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Sieben Pullover schützen gegen die Kälte

Wie Marktfrauen und Obdachlose dem sibirischen Hoch „Cooper“ in Nürnberg trotzen - 02.02. 07:00 Uhr

NÜRNBERG  - Der unangenehmste Moment des Tages, erzählt Bigi Strauß, kommt am Abend. Dann, wenn man der Kälte eigentlich endlich entflohen ist. „Wenn du daheim ins warme Wohnzimmer kommst, fällst du zusammen wie ein Kopfsalat.“ Bigi Strauß kennt sich aus — mit Kälte und Kopfsalat. Sie ist Marktfrau am Nürnberger Hauptmarkt. Bei Minusgraden und eisigem Ostwind kein Vergnügen.

Nobby richtet sein „Bett“. Matratze, mehrere Decken und obendrauf drei Schlafsäcke. So hält der Obdachlose sich und sein Bier warm.
Nobby richtet sein „Bett“. Matratze, mehrere Decken und obendrauf drei Schlafsäcke. So hält der Obdachlose sich und sein Bier warm.
Foto: Kastenhuber
Nobby richtet sein „Bett“. Matratze, mehrere Decken und obendrauf drei Schlafsäcke. So hält der Obdachlose sich und sein Bier warm.
Nobby richtet sein „Bett“. Matratze, mehrere Decken und obendrauf drei Schlafsäcke. So hält der Obdachlose sich und sein Bier warm.
Foto: Kastenhuber

Mit „Cooper“, dem eisigen Hoch aus Sibirien, hatten nicht mehr viele gerechnet in diesem bisher milden Winter. Auch Bigi Strauß nicht. „Aber lieber jetzt als im März.“ Ringsherum um ihren Stand schützt eine bis auf den Boden reichende durchsichtige Plastikplane wenigstens vor dem schneidenden Wind. Ein Gasofen kämpft gegen die Kälte an. Ohne allzu großen Erfolg. „Null Grad“, liest Bigi Strauß vom Thermometer ab.

Händler machen Urlaub

Nur etwa halb so viele Obst- und Gemüsestände wie sonst stehen derzeit auf dem Hauptmarkt. Viele Händler machen ein paar Tage Urlaub. Schließlich soll es bis Ende der Woche noch kälter werden. Bis 15 Grad minus. Dann könnte sich der Platz noch weiter leeren. Südfrüchte, Tomaten und vor allem auch Kartoffeln halten solche Temperaturen nicht aus.



Magdalena Stange und ihr Wela-Suppen-Stand würden auch dann nicht weichen. Winter ist schließlich Suppen-Saison. 40 davon hat Frau Stange schon erlebt. Es waren strenge dabei. Bester Laune zählt die Wela-Frau ihre Klamottenschichten vor. Zwei Lagen Angorawäsche, sieben Pullis und eine Daunenjacke. Die Füße stecken in Lammfellstiefeln.

Magdalena Stanges Stand ist an diesen Tagen so etwas wie die Aufwärmstation am Hauptmarkt. Immer wieder kommen Händler von den Nachbarständen schnell rüber und lassen sich einen heißen Becher Hühnersuppe schenken. Das wärmt nicht nur, sondern beugt nach Auskunft von Frau Stange auch Erkältungen vor. „Hühnersuppe ist ein natürliches Antibiotikum“, versichert sie, „das bestätigt Ihnen jeder Arzt.“

Einen halben Kilometer Luftlinie vom Hauptmarkt entfernt, unter dem steinernen Dach der Franz-Josef-Strauß-Brücke, schwört man dagegen ganzjährig auf andere Flüssigkeiten. Hier ist der Wohn- und Schlafplatz von Nobby und Michel. Was bei diesen Temperaturen das größte Problem ist? Nobby lacht: „Dass das Bier warm bleibt.“ Vier Flaschen hat er unter seinen zwei Schlafsäcken und einer Bettdecke weggebunkert.

Die Stimmung in der kleinen Freiluft-WG ist gut. „Wir sind Kämpfer“, sagt Michel. „Wir halten das aus.“ Minus 24 Grad hat der Wohnungslose, der seit März unter der Brücke direkt neben der Pegnitz lagert, in früheren Wintern schon erlebt. „Mit genügend Decken und einer dicken Matratze kein Problem.“ Sein Schlafstellen-Nachbar Jimmy ist seit einigen Tagen trotzdem lieber in eine Notschlafstelle umgezogen. Mit 64 Jahren lässt das Kämpfertum beim „Plattemachen“ nach. „Dem geht die Kälte in die Knochen“, sagt Nobby.

Am frühen Morgen hatten die beiden Obdachlosen unter der Brücke schon Besuch von der Polizei. „Die wollten nur schauen, wie’s uns geht.“ Stress hat man nicht miteinander. Auch die Passanten zeigen sich eher fürsorglich und reichen gelegentlich mal was zum Essen oder warme Klamotten vorbei. Vor unfreundlichen Besuchern schützt Wach-Pudel Putzi die beiden Männer. Und vor Ratten. „Zwei hat er schon erwischt.“

Wasserfreie Hautsalbe

Mit Hautpflegetipps braucht man Nobby und Michel nicht kommen. Alle anderen, die draußen unterwegs sind, sollten diese in den nächsten Tagen allerdings besser befolgen. Möglichst wasserfreie Salben empfiehlt Professor Michael Sticherling von der Erlanger Hautklinik, zum Schutz von Gesicht und Händen. Weil nämlich der Chef von Marktfrau Bigi Strauß nicht recht hat. „Der sagt immer: Ihr braucht keine Faltencreme. Die Kälte zieht die Haut straff.“ 



VON HANS-PETER KASTENHUBER

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