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Verbraucherzentrale vermittelt überschüssige Obsternte

Seltene Sorten besonders beliebt - 23.08. 19:00 Uhr

MÜNCHEN  - "Raus auf's Land fahren und Früchte aus einem Baum pflücken - wie im Paradies" - das war der Gedanke von Ernährungsexpertin Heidrun Schubert vor acht Jahren. Daraus entstand die bayerische Obstbörse: Auf Initiative Schuberts hin vermittelt die Verbraucherzentrale Bayern nunmehr seit 2002 bayernweit die Adressen von privaten Obstbaumbesitzern an Bürger, die sich gerne mit Früchten aus der Region eindecken. Beliebt ist die Börse aber auch unter Kennern seltener Obstsorten - und bei finanziell schwachen Familien.


Ab sofort bietet die Verbraucherzentrale Bayern wieder die seit Jahren beliebte Obstbörse an. Gartenbesitzer, die einen Überschuss an Obst und Nüssen haben, können ihre Kontaktdaten telefonisch bei der Verbraucherzentrale registrieren lassen.
Ab sofort bietet die Verbraucherzentrale Bayern wieder die seit Jahren beliebte Obstbörse an. Gartenbesitzer, die einen Überschuss an Obst und Nüssen haben, können ihre Kontaktdaten telefonisch bei der Verbraucherzentrale registrieren lassen.
Foto: dpa

Seit Montag läuten bei der Obstbörse der Bayerischen Verbraucherzentrale wieder die Telefone: Teilweise stünden die "Apparate nicht mehr still", berichtet Schubert. Bis Mitte Oktober sind die Leitungen dreimal wöchentlich freigeschaltet. In dieser Zeit melden sich laut der Ernährungsexpertin für gewöhnlich insgesamt etwa 200 Besitzer von Obst- und Nussbäumen und 250 Interessenten an erntefrischem Obst. Die Mitarbeiter der Verbraucherzentrale haben dann die Aufgabe Angebot und Nachfrage zusammenzubringen.

Alte Menschen oft nicht mehr in der Lage selbst zu ernten

Dabei mag es durchaus überraschen, dass bis zu 200 Anrufer aus ganz Bayern ihr Obst ohne Gewinnabsichten "loswerden" wollen. Bei den Anbietern handele es sich oftmals um alte Menschen, die nicht mehr in der Lage seien, selber zu ernten, sagt Schubert. Aber auch Gartenbesitzer ohne großen Eigenbedarf freuten sich über eine Weitervermittlung ihres Obstes.

Des Supermarktangebots überdrüssig

Zu den Konsumenten gehören unter anderem Menschen, die laut Schubert des gleichförmigen Supermarktangebotes überdrüssig sind: Im Handel gebe es oft nur vier Sorten an Äpfeln, die "völlig gleich schmecken", findet die Organisatorin der Obstbörse. Viele der Obstbaumbesitzer hätten hingegen "sehr, sehr alte" Obstsorten in ihrem Garten. "Einige Sorten sind den Besitzern nicht einmal mehr namentlich bekannt - aber sehr schmackhaft." Gerade ältere Menschen würden über die Börse bewusst nach einem geschmacklichen Erlebnis suchen, das im Laden nicht mehr zu finden sei. Laut Schubert kommen Interessenten oft aber auch aus finanzschwächeren Schichten. "Es rufen Leute an, die zuerst nach dem Preis fragen", bei denen deutlich werde, dass "sie kein Geld für längere Bahnfahrten" zu Baumbesitzern zur Verfügung haben. "Diesen Anrufern wäre es am liebsten, in den Nachbargarten herüber gehen zu können", sagt Schubert. Aber selbst derartig kleinräumige Vermittlungen seien den Mitarbeitern der Börse schon gelungen. Der Preis für das Obst bleibe gleichwohl Verhandlungssache zwischen Anbieter und Interessenten. "Das dicke Geld" sei über die Obstbörse aber nicht zu machen.

(Das Obstbörsen-Telefon der Bayerischen Verbraucherzentrale ist bis Mitte Oktober montags, mittwochs und donnerstags unter der Telefonnummer 01805 829232 zu erreichen.) ddp/nam/han 





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