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Wolfgang Heubisch (FDP), Bayerns Kunstminister, stellt gegenüber unserer Zeitung klar: „Ich persönlich könnte mir vorstellen, dass das Gemälde für eine Ausstellung als temporäre Leihgabe nach Nürnberg gehen kann.“ Da sich das Gemälde aber im Eigentum der Wittelsbacher Landesstiftung befinde, liege die Entscheidung nicht bei ihm. Doch er will sich dafür einsetzen, dass das berühmte Selbstbildnis, das der Meister aus Nürnberg im Jahr 1500 gemalt hat, für die große Dürer-Ausstellung in das Germanische Nationalmuseum kommt: „Wir müssen sowohl die fachliche Seite als auch die Eigentümer überzeugen“, so der zuständige Minister.
Bislang vertrat die Bayerische Staatsgemäldesammlung in München, die das Bild in der Alten Pinakothek verwahrt ein kategorisches Nein zur Leihanfrage aus Nürnberg. Das Argument: Das Bild steht auf einer vom Ministerium abgesegneten Sperrliste von 114 Werken, die niemals ausgeliehen werden. „Das ist der Kernbestand der allerwertvollsten Bilder, die untrennbar mit der Physiognomie der Alten und Neuen Pinakothek verbunden sind“, sagt Martin Schawe von den Staatsgemäldesammlungen.
Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly, der sich auch in einem Brief an Ministerpräsident Horst Seehofer für die Leihgabe eingesetzt hat, kritisiert das Festhalten der Kunsthistoriker an der „ominösen Liste“. Würden alle Museen so handeln, so sein Argument, kämen weltweit keine großen Ausstellungen mehr zustande.
Was viele nicht wissen: Dürers Selbstbildnis ist nicht nur sein berühmtestes Gemälde, sondern auch Gegenstand eines wahren Kunstkrimis in der Vergangenheit. Aus dessen für Nürnberg misslichem Ausgang leitet Thomas Schauerte, Chef des Nürnberger Dürerhauses, auch so etwas wie eine moralische Verpflichtung ab, das Gemälde im Sommer für die große Nürnberger Dürer-Schau zur Verfügung zu stellen.
Das Bild kam 1805 unter — zurückhaltend formuliert — „ungeklärten Umständen“ in die Staatsgemäldesammlung nach München. „Eigentlich hat man damals gestohlenes Eigentum erworben“, sagt Schauerte. Denn die Holztafel, auf der sich der 28-jährige Dürer christusgleich dargestellt hatte, hing bis Ende des 18. Jahrhunderts im Nürnberger Rathaus.
1799 wurde sie an den Betzensteiner Maler Abraham Wolfgang Küfner ausgeliehen. Unklar ist heute, ob er das Bild restaurieren oder im privaten oder städtischen Auftrag kopieren sollte. Jedenfalls spaltete er die Lindenholztafel, malte auf die so entstandene Platte eine Kopie — und gab den nachgemachten Dürer an die Stadt zurück. „Hier hat man das lange nicht gemerkt“, sagt Schauerte. Und als man den Betrug entdeckte, war es zu spät und das Original, das Küfner einst behalten hatte, in München.
Schauerte, der die rigide Haltung der Münchner Kollegen bezüglich der Nürnberger Leihanfrage für die Dürer-Schau nicht nachvollziehen kann, hat einen Tipp für die Kuratoren in der Alten Pinakothek: „Ich würde während der Abwesenheit des Bildes die Küfner-Kopie zeigen und die spannende Geschichte dazu erzählen.“
Während sich die Kunsthistoriker weiter hartleibig geben (Landeskonservator Martin Schawe: „Ich würde dieses Bild auch ohne Sperrliste niemals ausleihen“), wird auf höchster politischer Ebene jetzt ein Einlenken signalisiert. Kunstminister Wolfgang Heubisch (FDP) will bei den Experten in der Pinakothek und dem Eigentümer des Bildes, der Wittelsbacher Landesstiftung, Überzeugungsarbeit leisten. Er persönlich, so der Minister, könne sich die Leihgabe an Nürnberg „grundsätzlich vorstellen“.
Für Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly ist es „ein wichtiges Anliegen, dass das Bild nach Nürnberg kommt“. Ein generelles Reiseverbot für die Tafel kann er mit Blick auf die mindestens ebenso berühmte „Dame mit dem Hermelin“ von Da Vinci nicht nachvollziehen: Nürnbergs Partnerstadt Krakau hatte das Schmuckstück 2011 zur großen Renaissance-Schau nach Berlin gegeben. Wenn München bei seinem Nein bleibt, so Maly, sei das kein gutes Signal für die gesamtbayerische Wertschätzung Frankens. Davon können auch die Bamberger ein Lied singen: Zum Jubiläum des Bistums vor fünf Jahren verweigerte München auch die Leihgabe des Bamberger Domschatzes.
Im Germanischen Nationalmuseum hat man derzeit eigentlich anderes zu tun, als um das „Selbstbildnis im Pelzrock“ als zentrales Werk für die Ausstellung zum jungen Dürer zu kämpfen: Bis zur Eröffnung sind es keine 100 Tage mehr, das Konzept muss verfeinert, der Katalog geschrieben und die Sicherheitsvorkehrung erhöht werden. Man erwartet mindestens 80000 Gäste zu dem Ereignis.
GNM-Direktor Ulrich Großmann kommentiert das Nein aus München lakonisch und wohl auch resigniert: „Absagen gibt es zu jeder Ausstellung.“ Aber selbst wenn der bayerisch-fränkische Bilderstreit zuungunsten Nürnbergs ausgeht, wird man in der Ausnahme-Ausstellung ab 24. Mai rund 120 Originale Dürers sehen.

Bewerbungen für den NN-Kunstpreis werden ab 1. März 2012 entgegengenommen. Die Teilnahmebedingungen finden Sie
hier.