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Eine teure Niederlage

Aus für München bremst Millionen-Investitionen - 10.07. 11:59 Uhr

MÜNCHEN  - Münchens herbe Niederlage bei der Vergabe der Winterspiele 2018 hat auch wirtschaftliche Konsequenzen: Etliche Infrastruktur-Projekte werden zumindest vorerst ausgebremts.


Katarina Witt heult nach der Entscheidung des IOC gegen München Rotz und Wasser, Nürnbergs Olympia-Tränen sind derweil schon längst getrocknet.
Katarina Witt heult nach der Entscheidung des IOC gegen München Rotz und Wasser, Nürnbergs Olympia-Tränen sind derweil schon längst getrocknet.
Foto: dapd
Katarina Witt heult nach der Entscheidung des IOC gegen München Rotz und Wasser, Nürnbergs Olympia-Tränen sind derweil schon längst getrocknet.
Katarina Witt heult nach der Entscheidung des IOC gegen München Rotz und Wasser, Nürnbergs Olympia-Tränen sind derweil schon längst getrocknet.
Foto: dapd

Es wird ein wenig die Tränen trocknen. Wenn Katarina Witt wieder in München ist, verleiht ihr die Stadt die Medaille „München leuchtet in Gold“. Nur die Ehrenbürgerwürde wiegt schwerer. Und natürlich der Scheck, den Witt bekommt. Welche Zahl darauf steht, ist zwar geheim. Wenigstens finanziell aber dürfte sich der Einsatz für die Ex-Eiskunstläuferin schon gelohnt haben.

Und für München, Bayern, Garmisch? Sie loben den Werbeeffekt. „Dass wir Sympathien gewonnen haben“, sagt Münchens OB Christian Ude, „steht außer Frage.“ Billig war das nicht: Rund 32 Millionen hat die Bewerbung gekostet; Sponsoren decken nur einen Teil ab. Sechs Millionen Euro legt der Freistaat drauf. Doch das ist nichts im Vergleich zu den Milliarden, die dem Land jetzt durch die Lappen gehen.

Ausgeträumt

Denn die Spiele wären „eine Riesenchance für ein Sonderkonjunkturprogramm gewesen“, sagt Münchens IHK-Chef Peter Driessen. Die Stadt wartet seit Jahren auf die zweite S-Bahn-Stammstrecke. Das Werdenfelser Land rund um Garmisch hatte von einer ausgebauten Autobahn geträumt, von vierspurigen Schienenstrecken und zwei Tunnels für die Bundesstraße. „Darauf“, sagt Florian Streibl, Abgeordneter der Freien Wähler, „warten wir seit Jahrzehnten.“

Ausgerechnet ein CSU-Politiker blockt ab. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer hätte im Fall einer Olympia-Zusage sofort Mittel in den Freistaat gelenkt. „Mit einer Pro-Entscheidung hätte ich das beschleunigt. So geht das normal weiter.“ Bis 2017 sollte die zweite S-Bahn-Röhre im Münchner Untergrund fertig sein als Bypass für die überlastete Hauptstrecke. Jetzt kommt sie wohl frühestens 2025. Egal, wie sehr Bahn und Bayerns Wirtschaftsministerium drängen.

Das Nein, so Wirtschaftsminister Martin Zeil trotzig, sei „kein Beinbruch, sondern allenfalls eine Verstauchung, die uns nicht zurückwirft.“ Und Ministerpräsident Horst Seehofer hat schon vor Wochen gepoltert, er erwarte, dass Ramsauer das Geld aufbringe, angesichts „der großen Bedeutung der Strecke für den gesamten Großraum München und für die Anbindung des Flughafens“. Beeindruckt hat das Ramsauer wenig. Allenfalls der Beifall eines Grünen dürfte ihn stören. Ludwig Hartmann, Stimme des politischen Widerstands gegen die Winterspiele, glaubt, dass Bayern „die schwerwiegenden Folgen einer Ausrichtung erspart“ blieben, nennt „die Kosten und Risiken, die ökologischen Folgelasten, die Fixierung auf unsinnige Straßenbauprojekte und die mangelhafte Nachhaltigkeit“.

Deutliches Signal

Mühsam hatten die Parteien zusammengefunden, hatten sich sogar die Grünen mehrheitlich auf die Seite der Olympia-Befürworter geschlagen. Das ist Vergangenheit. „Für mich war das ein sehr deutliches Zeichen“, sagt Grünen-Chefin Theresa Schopper, „dass das IOC ein Konzept wie das Münchner Konzept nicht will. Die wollen nur immer höher, schneller, weiter.“ Für Schopper steht fest, dass Bayerns Vorlage die ökologischste aller Zeiten gewesen sei. „Das IOC ist aber auf einem ganz anderen Dampfer.“ Ihre Partei werde sich kein zweites Mal hinter eine Bewerbung stellen. „Persönlich täte es mich freuen, wenn die Spiele doch noch kommen. Aber die Chance dafür sehe ich nicht.“



Damit steht sie nicht allein. Während erste CSU- und FDP-Politiker noch in der Stunde nach der Niederlage forderten, München müsse sich sofort für 2022 bewerben, sind andere weit skeptischer. „Wir sind die Einzigen, die wissen, wie es geht“, prahlt etwa Kultusminister Ludwig Spaenle. Deshalb sei ein zweiter Anlauf zwingend. Doch Spaenles Euphorie ist die Ausnahme. Sowohl Münchens OB Christian Ude als auch IOC-Vizepräsident Thomas Bach warnen vor einem allzu schnellen Urteil, vor, wie Ude sagt, „vorlauten Tönen“.

Schließlich war das Urteil der IOC-Delegierten mehr als deutlich. Nicht einmal ein Drittel stimmte für Münchens Konzept der Grünen Spiele. Aber mehr als zwei Drittel für das des Geldes in Südkorea. Für den Schwabacher CSU-Politiker Karl Freller ist damit alles gesagt. Das IOC, befindet er, habe sich „für die größeren Profitaussichten und gegen Sporttradition, Nachhaltigkeit und Umweltaspekte“ entschieden. 



VON ROLAND ENGLISCH

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