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Hartes Leben in der Kälte

Vom Kampf der Obdachlosen bei strengen Minusgraden - 06.02. 17:05 Uhr

MÜNCHEN  - Der Einkaufswagen vor dem Eingang der Teestube quillt fast über. Jacken liegen darin, Decken und Schlafsäcke. Ein paar Meter weiter stehen zwei Männer und rauchen. Lange halten sie es bei der klirrenden Kälte allerdings nicht aus, dann gehen sie wieder rein.

Bei bitterer Kälte: Ein Obdachloser unter der Wittelsbacher Brücke in München.
Bei bitterer Kälte: Ein Obdachloser unter der Wittelsbacher Brücke in München.
Foto: dpa
Bei bitterer Kälte: Ein Obdachloser unter der Wittelsbacher Brücke in München.
Bei bitterer Kälte: Ein Obdachloser unter der Wittelsbacher Brücke in München.
Foto: dpa

Drinnen, im Tagestreff „Teestube komm“ beim Evangelischen Hilfswerk München ist es gemütlicher. Am Tresen gibt es warmen Tee und Kaffee, verteilt an mehreren Tischen sitzen acht Männer und zwei Frauen. Sie gönnen sich ein warmes Essen, das sie sich vorher in der Küche selbst zubereitet haben.

„Wir haben nicht jeden Winter Temperaturen von minus 17 Grad – schon gar nicht eine ganze Woche“, sagt Einrichtungsleiter Franz Herzog. Er engagiert sich seit 25 Jahren für obdachlose Menschen. „Es sind immer noch Menschen draußen und das treibt uns um“, sagt er. „Jeder Tag draußen ist einer zu viel.“ Die Sozialarbeiter der „Teestube komm“ beraten wohnungslose Menschen und versuchen, ihnen wieder ein Dach über dem Kopf zu ermöglichen.



Zwischen 20 000 und 25 000 Menschen im Freistaat sind nach Angaben des Sozialministeriums wohnungslos, das heißt ohne eigenen Mietvertrag. Doch nicht alle von ihnen leben das ganze Jahr unter freiem Himmel. In München sind das aber immerhin um die 340 Menschen.

Rainer hat vor einem Jahr, nach der Scheidung, seine langjährige Wohnung verloren. Wegen einer Krankheit an den Füßen lag er vier Monate im Krankenhaus, heute kann er kaum laufen. „Gesundheit weg, Wohnung weg, Frau weg“, sagt der 45-Jährige, der sich mit einem dicken Schal und einer Jacke mit Fellkapuze vor der Kälte schützt. „Ich hab richtig Angst, wie es weitergeht.“

Während andere einfach ihre Heizung aufdrehen, schlafen wohnungslose Menschen versteckt in Kircheneingängen, Tiefgaragen oder schützen sich an der warmen Gebläse-Luft aus den U-Bahn-Schächten.

Barbara Peters-Steinwachs kennt die meisten dieser Orte. „Die geschützten Plätze werden knapper“, sagt die Ärztin. Man könne nur hoffen, „dass alle einen Unterschlupf finden.“ An drei Abenden in der Woche fährt sie mit einem Krankenpfleger Treffpunkte von Obdachlosen an. Die Medizinerin verarztet kranke Füße und Unterschenkelgeschwüre, misst den Blutdruck oder behandelt Husten und Schnupfen.

„Es ist nicht nur die Kälte“, sagt Herzog von der „Teestube komm“. „Das Leben draußen geht nicht spurlos an der Gesundheit von Obdachlosen vorüber.“ Auch Alkohol und die psychische Belastung spielten eine Rolle. Man wisse nie: „Kommt jemand vorbei, klaut mir mein Zeug, schlägt mich vielleicht zusammen oder sonst was.“ Dabei gibt es Notunterkünfte oder Einrichtungen, in denen Wohnungslose unterkommen können. Doch bei strengen Minustgraden kommen auch solche Hilfsangebote an ihre Grenzen. „Das Haus ist natürlich voll“, sagt Peters-Steinwachs vom Katholischen Männerfürsorgeverein. . 



dpa

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