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Stoiber sagt ganz eindeutig Jein

Der CSU-Ehrenvorsitzende tritt am Aschermittwoch auf, aber nicht kämpferisch - 21.02. 09:30 Uhr

MÜNCHEN/PASSAU  - Fünf Jahre nach seinem Sturz wird Edmund Stoiber in der Passauer Dreiländerhalle am Politischen Aschermittwoch vor mehreren tausend CSU-Anhängern wieder als Redner auf die Bühne zurückkehren. Doch die ihm zugedachte Rolle als Reservestürmer für den heutigen Parteichef Horst Seehofer will Stoiber nicht übernehmen.

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Edmund Stoiber feiert 70. Geburtstag, und die Feier in München wird prächtig. Die Kanzlerin kommt, außerdem EU-Kommissionspräsident Barroso. Wir gratulieren ebenfalls - mit den besten Zitaten des ehemaligen Ministerpräsidenten.

Denn weil sich Seehofer wegen seiner neuen Rolle als Interims-Bundespräsident verbal zurückhalten will, sollte Stoiber als zweiter Redner eigentlich die „Aufgabe Attacke“ übernehmen, wie ein CSU-Spitzenmann sagt. Das lehnt Stoiber aber kurz und bündig ab: „Die Auseinandersetzung mit den politischen Konkurrenten bleibt natürlich die Aufgabe aktiver Politiker“, lässt er über einen Sprecher mitteilen. Er werde in Passau „grundsätzliche Anmerkungen zur politischen Lage machen“

Stoiber lässt außerdem leichtes Missvergnügen über die Art und Weise erkennen, wie die Einladung zustande kam. „Herr Dr. Stoiber ist vom Wunsch des CSU-Präsidiums überrascht worden“, heißt es in der Mitteilung seines Sprechers.



Denn Stoiber weiß zunächst nichts von der ihm zugedachten Ehre. Im CSU-Präsidium wird seine Reaktivierung erstmals bei einer Sitzung am Samstagnachmittag diskutiert. Zwar überlegt die CSU schon seit dem Rücktritt von Bundespräsident Christian Wulff und der kommissarischen Übernahme der Amtsgeschäfte durch Seehofer, wie man in Passau mit dieser neuen Situation umgehen soll. Doch erst in der Präsidiumssitzung präsentiert Seehofer den Namen Stoiber. Andere Lösungen mit aktiven CSU-Politikern als Zweitredner werden diskutiert und schnell verworfen – weil die leidige Kronprinzendebatte um Seehofers Nachfolge nicht befeuert werden soll.

Der CSU-Vorsitzende fühlt sich rhetorisch eingeengt durch seine neue Aufgabe als kommissarisches Staatsoberhaupt: „Ich habe jetzt Zurückhaltung zu üben, und deshalb muss ich vieles, vieles weglassen, was ich vorbereitet hatte“, sagt er. Präsidiale Würde verträgt sich auch am Aschermittwoch nicht mit Polterei.

„Avanti Dilettanti“

Stoiber redete immer gern – und stundenlang – in Passau. Doch seine früheren Auftritte will er nicht wiederholen. Die, bei denen er sich in Rage redete, leidenschaftlich „Avanti Dilettanti“ und andere Schmähungen ins Mikrofon schrie – bis hin zur Feststellung, SPD und Grüne hätten Deutschland in ein Irrenhaus verwandelt. Seehofer nennt Stoiber den „Mister Aschermittwoch“ – doch der will das nicht mehr sein.



Stoiber wurde schon vergangenes Jahr in Passau gefeiert, nur weil Seehofer ihn kurz auf die Bühne holte. Nun wird der Jubel aller Voraussicht nach noch größer sein. Seehofer räumt ein: „Natürlich werden Sie mindestens mit einer Zeile die Überlegung anstellen: Das waren noch Zeiten.“ Er habe damit aber keine Probleme.

Zum Auftakt der Fastenzeit versammelt sich fast alles im Freistaat, was in der Bundespolitik Rang und Namen hat: Bei der SPD in Vilshofen, der FDP in Dingolfing und den Grünen in Landshut treten die Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel, Philipp Rösler und Claudia Roth auf, bei der Linken Bundestagsfraktionschef Gregor Gysi.

Die Blicke richten sich dabei vor allem auf die SPD: Erstmals seit Jahren erwarten die Sozialdemokraten bei einer konkurrenzfähigen Veranstaltung mehrere tausend Zuhörer. Sie lassen in diesem Jahr eigens ein großes Festzelt in Vilshofen aufstellen – weil das Traditionslokal „Wolferstetter Keller“ zu klein ist. Auch deshalb, weil dort neben Gabriel auch Landtags-Spitzenkandidat Christian Ude auftritt – zum ersten Mal.

Spannung ist also auch dort garantiert – auch wenn Ude im Vorfeld sagte, er setze „auf jeden Fall nicht auf den Holzhammer“. „Das Florett ist mir lieber“, meinte der Münchner Obetrbürgermeister, fügte dann aber hinzu, den Degen empfinde er schon „als eine durchaus auch legitime Waffengattung“. Er wolle eine Rede halten, die sozialdemokratisches Selbstbewusstsein zum Ausdruck bringe, betonte er. 



VON CHRISTOPH TROST UND CARSTEN HOEFER (beide dpa)

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