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Helmut Hack gerät ins Kreuzfeuer der Kritik

Nach der Entlassung von Mike Büskens richtet sich der Zorn etlicher Fans gegen den Präsidenten - 22.02.2013 06:30 Uhr

"Was hätte ich denn immer erzählen sollen?": Helmut Hack befand sich zuletzt öfter in Erklärungsnot.

"Was hätte ich denn immer erzählen sollen?": Helmut Hack befand sich zuletzt öfter in Erklärungsnot. © Sportfoto Zink


Helmut Hack will ein paar Tage lang keine Zeitung lesen. Aus Selbstschutz. Er hat ja gerade Mike Büskens entlassen. Den Fürther Aufstiegshelden und Liebling der Massen: Super-Mike. Der Präsident der Spielvereinigung weiß, dass er jetzt mehr denn je selbst am Pranger steht.

Auch auf der Homepage der Nürnberger Nachrichten wimmelt es von Kommentaren, in denen dem 63-Jährigen wahlweise Unaufrichtigkeit („Sie reden mit gespaltener Zunge“), Unfairness („... eine der unsportlichsten Entscheidungen der letzten Jahre“), Selbstherrlichkeit („Präsident und Diktator“) oder Unfähigkeit („Die jetzige Situation geht eindeutig nicht auf die Kappe des Trainers“) vorgeworfen werden. Nicht wenige fordern, der 63-Jährige, der dem Kleeblatt im 18. Jahr vorsteht, solle selbst Konsequenzen aus der misslichen Lage des Tabellenletzten der Fußball-Bundesliga ziehen und die Vereinsführung abgeben. So selig die Fans 2012 den Aufstieg feierten, so hart trifft sie nun die Erkenntnis, dass die Gesetze der Branche auch in der kleinen, scheinbar heilen Welt der Spielvereinigung gelten. Viele hätten sich zumindest einen saubereren Abschied von Büskens gewünscht.

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Der 44-Jährige musste in den vergangenen Tagen nicht viel sagen. Man sah ihm an, dass er sich von Hack hintergangen fühlte, weil dieser ihm in öffentlichen Stellungnahmen mal das Vertrauen aussprach und kurz darauf wieder Zweifel an seiner Nibelungentreue durchschimmern ließ. „Was hätte ich denn immer erzählen sollen?“, verteidigt sich Hack, „in unserer Lage war doch alles verkehrt.“

Millimeter für Millimeter war der Präsident, der Büskens zu Saisonbeginn noch einen Fünf-Jahres-Vertrag in Aussicht gestellt hatte, in den vergangenen Wochen von seinem volksnahen Fußballlehrer abgerückt. Hinter den Kulissen schwelte ein offenbar gravierender Dissens über Taktik und Aufstellung der Mannschaft. Hack, dem von einem Teil des Kleeblatt- Anhangs nicht zum ersten Mal Selbstherrlichkeit vorgeworfen wird, betont, dass die Entscheidung, den Trainer von seinen Aufgaben zu entbinden, mitnichten ein Alleingang gewesen sei. Hack: „Ich habe von diesem Verein noch nie einen Euro genommen, aber ich bin halt der, der den Kopf hinhält.“

Demnach müssen Martin Meichelbeck, Leiter der Lizenzspieler-Abteilung, und Rouven Schröder, Sportlicher Leiter der Spielvereinigung, am gleichen Strang gezogen haben. Mithin stellt die jüngste Entwicklung ein Lehrstück dazu dar, wie schnell im Fußball eine ehedem erfolgreiche, nach außen hin geschlossen auftretende Gemeinschaft in Krisenzeiten auseinanderbrechen kann. „Es musste einfach etwas geschehen, alles andere wäre feige gewesen“, meint Hack.

Führungsschwäche ist das Letzte, was sich das Vorstandsmitglied der Deutschen Fußball-Liga (DFL) vorwerfen lassen wollte. Hack versteht sich als Macher, der im Zweifelsfall das tut, was nötig ist, auch wenn es Schmerzen bereitet. 

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Die Entrüstung der Fans wäre wahrscheinlich eine Nummer kleiner ausgefallen, wenn Hack „nur“ Büskens entlassen hätte. Tatsächlich waren dieser Trennung andere vorausgegangen. Schon der bedingt freiwillige Abgang von Manager Rachid Azzouzi im vergangenen Juni ließ den Kleeblatt-Boss wie ein Alphatier aussehen, das nichts von seiner Macht abgeben kann. Die plötzliche Demission von „Fußball-Koordinator“ Alfred Hörtnagl — zwischenzeitlich musste noch der Pressesprecher gehen — verstärkte diesen Eindruck. Das bizarre Hickhack um den Stadionneubau, auf den dann doch verzichtet wurde, gab den Bundesliganeuling ebenso der Lächerlichkeit preis wie die blamable Erfolglosigkeit in den Punktspielen. Vor allem aber störte die Fans, dass Hack wie in Regionalliga- und Zweitligazeiten wieder selbst auf Spielersuche ging, was eindeutig missglückte. 

Dennoch mischen sich in die Schar der kritischen Stimmen auch solche, die an die Verdienste des Mannes erinnern, der die Spielvereinigung Mitte der 1990er Jahre vor der Pleite bewahrte und zurück in den Profifußball führte. „Wenn man Soll und Haben gegeneinander abwägt“, meint Klaus Kriesch, Dauerkartenbesitzer seit 1978, „dann ist Helmut Hack eindeutig noch im Haben.“ 

VON KURT HEIDINGSFELDER

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