keinem Wort auf die Atomunglücke in Japan ein. Er erwähnte auch nicht die eigenen Pläne Chinas zum massiven Ausbau der Kernenergie. Einige der Delegierten betonten aber auf Journalistenfragen, China sollte der Sicherheit von Kernkraftwerken mehr Aufmerksamkeit schenken.

»Ich wünschte, es gebe Alternativen zur Atomkraft»

Atomkraftwerke sollten nicht in der Nähe von Ballungszentren gebaut werden. »Das Unglück in Japan wird uns eine Lehre sein», sagte der Delegierte Lu Qin aus Jiangsu. »Ich wünschte, es gebe Alternativen zur Atomkraft – aber ich bin da kein Experte.»

Mit dem weltweit einmaligen Ausbau der Kernkraft will der größte Energieverbraucher seine Engpässe bewältigen und die Abhängigkeit von Kohle und Ölimporten verringern. Als größter Klimasünder will China auch den Ausstoß von Kohlendioxid verringern. Bis 2015 wird im Fünf-Jahres-Plan angestrebt, den Ausstoß an Treibhausgasen für jeden erwirtschafteten Yuan um 17 Prozent zu verringern. In absoluten Zahlen steigt Chinas Beitrag zum Klimawandel wegen des starken Wachstums aber unverändert weiter. Heute bezieht China zwei Drittel seiner Energie aus Kohle. Um mehr Nachhaltigkeit zu erreichen, will Regierungschef Wen Jiabao auch das Tempo der bislang zweistellig wachsenden Wirtschaft auf sieben Prozent jährlich drosseln. »Wir werden den Umbau der Entwicklungsmechanismen in den Mittelpunkt rücken.» 



dpa

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