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„An meinem 21. Geburtstag gelobte ich, mein Leben in den Dienst unseres Volkes zu stellen“, summierte die Königin anlässlich ihres silbernen Thronjubiläums ihr Leitprinzip. „Ich leistete diesen Schwur, als ich noch grün wie Salat war, und bedauere kein einziges Wort.“
Den Briten imponieren diese eiserne Pflichterfüllung und das eiserne Arbeitspensum, an dem die Queen auch nach ihrem 85.Geburtstag kaum Abstriche gemacht hat, ebenso wie die Würde und Makellosigkeit ihrer Person. Wie eh und je eröffnet sie das Parlament und empfängt Staatsgäste, nimmt Paraden ab und macht Staatsbesuche.
Ein königlicher Salut von 41 Kanonenschüssen im Londoner Hydepark markiert am Montag das „diamantene Thronjubiläum“ der Queen. Am 29.März starten die Queen und Prinz Philip dann eine große Rundreise durch England, Schottland und Wales, die sich bis zum 19. Juli hinziehen wird.
Aus Altersgründen und wegen der angeschlagenen Gesundheit von Prinz Philip verzichtet das Paar diesmal darauf, auch die anderen „Reiche und Territorien“ zu besuchen. Das übernehmen die Kinder und Enkel von „Elizabeth II., durch Gottes Gnade Herrscherin des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Nordirland und ihrer anderen Reiche und Territorien und Haupt des Commonwealth“.
Besonders gut getroffen haben es dabei die Prinzen Harry, William und Edward, die auf den Trauminseln in der Karibik und im Südpazifik die Krone vertreten dürfen. Prinz William und Kate sollen wie einst Elizabeth und Prinz Philip auf einem blumengeschmückten Kanu auf der Insel Tuvalu landen.
Trotz seiner Herzoperation ist der 90-jährige Prinzgemahl Philip fest entschlossen, den Höhepunkten der Feierlichkeiten beizuwohnen. Vom 10. bis 13.Mai findet das erste Hauptspektakel mit einem internationalen Pferde- und Reiterfestival auf Schloss Windsor statt. Das mag die Königin besonders freuen. Prinz Philip antwortete einmal auf die Frage, was seine pferdenärrische Gemahlin am meisten interessiere: „Alles, was Gras frisst.“ Die Volksfreude gipfelt schließlich am 3.Juni in den Flussspielen auf der Themse, wenn die Queen auf ihrer königlichen Barke eine Flotte von 1000 Booten anführt.
Aus dem Geschenk einer neuen königlichen Jacht, die ein voreiliger Abgeordneter anregte, wird allerdings nichts. Der Queen, die aus Sparsamkeit persönlich nachts im Palast vergessene Lichtschalter ausknipst, wäre dies wohl eher peinlich gewesen.
Statt wie früher im eigenen Sonderzug, reist sie nun häufiger mit der öffentlichen Eisenbahn und zahlt im Gegensatz zu ihren Vorgängern sogar Steuern. Nur bei großen Ereignissen rollt sie noch in der goldenen Staatskutsche zu mittelalterlichen Zeremonien.
Ihr ehemaliger Haushofmeister Lord Luce beschreibt die Strategie der Königin mit einem Zitat des italienischen Schriftstellers Giuseppe Lampedusa: „Wenn wir wollen, dass die Institutionen bleiben, dann müssen wir sie ändern.“ Durch Reformen hat die Queen die großen Krisen der Monarchie bewältigt, die durch Ehe- und Scheidungsskandale der jüngeren „Royals“ ausgelöst wurden und in dem tragischen Unfalltod von Prinzessin Diana endeten. Den Schlussstrich unter dieses Kapitel zog letztes Jahr die Märchenhochzeit von Prinz William mit Kate Middleton. Sie war ähnlich „traumhaft“ wie einst die Eheschließung der ebenso zauberhaften Prinzessin Elizabeth mit dem schneidigen Marineleutnant Philip im Jahre 1947.
Fünf Jahre danach saß sie mit ihrem Mann auf einem Baum in Kenia und beobachtete Elefanten und Nashörner. Hier erreichte sie die Nachricht vom Tode ihres Vaters Georg VI. Eilig nach London zurückgebracht, küsste der dreimal so alte Premierminister Winston Churchill im Nieselregen am Flughafen die Hand seiner 25-jährigen Königin.
Nach ihm taten dies ein weiteres Dutzend britischer Regierungschefs. Sie bereiteten sich auf ihre wöchentliche Audienz bei der Königin besser vor als auf die Fragestunde im Parlament und rühmten, wie blendend die Queen über das politische Geschehen informiert sei. Im Vergleich zu einem amerikanischen oder französischen Präsidenten hat Elizabeth II. allerdings kaum politische Macht.
Gegebenenfalls müsste sie sogar ihre eigene Absetzung bei der Thronfolge verlesen. Wenn es das Parlament so beschlossen hätte. Aber bei der Popularität der Königin sind die „Republikaner“ in Großbritannien eine Randgruppe.
Dass sie selbst einmal zugunsten des bald 65 Jahre alten Thronfolgers Prinz Charles abgibt, ist höchst unwahrscheinlich. „Es ist ein Job fürs Leben“, kommentierte die Queen schon vor 20 Jahren ähnliche Gerüchte. Die meisten Briten wünschen sich auch keinen Wechsel an der Spitze der „Firma“, wie die Königin ironisch ihre Familie nennt.
Über die britische Regierung hat das Familienoberhaupt ja auch verfügt, dass ihren Untertanen im Juni ein extra langes Wochenende geschenkt wird, an dem sie vom 2. bis 5.Juni bei Straßen-Partys auf das Wohl ihrer Monarchin anstoßen können. Und so wird das britische Volk aus voller Brust und Überzeugung bei den Feierlichkeiten zum diamantenen Thronjubiläum die Nationalhymne schmettern: „Gott schütze unsere glorreiche Königin. Lange möge sie über uns regieren!“

Bewerbungen für den NN-Kunstpreis werden ab 1. März 2012 entgegengenommen. Die Teilnahmebedingungen finden Sie
hier.