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Bratwürste zum Frühstück – war ja klar. Norbert Speckner, Autoschrauber aus Franken, haut sich jeden Morgen erstmal zwölf in die Pfanne. Und jetzt kommt der Witz: Sein Darsteller Stefan Kügel mag gar keine Bratwürste.
Der 50-Jährige gibt, sagen wir es mal böse, den Quoten-Franken in der ersten fränkisch-bayerischen Sitcom des Bayerischen Fernsehens. Sitcom? „Ich wusste ehrlich gesagt nicht einmal, was das ist“, gibt Stefan Kügel zu. Was vielleicht auch daran liegt, dass das Genre der Situationskomödie mit rasend schnell aufeinander folgenden Pointen in Deutschland kaum eine Rolle spielt – zumindest, wenn sie hierzulande produziert werden. Formate aus dem Mutterland der Sitcoms, den USA, sind jedoch auch hier der Renner („Seinfeld“, „Eine schrecklich nette Familie“).
Insofern muss man dem BR und seiner Unterhaltungschefin Annette Siebenbürger, seit zwei Jahren im Amt, neidlos zugestehen, dass sie mit den „Speckners“ Mut beweisen. „So etwas ist immer ein Wagnis“, sagt auch Stefan Kügel, der seit 1990 sein eigenes kleines Theater Kuckucks-heim mit Leben füllt, seit dem Jahr 2000 mit festem Haus in Heppstädt im Landkreis Erlangen-Höchstadt. Dass er den Norbert Speckner spielt, ist Regisseur und Drehbuchschreiber Georg Weber zu verdanken: Er kannte den 50-Jährigen aus der Zusammenarbeit bei „Kanal Fatal“ und stellte von Anfang an klar: „Ich mach das nur, wenn du mitmachst.“ Der Puppenspieler, Schauspieler und Sänger machte mit – und ist nun der einzige Franke unter Bayern.
Die (Vor-)Geschichte der Familie Speckner geht so: Tapsiger fränkischer Kfz-Mechaniker heiratet schicke bayerische Kosmetikerin (Katharina Abt), zieht mit ihr in die Diaspora, bekommt zwei Kinder — und einen Drachen von Schwiegermutter (Veronika von Quast), die keine Gelegenheit auslässt, ihrer tiefen Verachtung für den Zugereisten Ausdruck zu verleihen. Gemeinsam schlägt sich die Familie mit Problemen wie „Hat meine Frau eine Affäre?“ und „Kann es sein, dass mein Sohn schwul ist?“ herum.
Fernsehen, bei dem alles auf den schnellen Gag ausgerichtet ist: Eine Herausforderung für einen eingefleischten Theatermann. Zumal Kügel die Zügel normalerweise alleine in der Hand hält. Bei den Speckners ist er ein Rädchen, das funktionieren muss. Und dennoch hat er sich eingemischt ins Drehbuch. Vor allem, wenn Norbert Speckner drohte, allzu trottelig dargestellt zu werden: „Klar, er ist ein bisschen der Loser, der in jedes Fettnäpfchen tappt. Aber man spürt auch sein Herz. Mir war ganz wichtig, dass diese Figur nicht flach ist oder gar denunziert wird.“
Sechs Folgen wurden produziert, die nächsten sind bereits geplant – der BR steckt viel Vertrauen in die Sendung. Auf eins müssen Sitcom-Fans übrigens verzichten: Lacher vom Band, eigentlich charakteristisch für das Format, wird’s nicht geben. So muss der Zuschauer wohl oder übel selbst entscheiden, wann er lacht. Ob und wann er das bei den Speckners tut, das wagt auch Stefan Kügel nicht zu beurteilen. Die Söhne des sechsfachen Vaters haben sich beim Zusehen jedenfalls köstlich amüsiert. Immerhin nicht das schlechteste Zeichen.
Ab 15. Februar, 22 Uhr, BR; öffentliche Preview mit dem gesamten Team am Mittwoch, 18 Uhr, Gasthof Bammes, Bucher Hauptstraße 63, Nürnberg
