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Das Bundespräsidialamt ist ein ziemlich verschwiegener Bau. Obwohl das deutsche Staatsoberhaupt und seine Mitarbeiter hier ihre Büros haben, kennt niemand das hinter Bäumen versteckte, direkt neben dem Schloss Bellevue gelegene Haus. Seit dem Wochenende dürfte das allerdings anders sein: Es wurde bekannt, dass Staatsanwaltschaft und Polizei hier Akten sowie Computerdateien im Arbeitszimmer des ehemaligen Präsidentensprechers Olaf Glaeseker beschlagnahmten.
Ein Vorgang, den Deutschland bisher nicht erlebt hat. So nahe sind die Ermittlungsbehörden in der Nachkriegsgeschichte einem Staatsoberhaupt noch nicht gekommen. Zwar bemühten sich die Beamten aus Hannover um große Diskretion, als sie am Donnerstag anrückten. Aber bekanntgeworden ist die Sache nun trotzdem. Und Christian Wulff hat ein Problem mehr am Hals, denn sein Bemühen um Normalität wird ein ums andere Mal wieder zurückgeworfen.
Es ging bei der Durchsuchung um den „Nord-Süd-Dialog“ — eine umstrittene Veranstaltung, die den Sinn hatte, die Bundesländer Niedersachsen und Baden-Württemberg einander näherzubringen. Die Landtagsopposition in Hannover hatte anschließend nachgefragt, ob sich die Regierung daran in irgendeiner Weise beteiligt habe. Die Antwort von Christian Wulffs Mitarbeitern: ein klares Nein.
Inzwischen sind schon viele gegenteilige Details bekanntgeworden — etwa von den Kochbüchern im Wert von knapp 3500 Euro, die man zur Verfügung stellte. Von der mehrheitlich landeseigenen Norddeutschen Landesbank, die zweimal Geld gab. Von zahlreichen unterstützenden Aktionen des damaligen Regierungssprechers Olaf Glaeseker, gegen den nun wegen Bestechlichkeit ermittelt wird. Und sogar von Nachfragen Christian Wulffs selbst bei Unternehmen.
Das hat nun auch der Organisator dieser Lobby-Veranstaltung, der Party-Manager Manfred Schmidt, bestätigt. Laut Spiegel räumte er ein, dass Wulff und Glaeseker bei der Suche nach Geldgebern aktiv wurden, denn (so Schmidt) „es müssen ja mal Kontakte hergestellt werden, wenn so etwas von der Wirtschaft finanziert werden soll“.
Der Party-Veranstalter selbst hat seine Hausdurchsuchung durch die Staatsanwaltschaft schon hinter sich. Ihm wird vorgeworfen, sich für die Hilfestellung Glaesekers mit Urlaubsreisen bedankt zu haben, was Bestechung gewesen sein könnte. Das Fatale für Christian Wulff daran: Olaf Glaeseker ist nicht irgendein Sprecher eines Politikers. Beide arbeiteten zwölf Jahre intensiv zusammen.
Nun durfte der im Dezember entlassene Glaeseker noch nicht mal zum Ausräumen zurück in sein Büro. Als er vergangene Woche dort erschien, wurde ihm der Zutritt mit dem Hinweis auf die laufenden Ermittlungen verweigert. Ansonsten ist der 50-Jährige zum Gespenst geworden.
Nicht mal seine eigene Partei und die niedersächsische Landesregierung wussten, wo und wie sie ihn für Nachfragen erreichen könnten. In der Union ist man entsetzt über die immer neuen Erkenntnisse zu dem Gespann Wulff-Glaeseker. Aber keiner will mehr darüber reden. Einzig Kanzlerin Angela Merkel rang sich auf die Frage in einem Interview eine Durchhalteparole ab: „Unser Bundespräsident wird viele weitere wichtige Akzente für unser Land und unser Zusammenleben setzen“, sagte sie.
Die Opposition ist der Meinung, dass das Staatsoberhaupt nur noch einen Akzent setzen kann, der dem Land gut tun würde. Nämlich zurückzutreten. SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier sieht sogar schon internationalen Schaden. Denn: „Deutschland ist für viele Länder ein Vorbild, was die Sauberkeit der Politik und die Unabhängigkeit ihrer Verantwortungsträger angeht.“
Die Wulff-Debatte nehme der Bundesrepublik „sicherlich einiges von diesem Nimbus“. Generalsekretärin Andrea Nahles ergänzte: „Viele Menschen fragen sich, was eigentlich noch passieren muss, damit Herr Wulff Konsequenzen zieht.“

Bewerbungen für den NN-Kunstpreis werden ab 1. März 2012 entgegengenommen. Die Teilnahmebedingungen finden Sie
hier.