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Mit einem Lächeln kippt Wolfgang Pöhlau eine weitere große Schale zerstückelter, gekochter Kürbisse in die Püriermaschine. Derzeit verdoppelt sich sein Kundenkreis alle zwei Monate, und bei einer Wochenarbeitszeit von 100 Stunden kommt er vor lauter Dampfgaren, Portionieren und Schockfrosten kaum dazu, neue Geschäftsschritte zu planen.
Zwei Tage pro Woche hat der Nürnberger sich in den Räumlichkeiten eines Catering-Services eingemietet. In der Großküche produziert er zusammen mit zwei Aushilfskräften Breikugeln aus Obst und Gemüse, die er „Vidos“ nennt. So macht er Kürbis, Zucchini oder Pastinake, alles in Bio-Qualität und ohne Zusatzstoffe, löffelweise portionierbar.
Die insgesamt acht Grundsorten können nach Baukastensystem kombiniert werden. „Die Mutter macht die Mischung“, sagt der 38-Jährige. Die in 300-Gramm-Kartons abgepackten Einheiten, die je nach Sorte zwischen 2,90 und 3,50 Euro kosten, liefert er in der gesamten Metropolregion direkt an jede Haustür. Das Geschäft des Tüftlers steckt zwar noch in der Anfangsphase, läuft aber schon so gut, dass er nach dem ersten Jahr eine Verkaufsfahrerin angestellt hat. 95 Prozent der Eltern, die „Babyviduals“ ausprobieren, blieben den tiefgefrorenen Gemüsekugeln treu, sagt Pöhlau. „Ich mag meine Kunden, aber leider ist das Geschäftsverhältnis momentan auf vier bis fünf Monate begrenzt.“
Deswegen arbeitet er daran, sein Angebot weiter auszubauen. Zukünftig will er neben den „Vidos“ zusätzliches Getreide und Öl und im nächsten Schritt püriertes Fleisch sowie Obst- und Gemüse-Stückchen für die Zeit nach den ersten „Breimonaten“ anbieten. So grübelt er derzeit über der Dämpfungsdauer und dem Wasserverhältnis der Fleischportionen und sucht nach einer „Dosierungsvorrichtung für Stückiges“.
Ausgebaut werden sollen in Zukunft der Lieferservice und der direkte Verkauf im regionalen Biofachhandel. „Doch niemand sucht Babynahrung in der Tiefkühltruhe“, begründet Pöhlau das damit verbundene Vermarktungsproblem.
Trotzdem gibt es die neuartige Beikost seit kurzem in Bioläden in Erlangen und Neumarkt. Der Verkauf lief gut an, weitere Standorte in der Region sollen folgen.
Darüber hinaus möchte Pöhlau in Zukunft gerne die Gastronomie bedienen, denn er ist überzeugt: „Auch Eltern wollen mal essen gehen. Aber was füttern sie dem Baby unterwegs?“ So kann er sich durchaus vorstellen, dass eine Bäckereikette ein passendes Menü mit „Kaffee, Teilchen und Brei“ für zukünftige „Mama-Partys“ anbieten könnte. Auf die Idee für „Babyviduals“ war Wolfgang Pöhlau durch die Mütter seiner Patenkinder gekommen.
Sie hatten das typische Eltern-Problem: Fertigessen schmeckt nicht, selbst kochen kostet zu viel Zeit.
Für sein Geschäftskonzept kündigte er damals sogar seinen Job als Projektleiter bei einer großen Nürnberger Firma und fing mit seiner tiefgekühlten Babynahrung noch einmal ganz von vorne an. In Bayern ist sein Produkt derzeit einzigartig, doch Stolz empfindet er deswegen kaum. „Solche Momente gibt es höchstens mal beim Gründerstammtisch.“
Seine langfristigen Pläne sehen die Anschaffung einer eigenen Großküche vor und möglicherweise einen überregionalen Vertrieb über Lizenznehmer. Das Nahziel lautet jedoch erst mal: Absatz in München. Doch bis es so weit ist, möchte er nach den ersten 300 gerne noch viele weitere Babys in der Region mit seiner „gehobenen Babyküche“ versorgen.

