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Ein Meistertitel, sieben Abstiege und 34 Trainer

Der 1.FC Nürnberg bestreitet am Samstag gegen Hertha BSC Berlin im Frankenstadion sein tausendstes Bundesligaspiel - 20.01. 20:00 Uhr

NÜRNBERG  - 1645 Bundesliga-Spieltage hat es seit 1963 gegeben, 999 Mal war der 1.FC Nürnberg am Ball. Am Samstag zum Rückrunden-Auftakt steht das Jubiläum an. Der Club bestreitet sein tausendstes Bundesligaspiel.

Ganz oben, ganz unten: In bisher 999 Bundesligaspielen erlebte Nürnbergs Fangemeinde ein stetes Auf und Ab.
Ganz oben, ganz unten: In bisher 999 Bundesligaspielen erlebte Nürnbergs Fangemeinde ein stetes Auf und Ab.
Foto: Zink
Ganz oben, ganz unten: In bisher 999 Bundesligaspielen erlebte Nürnbergs Fangemeinde ein stetes Auf und Ab.
Ganz oben, ganz unten: In bisher 999 Bundesligaspielen erlebte Nürnbergs Fangemeinde ein stetes Auf und Ab.
Foto: Zink

NÜRNBERG — Man traf sich im Hinterzimmer einer Gaststätte in Eisenach, eher heimlich. Die Idee war revolutionär, frühe Pioniere planten die Einführung einer nationalen Liga nach englischem Vorbild. Das war 1932, und die regionalen Fußball-Fürsten liefen Sturm gegen solche Pläne — wie wieder 1958, als der Kölner Franz Kremer als Kopf einer „Interessengemeinschaft Bundesliga und Berufs-Fußball“ die Idee wieder aufgriff. Der Deutsche Fußball-Bund lehnte einigermaßen entrüstet ab.

Es sollte noch einmal fast fünf Jahre dauern, ehe entstand, was zum deutschen Markenbegriff avancierte. Fräuleinwunder, VW-Käfer, Bundesliga — nichts davon fehlt, wenn ausländische Zeitungen gelegentlich fragen, was ihren Lesern zu Deutschland einfällt. Dazuzugehören, das war schon damals, als die Bundesliga endlich geboren wurde, eine Frage des Prestiges für Vereine, Städte und ganze Regionen.



Und immerhin war es noch keine Frage, dass der große 1.FC Nürnberg, mit acht Meistertiteln noch Deutschlands erfolgreichster Verein, dazugehören musste. 16 Vereine sollte die neue nationale Spielklasse umfassen, 74 bewarben sich, und neun erhielten schon bei der ersten Sitzung der Bundesliga-Kommission am 10. Januar 1963 den Zuschlag: neben Nürnberg der Hamburger SV, Werder Bremen, der 1.FC Köln, Borussia Dortmund, Schalke 04, Eintracht Frankfurt, der 1. FC Saarbrücken — und Hertha BSC aus dem geteilten Berlin. Der FC Bayern München hingegen bekam eine Absage; in der noch schwarzweißen Tagesschau verkündete DFB-Generalsekretär Hans Paßlack schließlich staatstragend und live, dass auch Mönchengladbach und Fürth keine Lizenz erhalten würden. Die Frage, wer in die Bundesliga gehört, entzweite damals über Monate ganze Landstriche.

Erster Treffer durch Morlock

Als es losging, waren noch zwei Weltmeister von 1954 dabei: Helmut Rahn beim Meidericher Spielverein — und Nürnbergs Jahrhundertspieler Max Morlock. Es war am 24. August 1963, als dem großen Morlock das erste Bundesligator für Nürnberg gelang. Beim 1:1 in Berlin brachte der 38 Jahre alte Morlock den Club in Führung, man wertete es als gutes Omen, aber nach der Premierenspielzeit stand nur Rang neun. Der Club hatte am 30. Oktober mit der Beurlaubung von Herbert Widmayer für die erste Trainer-Entlassung der Bundesliga-Geschichte gesorgt, am Ende öfter verloren als gewonnen – und die Frage, ob Nürnberg in die Bundesliga gehört, klang erstmals noch ganz leise an.

999 Bundesligaspiele hat der 1.FC Nürnberg seither bestritten, viel öfter verloren (430 Mal) als gewonnen (318 Mal); und das tausendste Nürnberger Bundesligaspiel am Samstag wieder gegen Hertha BSC Berlin soll wieder einmal Aufschluss über die schon jahrzehntealte Frage geben, ob Nürnberg gut genug ist für die Eliteklasse.

Nur zwölf Vereine (darunter der VfL Bochum) haben mehr Bundesligaspiele bestritten, nur Hamburg war immer dabei — und kaum ein Verein hat seit 1963 solche Turbulenzen erlebt wie der fränkische Altmeister. Nürnberg stand ganz oben: erstmals am 2. September 1967 war der Club Tabellenführer. Drei Monate später gelang ein bis heute legendäres 7:3 über den aufstrebenden FC Bayern München, am Ende der Saison stand der Meistertitel — und ein Jahr später folgte der tiefe Fall. Der Abstieg eines Meisters blieb einmalig in der Bundesliga-Historie, und es sollte neun lange Jahre dauern, bis der Club zurückkehrte (und prompt sofort wieder abstieg).

Über 38 Jahre nach dem Meisterstück von 1968 stand Nürnberg noch einmal ganz oben — mit Trainer Hans Meyer vom ersten bis zum dritten Spieltag der Saison 2006/07, an deren Ende mit dem DFB-Pokalsieg der erste Titel seit 39 Jahren stand. Aber schon 2007/08 ging es zurück in die zweite Liga.

Sieben Abstiege, sieben Aufstiege: Auch das ist einmalig bei einem Verein, dem als einzigem Erstligisten das Kunststück gelang, gegen ein fünftklassiges Team, den SSV Ulm, aus dem Pokalwettbewerb auszuscheiden (2001) und der eines seiner 999 Spiele sogar zweimal austrug.

Das besondere Tor

Das 1:2 am 23. April 1994 beim FC Bayern wurde wegen eines kurios irregulären Tores des Münchners Thomas Helmer annulliert, Bayern gewann das Wiederholungsspiel mit 5:0; Nürnberg stieg, nach nie wieder erreichten neun Bundesligajahren in Folge, erneut ab. Fünf Monate später starb Max Morlock, und im Mai 1996 war Nürnberg bis in die Drittklassigkeit der Regionalliga Süd abgestürzt.

999 Spiele, vierunddreißig Trainer, ein Meistertitel, ein Bundesliga-Torschützenkönig (Marek Mintal 2005), ein deutscher Fußballer des Jahres (Andreas Köpke 1993): In immerhin dreißig von neunundvierzig Bundesliga-Jahren war der Club dabei, aber die Frage, ob man in dieser Liga wirklich glücklich werden könne, ist immer noch offen. Die Bundesliga: „Zur Struktur unseres Vereins passt das so wenig wie zum Journalismus das Pferdestehlen“ — so stand es, kurz bevor 1963 alles begann, in den Vereinsnachrichten des 1.FC Nürnberg.

  



HANS BÖLLER

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