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Dürre in Kenia: Fränkische Hilfsinitiative schlägt Alarm

Helfer vor Ort bitten um Spenden aus der Region - Ärzte und Zahnärzte versorgen täglich über 100 Menschen - 13.07. 12:49 Uhr

NÜRNBERG  - Die Dürre-Katastrophe in Ostafrika hält auch eine Gruppe von Menschen in der Region in Atem. Die fränkische Keniahilfe, die seit 19 Jahren auf dem Schwarzen Kontinent Not lindert, schlägt massiv Alarm.


„Die meisten Men­schen in Deutschland können sich überhaupt nicht vorstellen, wie groß die Not im östlichen Afrika derzeit ist.“ Schwester Luise Radlmeier sagt dies, 74-jährige Ordensfrau der Domi­nikanerinnen und Motor der fränki­schen Afrika-Hilfe vor Ort in Thika/ Kenia.


Bilder wie dieses aus Somalia bestimmen dieser Tage die Schlagzeilen. Am Horn von Afrika kämpfen die Menschen gegen Hunger und Dürre.
Bilder wie dieses aus Somalia bestimmen dieser Tage die Schlagzeilen. Am Horn von Afrika kämpfen die Menschen gegen Hunger und Dürre.
Foto: afp
Bilder wie dieses aus Somalia bestimmen dieser Tage die Schlagzeilen. Am Horn von Afrika kämpfen die Menschen gegen Hunger und Dürre.
Bilder wie dieses aus Somalia bestimmen dieser Tage die Schlagzeilen. Am Horn von Afrika kämpfen die Menschen gegen Hunger und Dürre.
Foto: afp

Sie berichtet von ausgemergel­ten Menschen, die weite Fußwege auf sich nehmen, um in der fränkisch-ke­nianischen Sozialstation Hilfe zu erhalten, von Waisenkindern, von Alten, die nicht einmal das Nötigste zum Leben haben, von Schwerkran­ken, von Malaria und Aids. Und vom Hunger, „der für Millionen Menschen in dieser Region so schlimm ist wie nie zuvor“.

 

Die fränkische Initiative, die vom Katzwanger Zahnarzt Dr. Paul Festl und seinen Mitarbeitern gesteuert wird, versorgt täglich mehrere Hun­dert Menschen: Allein 700 Kinder erhalten jeden Tag in der St. James-Schule Mittagessen. In einem Kinder­dorf werden Tag für Tag 368 Mädchen und Buben mit Essen und Trinken bedacht. Darüber hinaus haben die Nonnen und ihre Helferinnen einen ambulanten Dienst eingerichtet, der Speis und Trank zu zahlreichen beson­ders armen Familien und Alten in der Stadt und im Umkreis bringt.

Großzügige Zeitungsleser

Dies alles vor dem Hintergrund mas­siv gestiegener Lebensmittelpreise. „Wir haben zunehmend zu kämpfen“, unterstreicht Schwester Luise, die in diesen Tagen in Nürnberg weilte und sich hier auch mit Unterstützern der fränkischen Keniahilfe traf. Wie mit der Nürnberger Bundestagsabgeord­neten Dagmar Wöhrl, die mit ihrer Emanuel-Stiftung in Ostafrika Gutes tut, oder mit den Verantwortlichen des Hilfswerks deutscher Zahnärzte, das sich inzwischen mit erheblichen Summen eingebracht hat.

Ebenso wie es beispielsweise die „Sternstunden“ des Bayerischen Rundfunks, die Lions- und die Rotary-Bewegung — und eben nicht zuletzt auch die Lese­rinnen und Leser unserer Zeitung getan haben. „Ohne die Spenden der NN- Leserin­nen und -Leser“, so die Ordensfrau, „wäre dort in Thika gar nichts entstan­den.“ 1992 hatte die Nürnberger Cari­tas- Schwester Gerda Köglmeier die Aktion ins Leben gerufen.

Nach Berichten in unserem Blatt kamen innerhalb weniger Monate Geld- und Sachspenden im Wert von mehr als einer Million Mark zusammen. Das erste Krankenhaus konnte gebaut wer­den und war 1994 fertiggestellt. Inzwischen kamen unter anderem das erwähnte Kinderdorf und die Schule dazu, berufliche Ausbildungs­stätten für junge Menschen, weitere medizinische Einrichtungen wie eine Zahnklinik und eine Geburtenstation sowie andere Angebote mehr.

Das alles erfordert natürlich auch laufende Kosten, die Dr. Paul Festl auf rund 200.000 Euro jährlich ansetzt. Die ehrenamtlichen Verant­wortlichen, die alle Verwaltungskos­ten selbst bezahlen, damit jeder Spen­den- Cent in den Projekten ankommt, sind bemüht, dass sich die Einrichtun­gen, so gut es geht, selber tragen.

Ein Beispiel ist der landwirtschaftliche Ausbildungsbetrieb, in dem Jugendli­che unter Anleitung Getreide anbauen, es verarbeiten, Backwaren herstellen und, soweit diese nicht in den Einrichtungen benötigt werden, verkaufen. Ähnlich soll ein Mechani­ker- Ausbildungszentrum arbeiten, das der Rotary-Club Roth aufbaut.

Kostenlose Behandlung für die Ärmsten der Armen

Auch das Krankenhaus finanziert sich weitgehend selbst. Patienten, die etwas geben können, müssen dies tun. Die Ärmsten der Armen werden aller­dings kostenlos behandelt: bisher noch im alten Haus, ab dem nächsten Jahr in einem neuen Gebäude, das für 550.000 Euro derzeit errichtet wird. Die Baukosten finanzieren sich über den Nachlass eines bayerischen Ehe­paars und aus Mitteln des Zahnärzte-Hilfswerks.

Weitere Vorhaben, so Dr. Festl, stehen an. Schwester Luise setzt bei alledem auf Gottvertrauen, aber auch auf die Großzügigkeit der Menschen in der fränkisch-oberpfälzi­schen Region. „Bitte, lasst uns in Ost­afrika nicht im Stich!“, fleht sie.

Spendenkonto: Katholische Kirchen­stiftung St. Marien, Nürnberg, Konto­nummer: 1 178 010, Bankleitzahl: 760 501 01, Kennwort: Hunger Kenia 



VON ULRICH RACH

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