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Ein Jahr lang wurde Anne Sinclair nur noch wahrgenommen als die Frau an der Seite eines mächtigen Mannes, Dominique Strauss-Kahn ("DSK") - erst hochgejubelt, dann tief gefallen. Als der Ex-Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) noch als vielversprechender Präsidentschaftsanwärter der französischen Sozialisten galt, sahen viele Anne Sinclair schon als nächste Première Dame. Nach den Vergewaltigungsvorwürfen gegen ihn erschien sie dann als die Frau, die allzu unerschütterlich weiter zu ihrem untreuen Ehemann hielt.
Sie stand den Spießrutenlauf zu Gerichtsterminen demonstrativ durch, suchte eine Bleibe für seinen Hausarrest in New York und bezahlte die Millionenmiete. Auch als nach seiner Freilassung immer weitere Sexaffären aufkamen, blieb sie.
Jetzt will Sinclair wieder in die Rolle schlüpfen, die sie lange vor DSK bekannt gemacht hat: die der Journalistin. Arianna Huffington, Gründerin der erfolgreichen US-Onlinezeitung "The Huffington Post" hat sie zur Direktorin des französischen Ablegers gemacht. Ein geschickter Doppel-Coup: Die Besetzung bescherte nicht nur Huffington höchste Aufmerksamkeit und 1,7 Millionen Seitenaufrufe in den ersten Tagen, sowie eine bestens vernetzte Leiterin mit dickem Adressbuch. Sie gibt auch Sinclair die Möglichkeit, sich zu rehabilitieren.
Zeitgleich wehrt sich diese in einem achtseitigen Interview mit der Frauen-Zeitschrift "Elle" gegen den Voyeurismus der Öffentlichkeit und Anfeindungen von Feministinnen, die sie als Anti-Vorbild brandmarkten. Sie sei weder Opfer, noch Heilige, sondern eine freie Frau: "Niemand weiß, was sich in der Vertrautheit einer Ehe abspielt und ich streite jedem das Recht ab, über meine zu richten."
Die 63-Jährige hofft jetzt wieder mit anderen Dingen aufzufallen als mit ihrem Privatleben. Als Chefin einer achtköpfigen Mannschaft muss sie nach dem Vorbild der US-Mutter ehrenamtliche Autoren für Artikel und Kommentare für "Le Huffington Post" rekrutieren. Als Vorzeige-Blogger gewann sie bereits Ex-Ministerin Rachida Dati und den Mode-Designer Emmanuel Ungaro.
Sinclair schreibt auch selbst auf dem Web-Medium, an dem die Zeitung "Le Monde" 34 Prozent hält, und setzt in einem Beitrag zum Präsidentschaftswahlkampf auf den sozialistischen Kandidaten François Hollande. Pikanterweise wurde er nur zum neuen Hoffnungsträger der Partei, weil DSK ausfiel.
Kritiker bezweifeln, dass Sinclair ihre Arbeit wirklich objektiv und unbelastet tun kann, zumal ein Sex-Skandal, in den ihr Mann verwickelt ist, immer noch läuft. "Das Thema wird behandelt wie jedes andere auch", erwidert sie.
Lange steckte sie beruflich für DSK zurück. In den 80er und 90er Jahren wurde die attraktive Dunkelhaarige mit den klarblauen Augen als Moderatorin der wöchentlichen Fernsehsendung "7 sur 7" zum umschwärmten Fernseh-Star, der die Größen der Welt von Bill Clinton bis Mutter Teresa auf ihrem Sofa empfing. Den Posten gab sie auf, als Strauss-Kahn 1997 Finanzminister wurde, blieb aber auf leitenden Stellen.
Sechs Jahre vorher hatte sie ihn geheiratet, die aus einer ersten Ehe mit dem Journalisten Ivan Levaï zwei Kinder hat. Als DSK 2007 zum IWF in die USA ging, folgte sie ihm und schrieb von dort aus einen Blog und ein demnächst erscheinendes Buch über ihre Familiengeschichte und ihren Großvater, den bekannten Kunstsammler Paul Rosenberg, dessen Erbe einen Teil ihres Vermögens mit ausmacht.

Bewerbungen für den NN-Kunstpreis werden ab 1. März 2012 entgegengenommen. Die Teilnahmebedingungen finden Sie
hier.