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Der serbische Regierungschef Ivica Dacic wurde in der vorigen Woche vorgeführt. Für eine Fernsehshow, die nach dem Prinzip der „Versteckten Kamera“ funktioniert, brachte ihn eine vermeintliche TV-Journalistin im superkurzen Mini und ohne Unterwäsche ins Schwitzen. Tagelang war die Begebenheit auch in den Nachbarländern Kroatien und Bosnien das Gesprächs- und Medienthema.
Diskutiert wurde über den gelinkten Politiker, großformatig gezeigt wurde die 36-jährige Frau – nackt. In den Medien der Balkanländer „werden die Frauen auf Körper und Aussehen reduziert“, beklagt Sanja Sarnavka. Sie leitet die vor 19 Jahren gegründete Organisation „B.a.B.e.“ (Abkürzung für „Sei aktiv, sei emanzipiert“), eine der wichtigsten Gruppen in Kroatien, die sich für Frauenrechte einsetzen. „Die Frauen werden sexualisiert“, stimmt die Zagreber Frauengruppe „Izvor“ zu, die auch aus EU-Mitteln finanziert wird. Beide Hilfegruppen engagieren sich bei der Aufklärung von Frauen für ihre Rechte, geben juristischen Beistand, betreiben SOS-Telefone bei häuslicher Gewalt und finanzieren wissenschaftliche Studien über die Diskriminierung von Frauen.
In vielen Reklamen zum Beispiel für Bier äußerten sich die Männer sexuell zweideutig gegenüber leicht bekleideten Frauen. „Damit werden aber auch die Männer degradiert, weil sie als Menschen mit niedrigem intellektuellen Potenzial dargestellt werden, die nur fähig zu 'Basic instinct' sind“, klagen die Feministinnen. „Sexismus ist in Bosnien-Herzegowina und in der gesamten Region leider stark vertreten“, analysiert die Stifung „Cure“ (Mädchen) in Sarajevo.
In den stark traditionell strukturierten Gesellschaften Südosteuropas weiß man angeblich „seit Jahrhunderten, welche Rolle die Frauen in der Gesellschaft spielen müssen“. Die bekannten Schlagersängerinnen wie zum Beispiel Severina Vuckovic in Kroatien und Svetlana „Ceca“ Raznatovic in Serbien spielen ambitioniert ihre Rolle als nationale Sexsymbole – begleitet von ausführlicher medialer Berichterstattung.
In Bulgarien löste eine TV-Werbung für Schafskäse negative Schlagzeilen aus: Eine üppige Kellnerin lässt ein Stückchen in ihr Dekolleté fallen und schiebt es später einem Kunden in den Mund. Nach Protesten wurde der Spot ohne die anstößige Szene gezeigt. Rumäniens Staatspräsident Traian Basescu hat sich persönlich wiederholt unrühmlich hervorgetan. Vor Jahren hatte er auf eine politische Frage einer TV-Journalistin geantwortet: „Hey, Vögelchen, hast Du heute nichts Besseres zu tun?“. „Vögelchen“ bezeichnet in Rumänien umgangssprachlich das weibliche Geschlechtsorgan.
In Serbien hatten die Vereinten Nationen Ende 2011 die Aktion „Echte Kerle gegen Gewalt gegenüber Frauen“ ins Leben gerufen. Möglichst viele Männer sollen eine Deklaration unterschreiben. „Ein echter Mann ist kein Gewalttäter, er benutzt weder die Faust noch Verunglimpfungen (von Frauen)“, heißt es dort. Dass diese Aktion nötig war, zeigt auch das Verhalten von Spitzenpolitikern. Der serbische Bauminister Velimir Ilic belästigte und beleidigte vor mehreren Jahren die Sekretärin eines Ministerkollegen mit eindeutigen sexuellen Anspielungen, Fäkalsprache und Mutterflüchen.
In Kroatien versuchten Männer auf besonders plumpe Weise klarzumachen, dass Politik ein männliches Geschäft sei, in dem Frauen nichts zu suchen hätten. In schier unglaublichen Wortspielen hieß es sinngemäß: „Frauen sind nicht zum Denken, sondern für die Matratze gemacht“ und „Sprich weniger, gebäre mehr!“. Die Zagreber Frauengruppe „Izvor“ berichtet über eine Studie, nach der zehn Prozent der weiblichen Bewerberinnen für einen Arbeitsplatz schon beim Vorstellungsgespräch sexuelle „Angebote“ erhalten.
Dass sich etwas verändert, zeigt das Beispiel Albanien. Hier schreiben die Gesetze nach jahrelangem Bemühen vor, dass 30 Prozent aller Parlamentsplätze von Frauen zu besetzen sind. Dass im Zweifelsfall alte Muster gelten, zeigt das Beispiel Albanien aber auch. Für die nächste Wahl im Juni haben die beiden größten Parteien die 30-Prozent-Bestimmung kurzerhand außer Kraft gesetzt. In Bosnien stellen Frauen mit 52 Prozent zwar mehr als die Hälfte der Bevölkerung – aber nur 17 Prozent der öffentlichen Ämter werden von Frauen ausgeübt. Die Kämpferinnen für die Gleichstellung von Frauen treffen auf ein ganz unerwartetes Problem: „Auch sehr viele Frauen verachten den Feminismus und meinen, dass die 'echte' Frau die traditionellen Werte nicht infrage stellt“, sagt B.a.B.e-Chefin Sarnavka.
