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Die ersten Symptome des häuslichen Winterdesasters sind eher harmlos. Aus dem Wasserhahn im Bad oder aus der Toilettenspülung kommt plötzlich kein Wasser mehr. Wer in einem ungedämmten Altbau und möglicherweise auch noch im Dachgeschoss wohnt, sollte sich bei demnächst einsetzendem Tauwetter auf eine üble Bescherung gefasst machen. Durch den starken Frost dieser Tage könnte nämlich seine Wasserleitung eingefroren und eventuell auch geplatzt sein.
Bei den Installateuren gehen schon jede Menge Hilferufe ein. In vielen Fällen, erzählt Peter Hahn von der Nürnberger Firma Hahn Haustechnik, können seine Handwerker keine schnelle Abhilfe schaffen. Wo Leitungen hinter einer Vormauerung oder gar in der Außenmauer ohne Wärmedämmung verlaufen, ist es nicht leicht, sie aufzutauen. „Wir empfehlen dann, erst mal die Heizung kräftig aufzudrehen oder stellen zusätzliche Heizstrahler mit rein.“ Wenn die eingefrorene Wasserleitung aus Metall ist, können die Handwerker auch ein Auftaugerät anschließen, das Strom durch die Leitung fließen und das Eis so schmelzen lässt.
Ansonsten muss man geduldig auf Tauwetter warten, falls vorhanden eine Zwischensperre schließen – und hoffen, dass die Leitung nicht schon an irgendeiner Stelle geplatzt ist. „Sonst muss man mit einem größeren Wasserschaden rechnen – und das kann teuer werden“, sagt Peter Hahn.
Seine Heizungsmonteure hält die anhaltende Kälte weniger auf Trab. Denn einer Heizung ist es ziemlich egal, wie kalt es draußen ist. Wenn Anlagen ausgerechnet jetzt kaputt gehen, ist das Zufall. Und natürlich Pech. Bei schlimmeren Schäden an großen Anlagen kann es schon mal ein paar Tage dauern mit der Reparatur. „In einem Einfamilienhaus“, versichert Hahn, „schaffen wir einen Kesseltausch auch innerhalb eines Tages.“ Manchmal wird es in der Wohnung aus viel banaleren Gründen kalt. Etwa wenn die Öltanks leer sind. Der momentane Kundenansturm heizt den Heizöl-Lieferanten jedenfalls kräftig ein: Allein 20 bis 40 dringende Anrufe gehen täglich bei der Nürnberger Firma Beer ein. „Oje, oje, wir sind total unter Druck“, seufzt Geschäftsführer Martin Beer, „es ist eine g‘scheite Hektik.“ Die Mitarbeiter verschieben vereinbarte Termine, um Notfälle unterzubringen.
Am Samstag waren vier der acht Firmen-Fahrzeuge im Einsatz — ausschließlich, um trockengelaufene Heizungen wieder in Gang zu setzen und das Auskühlen von Häusern zu vermeiden. In normalen Zeiten ist am Samstag ein einziger Wagen unterwegs.
Dass sich leere Tanks derzeit massiv häufen, hat nach Beobachtung von Händlern mit dem Einkaufsverhalten der Hausbesitzer zu tun: Der starke Anstieg der Energiekosten in den vergangenen Jahren führte dazu, dass viele Kunden den Tank nicht mehr komplett füllen lassen. Wer dann die Tankanzeige nicht ständig im Blick hat oder von einer heftigen Kältewelle überrascht wird, steht schnell mit leerem Tank da.
Heizöl-Händler Clemens Graf erklärt sich die Öl-Knappheit in vielen Haushalten so: „In den letzten beiden Jahren war der Heizölpreis im Januar und Februar am billigsten. Darauf haben etliche Kunden auch diesmal spekuliert und den Kauf hinausgezögert.“
Um selbst keine Probleme zu bekommen, muss er seine Touren genau planen. Am Abend dürfen sich nämlich keine Restmengen mehr in den 18000-Liter-Tankwagen befinden. „Das wäre übel“, meint Graf. Bis minus zehn Grad Celsius hält Heizöl aus, bei tieferen Temperaturen flockt es aus. Die meisten Lieferanten parken daher ihre Lkw in Garagen. Beer stellt seine Flotte nicht nur in die Fahrzeughalle, sondern auch in die beheizbare Waschhalle. Gereinigt werden sie dort derzeit nicht, nur aufgewärmt. Der Chef hält die Gefahr für zu groß, dass beim Reinigen die Elektronik ausfallen könnte.
Wenn Pkw bei minus 20 Grad nicht anspringen, hat das meist simplere Gründe. „In aller Regel ist die Batterie leer“, sagt Irene Schwardt, Chefin der ADAC-Straßenwacht Nordbayern. Oft treffe das „Kurzstreckenfahrer, die im Jahr nicht mehr als 5000 Kilometer unterwegs sind“. Oder die Batterie ist altersschwach. Weil die Zahl solcher Winterpannen in den letzten Tagen dramatisch angestiegen ist, rief Schwardt Kollegen aus dem Urlaub zurück. 49 Pannenhelfer waren gestern unterwegs. Bis zu 1400 Einsätze absolvieren sie täglich.
Neben schwachen Batterien ist versulzter Dieseltreibstoff das Hauptproblem. „Wenn der Wagen vor der Haustür steht, kann man es dann mal mit dem Haarfön versuchen. Ansonsten wird’s schwierig“, sagt die ADAC-Frau. Sie warnt davor, den Diesel beim Tanken mit Benzin zu vermischen. „Bei den modernen Motoren gehen da leicht die Hochdruckpumpen kaputt.“ Normaler Winterdiesel, der in Deutschland zwischen 16.November und Ende Februar verkauft wird, bleibt bis minus 20 Grad flüssig. Vereinzelt ist Spezialkraftstoff im Angebot, der bis minus 35 Grad frostsicher ist, pro Liter aber 10 Cent mehr kostet.
Gutes Geschäft mit der Affenkälte machen auch Baumärkte. „Scheibenfrostschutz, Auftausalz, Kohle, Brennholz, Heizstrahler – alle typischen Winterartikel gehen derzeit gut“, sagt Obi-Marktleiter Michael Fischer in der Nürnberger Bessemerstraße. Engpässe gibt es nicht. „Wir haben uns entsprechend eingedeckt.“

Bewerbungen für den NN-Kunstpreis werden ab 1. März 2012 entgegengenommen. Die Teilnahmebedingungen finden Sie
hier.