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Die Kampfbrigade mit rund 4000 Soldaten wird aus Grafenwöhr abgezogen werden, da ist er sich zu „99,9 Prozent“ sicher. „Und dann fällt ein Großteil der Arbeit weg“, sagt der Betriebsratsvorsitzende. Sein ver.di-Kollege Karlheinz Winter mag gar den schlimmsten Fall, eine Schließung des Standortes, nicht mehr ausschließen.
Die Arbeitnehmervertreter sind aufgeschreckt, nervös. Sie haben allen Grund dazu. Zwei der vier in Europa stationierten Kampfbrigaden der Bodenstreitkräfte sollen abgezogen werden, kündigte US-Verteidigungsminister Leon Panetta an. Welche das sind, dazu schweigt man sich allerdings noch hartnäckig aus. Bei Anfragen an den Standorten erntet man ein Schulterzucken — man habe selber keine Informationen heißt es aus den Pressestellen.
Doch die geplante strategische Neuausrichtung der USA spricht eine recht deutliche Sprache. Es geht nicht nur darum, Milliarden Dollar jedes Jahr einzusparen, sondern auch um eine stärkere Fokussierung der Militärführung auf den asiatischen Raum. Für die braucht es keine vier Kampfbrigaden in Europa. Die beiden schweren Brigaden im rheinland-pfälzischen Baumholder und in Grafenwöhr werden daher überflüssig, die leichten Brigaden im oberpfälzischen Vilseck und im italienischen Vicenza wohl bestehen bleiben. Rund 10.000 der 41000 US-Soldaten in Europa werden abgezogen.
Allerdings könnten künftig kleinere Heereseinheiten regelmäßig zu Manövern in Europa eingesetzt werden, schreibt die amerikanische Militärzeitung Stars and Stripes. Sie wären aber immer nur für wenige Monate vor Ort; die Familien der Soldaten würden nicht mitkommen. „Ja, es ist das Ende einer Ära“, sagt Generalleutnant Mark Hertling, kommandierender General des US-Heeres in Europa, laut der Zeitung. „Und es ist der Anfang einer neuen Ära.“
Der Abzug der beiden Kampfbrigaden aus Europa hat auch Konsequenzen für den Truppenübungsplatz Hohenfels im Landkreis Neumarkt. Auf ihm ist zwar keine Brigade stationiert, werden jedoch Tausende Soldaten aus Europa abgezogen, wird zwangsläufig die Zahl der Übungen sinken. „Indirekt wird es uns treffen“, ist sich der Hohenfelser Bürgermeister Bernhard Graf sicher. Für die strukturschwache Region ist das ein herber Schlag, die Army ist der größte Arbeitgeber im Ort — 700 zivile Beschäftigte hat sie angestellt. Die Mitarbeiter haben erst eine Entlassungswelle hinter sich; im November wurde in Hohenfels der Abbau von knapp 60 Stellen verkündet, in Grafenwöhr/Vilseck wurden 143 gestrichen.
Es war nur der Auftakt. Mit mindestens 1000 weiteren Kündigungen und Aufhebungsverträgen für zivile Beschäftigte rechnen Gewerkschafter allein in der Oberpfalz. Zusätzlich sind viele Unternehmen betroffen — Bäcker, die Brot anliefern, Reinigungsfirmen, die die Garnison in Schuss halten. Simon Wittmann, Landrat im Landkreis Neustadt an der Waldnaab, in dem Grafenwöhr liegt, fordert daher finanzielle Unterstützung für die Region. Sie müsse bei Förderprogrammen besondere Berücksichtigung finden, betont er.
In der Bayerischen Staatskanzlei beobachtet man die Planungen der Amerikaner aufmerksam. Allerdings könne man sich nicht auf Hilfe an einem bestimmten Ort vorbereiten, erklärt ein Sprecher, „schließlich ist noch gar nichts gesichert“. Dennoch macht man sich Gedanken; immerhin trifft den Freistaat die zweite große Reduzierung von Streitkräften innerhalb weniger Monate, im Herbst erst griff die Bundeswehr zum Rotstift.
Für damals betroffene Regionen würden bereits Unterstützungsprogramme ausgearbeitet, heißt es in der Staatskanzlei, „allerdings versuchen wir, nicht schon das ganze Pulver zu verschießen“. Bei einem Abzug von US-Streitkräften will man Handlungsspielraum haben; eine Verlagerung von Behörden in strukturschwache Regionen etwa ist denkbar.
Gelder, um schnell Hilfe zu leisten, sind auch vorhanden. Die sprudelnden Steuereinnahmen der vergangenen Monate haben für einen ansehnlichen Notgroschen gesorgt. 700 Millionen Euro sind übrig, die man für besondere Ereignisse zurückhalte, erklärt Finanzminister Markus Söder. Ein solches wäre der Rückzug der US-Streitkräfte aus strukturschwachen Gebieten. Dann werde die Staatsregierung mit Finanzmitteln einspringen, verspricht der CSU-Politiker.
Doch vorerst gilt es zu warten. Wann die Vereinigten Staaten ihr endgültiges Stationierungskonzept verkünden, ist noch offen. Experten rechnen mit Details spätestens in den nächsten Wochen, wenn der US-Haushalt verabschiedet wird.

Bewerbungen für den NN-Kunstpreis werden ab 1. März 2012 entgegengenommen. Die Teilnahmebedingungen finden Sie
hier.