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Asyl im Wohnwagen

Dombühler Bürgermeister hat finanzielle Probleme - 18.10.2008

Der Dombühler Bürgermeister ist jetzt Schillingsfürster: Helmut Auer hat aus finanziellen Gründen seinen Wohnwagen im Nachbarort bezogen.

Der Dombühler Bürgermeister ist jetzt Schillingsfürster: Helmut Auer hat aus finanziellen Gründen seinen Wohnwagen im Nachbarort bezogen. © Werner Weber


Er habe wirklich keinen anderen Rat mehr gewusst, betonte Auer, als wir ihn abends in der gerade einmal zwölf Quadratmeter großen Behausung einen Besuch abstatteten, um zu sehen, wie er hier lebt. «Ich musste die Notbremse ziehen», beteuerte das Oberhaupt der 1700-Einwohner-Gemeinde. Die 600 Euro Miete pro Jahr plus die Stromkosten, die er nach eigenen Angaben auf dem Campingplatz zu zahlen hat, seien gerade noch drin, mehr aber nicht.

Der Wohnwagen ist nun Wohnraum, Schlafzimmer und Büro in einem. Von Schillingsfürst aus fährt der Bürgermeister nun, soweit es das Wetter zulässt, täglich mit dem Rad ins rund drei Kilometer entfernte Dombühl zu seiner Arbeitsstätte im Rathaus.

Scheidung war teuer

 Nach der teuren Scheidung von seiner Frau habe sein bisheriges Domizil seine finanziellen Möglichkeiten überstiegen, sagte Auer. Er habe alle Hoffnung auf die Beförderung gesetzt gehabt, die ihm vor der konstituierenden Sitzung im Gemeinderat fest zugesagt worden sei. Aber eben jener Schritt von Besoldungsstufe A 12 in A 13 wurde ihm schließlich vom Marktgemeinderat gegen eine einzige Stimme verweigert: «Das ist für mich ein klarer Wortbruch.»  

Der Bürgermeister war noch im Frühjahr dieses Jahres mit 61,11 Prozent der Stimmen souverän gegen eine Mitbewerberin wiedergewählt worden - trotz vieler Widerstände. Doch Auer ist fest entschlossen, seine Arbeit der letzten Jahre für die Marktgemeinde und für ihre Bürger auch in den kommenden fünfeinhalb Jahren seiner Tätigkeit unbeirrt fortzusetzen. Schwierigkeiten fürchtet der 61-Jährige nicht. Er könne schließlich einiges vorweisen und habe für Dombühl etliches erreicht: «Mein Wahlergebnis kommt doch nicht von ungefähr.» 

Große Erfolge

Zu seinen größten Erfolgen zählt Auer unter anderem das Gewerbegebiet, das neue Siedlungsgebiet, mehrere Straßensanierungen,  aber auch einige unter seiner Federführung beschlossene familienfreundlichen Regelungen. Schließlich sei die Tatsache, dass es im Rathaus - das als kleinstes Rathaus Bayerns apostrophiert wird - wieder Trauungen gebe, auf seine Initiative zurückzuführen.

«Von den Bürgern wird das alles honoriert,» unterstrich Auer. Etliche Dombühler hätten ihm auch, als sie von seinen Problemen erfuhren, spontan eine günstige oder gar kostenlose Unterkunft beziehungsweise Abstellmöglichkeit für den Wohnwagen angeboten, berichtete er. Das wisse er über alle Maßen zu schätzen. 

Aber so gern er in seiner Situation auch darauf zurückgekommen wäre: So etwas anzunehmen verbiete sich für ihn als Bürgermeister - schon aus grundsätzlichen Gründen. Denn ein Gemeindeoberhaupt habe Neutralität zu wahren und auch die Voraussetzungen dafür zu schaffen.

Der Wegzug Auers aus der Marktgemeinde ist derzeit Gesprächsthema Nummer eins in Dombühl und im weiten Umland. So manchem fehlt das Verständnis dafür und es leben Erinnerungen an Zeiten auf, die schon überwunden schienen.

Als der aus der Verwaltung des Rehauer Rathauses gekommene Auer 2002 den designierten Nachfolger des langjährigen Bürgermeisters überraschend beim Urnengang besiegte, hinterließ das viele Gräben bis in viele Familien.  Im Gemeinderat herrschte anfangs eisige Atmosphäre und es dauerte einige Zeit, bis im Sinne der Gemeinde an einem Strang gezogen wurde. Allerdings zeigten sich unübersehbare Risse im Lager, das Auer unterstützte, und  frühere Verbündete begannen sich zu distanzieren. Bei der letzten Wahl konnte sich der Bürgermeister gar nur mehr auf seine eigene Gruppierung stützen und verlassen. 

Der Bürgermeister komme seinen Verpflichtungen nicht nach, sei nur noch ein paar Stunden in der Woche für die Bürger zu sprechen, wird ihm von Leuten vorgeworfen, die ihm gern am Kittel flicken. «Davon kann keine Rede sein. Ich nehme meine Amtspflichten engagiert wahr wie eh und je,» konterte Auer. Er wittert hinter den Vorwürfen den gezielten Versuch, ihn und seine Arbeit zu diskreditieren. Er habe schon Bedenken, dass Dombühl Schaden nehmen könne bei all dem, meinte Auer vielsagend. Das sei wirklich das Allerletzte, was passieren dürfe. 

Werner Weber

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