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Serienvergewaltiger gibt seine Taten zu

Regungslos berichtet Bernhard S., wie er zwei Frauen misshandelte - 28.01.12

NÜRNBERG  - Mit einem umfassenden Geständnis des Angeklagten hat in Nürnberg ein Prozess wegen Vergewaltigung mit Geiselnahme sowie sexueller Nötigung und vorsätzlicher Körperverletzung von zwei jungen Frauen begonnen.

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Im Lorenzer Reichswald bei Langwasser begann am 12. Oktober 2010 die achttägige Flucht des mehrfachen Vergewaltigers aus Nürnberg, der nun in der JVA Nürnberg einen Selbstmordversuch unternommen haben soll. Der Fall in Bildern.

Am 12. Oktober 2010 gegen 17.15 Uhr entging eine junge Frau aus Pyrbaum, einem Ort im Oberpfälzer Landkreis Neumarkt, dem lauernden Bernhard S. — „die hat Glück gehabt“, sagt der 49-jährige Angeklagte nun, zum Auftakt seines Prozesses. Im Saal wird es mucksmäuschenstill — kaum zu fassen, wie viel Inhalt dieser eine, einzige Satz birgt: Das Schicksal, das durch einen Zufall ein Opfer verschonte und grausam einem anderen unermessliche Qualen zufügte, das Wissen des Angeklagten um das Leid, das er angerichtet hat.

Drei bis vier Tage vor den Überfällen, gesteht S., habe er davon geträumt, wieder eine Frau zu schlagen. Zu diesem Zeitpunkt hatte er längst den Kontakt zu seinem Therapeuten und dem Bewährungshelfer abgebrochen. Und er ahnte, dass dies Warnsignale für die Staatsanwaltschaft sein würden. Tatsächlich beantragte die Behörde am 11. Oktober 2010, den Haftbefehl für den unter Bewährung stehenden Mann in Vollzug zu setzen.


Doch da war es längst zu spät. Bernhard S. war untergetaucht, er campierte seit Tagen in seinem Auto. „Mein sexuelles Wollen war so stark“, sagt der Angeklagte.

Auf dem Parkplatz an der U-Bahnhaltestelle Langwasser-Süd hatte er bereits ein Opfer ins Visier genommen. Er beobachtete eine Frau, wie sie morgens mit ihrem Auto kam, parkte und in die U-Bahn stieg. Er sah zu, wenn sie nachmittags den U-Bahnhof verließ und mit dem Auto heimfuhr — und er folgte ihr bis nach Pyrbaum. Doch an jenem 12. Oktober blieb sie weg. Mehr als ein Jahr später sitzt S. vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth. „Ich habe gewartet. Sie kam nicht. Aber die andere.“

S. spricht so distanziert, als hätte er diese Taten beobachtet, nicht begangen. „Ich stimme der Anklage im Prinzip zu, nur Details habe ich anders in Erinnerung.“ Nüchtern schildert er, wie er Tage vorher Utensilien für seine Taten und („zeitweise dachte ich über einen Banküberfall nach“) eine Softairpistole Marke Walter P 99. Diese Waffe richtete er an jenem 12. Oktober gegen 17.15 Uhr auf eine 20-Jährige. Er sah ihr zu, wie sie über den Parkplatz lief, sich in ihr Auto setzte. Er folgte ihr und riss die Fahrertür auf.

„Ihr Leben ist zerstört“

„Mir geht es ums Demütigen“, erklärt S. ohne jede Regung vor Gericht und gibt ungeschminkt zu, wie schonungslos er die junge Frau zur Verzweiflung trieb. Er drohte, sie zu töten, fesselte sie, verschleppte sie in ein Waldstück im südlichen Nürnberger Stadtteil Altenfurt. Er missbrauchte sie mehrfach und schlug sie mit einem Ledergürtel. Zwischen 19.15 und 19.30 Uhr brachte er sie zu dem Parkplatz, zu ihrem Auto zurück.

Bis heute ist die Frau unfähig zu arbeiten, „ihr Leben ist zerstört“, schildert ihre Anwältin Dagmar Beck vor Gericht. Ob ihre Mandantin im Prozess selbst über die Folgen der Tat sprechen kann, ist offen; denkbar, dass der Vater in den Zeugenstand tritt.

„Ich wusste, jetzt muss ich zurück in die Haft — oder ich bring’ mich um“, sagt S. und gibt zu, dass ihm „aus Angst vor Schmerzen“ der Mut fehlte. Doch aus einer ganzen Reihe von Autoaufbrüchen besaß er Betäubungsmittel und Spritzen, vermutlich gehörte eines der Fahrzeuge einer Ärztin. Da beschloss er, eine Ärztin oder Krankenschwester sollte ihm mit Hilfe dieser Spritzen den Notausgang in den Suizid öffnen. Vorher wollte er auch diese Frau missbrauchen. „Ich dachte, man könnte beides verbinden“, sagt S.

Am 18. Oktober 2010 passte er eine Krankenschwester vor dem Neumarkter Klinikum ab. In ihrem eigenen Wagen entführte er sie bis an die Ostsee; er schlug und missbrauchte sie mehrfach.

Nach 22 Stunden konnte sich die junge Frau in Glücksburg befreien: Sie täuschte Atemnot vor, Passanten alarmierten den Rettungsdienst. S. flüchtete. Er kam bis nach Gotha (Thüringen), dort wurde er verhaftet. Er hatte darauf gewartet, räumt S. ein. Doch sein Plan, die Polizisten zu provozieren, um erschossen zu werden, scheiterte.

Die heute 23-Jährige nimmt mit ihrer Anwältin Andrea Kühne an dem Prozess als Nebenklägerin teil, ihren Peiniger schaut sie an. Sich diesem offenen Blick zu stellen, wagt der Angeklagte nicht.

S. war bereits zweimal wegen Sexualverbrechen verurteilt worden, zuletzt 2001. Bis November 2009 war er in der forensischen Psychiatrie in Erlangen untergebracht, wurde dann aber nach drei positiven Gutachten unter der Auflage, sich weiter therapieren zu lassen, zur Bewährung entlassen.

Vor Gericht sagte er aus, er habe bei der Therapie „halt mitgespielt“, weil er gewusst habe, was „die hören wollten“.

Der Prozess wird fortgesetzt.

Video zum Thema
Vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth muss sich ein 49-Jähriger wegen Geiselnahme und Vergewaltigung verantworten. Der Fall hatte im Oktober 2010 bundesweit Aufsehen erregt. Zu Prozessauftakt legte der Mann ein Geständnis ab.

 



VON ULRIKE LÖW



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