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Steinbrück und Steinmeier mit Kanzler-Gen?

SPD erfreut und irritiert über Interesse am Spitzenkandidaten für 2013 - 11.07.2011 17:26 Uhr

Einer der beiden SPD-Stones könnte Kanzlerkandidat werden: Peer Steinbrück (links) und Frank-Walter Steinmeier.

Einer der beiden SPD-Stones könnte Kanzlerkandidat werden: Peer Steinbrück (links) und Frank-Walter Steinmeier. © dpa


Es geht um die „K-Frage“, die Kanzlerkandidatenfrage, die ihm immer lauter gestellt wird. Neuerdings sogar von Angela Merkel, was der Sache eine zusätzliche Pikanterie verleiht.

Die Kanzlerin hatte es geschafft, mit einem Satz gleich zwei heiße innenpolitische Themen aufzugreifen. „Also, ich hoffe doch, dass ich einen Gegenkandidaten von der SPD bekomme zur nächsten Bundestagswahl“, sagte sie. Damit war erstens klipp und klar ausgesprochen, dass sie selbst wieder antreten will. Und damit schürte sie auch das Feuerchen beim Gegner ein wenig.

An Merkel vorbeigezogen

Mit wem man auch immer redete bei den Sozialdemokraten kurz vor der Sommerpause — man kam irgendwann auf die „Stones“ zu sprechen. Also die beiden Ex-Minister mit dem Kanzler-Gen. Jeder von ihnen würde laut Infratest-dimap derzeit Angela Merkel im direkten Vergleich schlagen. Peer Steinbrück mit 48 zu 37 Prozent und Frank-Walter Steinmeier mit 43 zu 39 Prozent.

So sehr sich Parteichef Gabriel über das Interesse an den Personen freut, das übrigens deutlich größer ist als das an der immer noch unter 30 Prozent liegenden SPD, so sehr fürchtet er nun eine endlose Debatte. Negatives Vorbild wäre die „K-Frage“ in der Union vor der Bundestagswahl 2002, also der Wettstreit zwischen Angela Merkel und Edmund Stoiber. Der Bayer setzte sich zwar intern durch, verlor aber die Wahl. Keine angenehme Perspektive.

Sollte es der 64-jährige Steinbrück tatsächlich schaffen, zunächst Kandidat und später sogar Regierungschef zu werden, so wäre das eine Premiere. Noch nie zuvor wurde ein einfacher Abgeordneter, der ja Steinbrück im Moment ist, zum Kanzler. Alle wechselten direkt aus dem Amt eines Oppositionsführers, Ministers oder Ministerpräsidenten.

In dieser Tradition wiederum stünde Frank-Walter Steinmeier (55), der Fraktionsvorsitzende. Im Gegensatz zum Mitbewerber rührt Steinmeier für sich selbst nicht die Werbetrommel. Er hat es nicht nötig, bringt ihn doch sein Amt sowieso immer wieder in die Medien. Laut einer Emnid-Umfrage führt er momentan die Riege der SPD-Kandidaten mit 28 Prozent vor Steinbrück (24) und Gabriel (11) sogar an. Der ehemalige Kanzleramtschef und Außenminister hat ein Problem seines Konkurrenten nicht: Ihm unterstellt niemand mangelndes Interesse an sozialer Gerechtigkeit.

Zu wenig Wärme?

Laut Emnid-Chef Klaus-Peter Schöppner könnte es schwierig für Steinbrück werden, zusätzlich zu seinem Ruf als Finanzexperte auch noch so etwas wie soziale Wärme zu vermitteln. Viele gewerkschaftlich orientierte Wähler würden bei Steinbrück aus Verzweiflung zu den Linken wechseln.

„Genosse Peer“ kennt natürlich seinen Schwachpunkt. Er versucht deswegen, sich dem bisher von ihm vernachlässigten linken Parteiflügel etwas anzunähern. Ein Treffen mit Generalsekretärin Andrea Nahles Anfang Juni hatte diesen Zweck. Ernst Dieter Rossmann, der Sprecher der Parlamentarischen Linken, wollte denn auch diesen Kandidaten nicht ausschließen: „Ich kriege keine Pickel bei Steinbrück. Wieso auch?“

Von seiner Ex-Chefin setzt sich Steinbrück jetzt schon mal deutlich ab. „Bevor ich in das Kabinett von Frau Merkel eintreten würde, wäre ich lieber Finanzminister in Griechenland“, sagte er. Das ist hart, denn eine schlimmere Strafe dürfte es momentan für einen Politiker nicht geben. 

HARALD BAUMER

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