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Portugals "verlorene Generation" mobilisiert Hunderttausende

Quer durch alle sozialen Schichten und politischen Richtungen demonstrieren die Portugiesen gegen Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit - 13.03. 14:34 Uhr

Lissabon/Madrid  - Die Proteste in Portugal erinnern ein wenig an Tunesien oder Ägypten: Ein Facebook-Appell mobilisierte überraschend Hunderttausende. Hier richtet sich der Protest allerdings nicht gegen eine Diktatur, sondern gegen Arbeitslosigkeit und schlechte Jobaussichten.


Bunt waren die Proteste: Viele Portugiesen sind mit dem System nicht mehr zufrieden und protestieren nun gegen Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit.
Bunt waren die Proteste: Viele Portugiesen sind mit dem System nicht mehr zufrieden und protestieren nun gegen Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit.
Foto: afp
Bunt waren die Proteste: Viele Portugiesen sind mit dem System nicht mehr zufrieden und protestieren nun gegen Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit.
Bunt waren die Proteste: Viele Portugiesen sind mit dem System nicht mehr zufrieden und protestieren nun gegen Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit.
Foto: afp

Am Anfang stand ein Initiative von vier arbeitslosen Portugiesen: Die jungen Leute hatten über Facebook zu Protestkundgebungen in elf Städten ihres Landes aufgerufen. Das Ergebnis übertraf alle Erwartungen. Zehntausende, wahrscheinlich sogar Hunderttausende Portugiesen zogen am Samstag in Lissabon, Porto und anderen Städten durch die Straßen und demonstrierten gegen Arbeitslosigkeit und mangelnde Zukunftsperspektiven.

Lissabon erlebte eine der größten Kundgebungen seit Jahren. Die Veranstalter bezifferten die Zahl der Teilnehmer auf 200 000 bis 300 000. In der Hafenmetropole Porto sollen es 80 000 gewesen sein. Das Besondere daran war: Hinter den Demonstrationen standen keine Parteien und keine Gewerkschaften. In dieser Hinsicht war der Protest einzigartig in der jüngeren Geschichte des Landes. Die Spontanität erinnerte an die Anfänge der Unruhen in Tunesien oder Ägypten – mit dem Unterschied allerdings, dass in Portugal keine Diktatur herrscht, sondern eine Demokratie.

Die Initiatoren des Protests nennen sich die "Geração à Rasca", was etwa bedeutet: „Generation in der Klemme“ oder "verlorene Generation". "Wir demonstrieren hier, weil wir einen Wandel zum Besseren auslösen wollen", betonten sie in ihrem Manifest. Ihr Aufruf richtete sich unter anderem an "die Arbeitslosen, die 500-Euro-Jobber und anderen Unterbezahlten, die verkappten Sklaven, die Leih- und Zeitarbeiter, die Scheinselbstständigen und Praktikanten".

Kampf gegen Frust und Perspektivlosigkeit


Die Demonstranten halten Fahnen und Plakate in die Höhe.
Die Demonstranten halten Fahnen und Plakate in die Höhe.
Foto: afp
Die Demonstranten halten Fahnen und Plakate in die Höhe.
Die Demonstranten halten Fahnen und Plakate in die Höhe.
Foto: afp

Mit den jungen Leuten in den arabischen Ländern haben die Portugiesen gemeinsam, dass ihre Aussichten auf einen Job schlecht stehen. Portugal ist das ärmste Land Westeuropas, die Wirtschaft stagniert, die Regierung muss immer neue Sparmaßnahmen ergreifen, um einen Staatsbankrott des hoch verschuldeten Landes zu verhindern. "Wir sind die Generation mit dem höchsten Bildungsniveau in der Geschichte des Landes", betonten die Veranstalter der Proteste. "Wir lassen uns nicht von Frust und Perspektivlosigkeit entmutigen."

Über Lissabons Flaniermeile Avenida da Liberdade erstreckte sich ein riesiges Menschenmeer. In Polizeikreisen war von bis zu 150 000 Demonstranten die Rede, offiziell gaben die Behörden keine Zahlen bekannt. Junge Leute bildeten die Mehrheit, aber auch die Generationen der Väter und Großväter waren vertreten. Die Demonstranten gehörten von rechts bis links allen Richtungen des politische Spektrums an. "Wir protestieren, damit die Verantwortlichen für unsere unsichere Lage – Politiker, Unternehmer und wir selbst – gemeinsam dafür sorgen, dass die unerträglich gewordenen Verhältnisse sich rasch ändern."

Die Proteste verdeutlichen das tiefe Misstrauen vieler Portugiesen gegenüber Politikern und Parteien. Dies hatte sich auch schon bei der Präsidentenwahl im Januar gezeigt, bei der nicht einmal 47 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgaben. „Dieser Massenprotest muss einfach Konsequenzen haben“, meinte die arbeitslose Juristin Sofia Gomes auf der Kundgebung in Lissabon. „Es sei denn, die Politiker wären taub.“ 





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