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Bayern ade: Neue Franken-Partei will die Region retten

„Freunde, tut was für Franken“- Über Neid, Deppen und mehr - 26.11. 13:58 Uhr

NÜrnberg  - Die „Partei für Franken“, genau ein Jahr jung, probt den Aufstand gegen die Altbayern: Die Gruppe mit 203 Mitgliedern will es in den Landtag schaffen. Ihr Chef Robert Gattenlöhner (54) und Jürgen Schröder, der mittelfränkische Bezirksvorsitzende (40), über falsche Volksvertreter und Bayern-Frust.


Robert Gattenlöhner, Chef der „Partei für Franken“, will sich bis in den Landtag vorkämpfen — und dabei den Bayern zeigen, wo es lang geht.
Robert Gattenlöhner, Chef der „Partei für Franken“, will sich bis in den Landtag vorkämpfen — und dabei den Bayern zeigen, wo es lang geht.
Foto: dpa
Robert Gattenlöhner, Chef der „Partei für Franken“, will sich bis in den Landtag vorkämpfen — und dabei den Bayern zeigen, wo es lang geht.
Robert Gattenlöhner, Chef der „Partei für Franken“, will sich bis in den Landtag vorkämpfen — und dabei den Bayern zeigen, wo es lang geht.
Foto: dpa

 

Wenn Sie 2013 im Landtag sitzen wollen, geht das nur mit genug Stimmen. Sagen Sie mir doch mal drei gute Gründe, warum ich Sie wählen sollte. Noch dazu als Zugereiste ...

Robert Gattenlöhner: Der Hauptgrund ist die Ungleichbehandlung der Franken gegenüber den Oberbayern. Wir haben heimische Politiker, die fahren über die Donau und wissen nicht mehr, dass es uns Franken gibt. Wenn die uns nicht vertreten, müssen wir es eben selbst tun.

Aber es gibt doch genug Franken in Regierungspositionen, zum Beispiel zu Guttenberg, Herrmann, Söder ...

Gattenlöhner: Die machen alle oberbayerische, niederbayerische oder altbayerische Politik. Das ist Fakt.

Nochmal: Warum sollen Zugereiste, Migranten und weltoffene Menschen eine lokalpatriotische Partei wählen?

Jürgen Schröder: Es ist ja nicht so, dass nur Ur-Franken bei uns Mitglied sind, sondern es geht uns um die Einwohner Frankens. Wir haben als Mitglieder auch gebürtige Westfalen oder Berliner. Alle sagen: Mir gefällt es hier und ich möchte, dass die Region so lebenswert bleibt.

Gattenlöhner: Genauso gibt es aber auch Abwanderungen aus Oberfranken. Menschen, die der Arbeit nach München hinterherziehen. Die Region Nürnberg führt zudem die Arbeitslosen-Statistik an. Auch die Armutsquoten in Oberfranken sind wesentlich höher als um München herum. Die Regierung kennt die Probleme, greift sie aber nicht an.

Woran liegt das Ihrer Meinung nach? Am fehlenden Geld?

Schröder: Das Geld fließt ja woanders auch. Nur für bestimmte Regionen gibt es nichts. Beispiel: Wir wollen uns die Olympischen Spiele 2018 leisten, das kostet schätzungsweise sechs, sieben Milliarden Euro, während unsere Kommunen ohne Geld dastehen.

Aber das betrifft ja nicht nur fränkische Kommunen, sondern alle.

Gattenlöhner: Aber uns drückt’s halt besonders, weil wir eh’ schon immer Schlusslichter sind.

Ihnen eilt auch der Ruf der „frustrierten Franken“ voraus. Glauben Sie, dass sich mit Frust gute Politik machen lässt?

Gattenlöhner: Frust und Neid bringen gar nichts. Es ist sinnlos, neidvoll auf die Bayern zu schauen. Wir müssen nur sehen, dass wir in die gleiche Position kommen wie die Oberbayern.

Und wie wollen Sie das anstellen?

Gattenlöhner: Es gibt ein Landesentwicklungsprogramm, da steht alles drin. Da müssen wir ansetzen und da müssen wir die Kameraden in München aufrütteln und sagen „Freunde, setzt das endlich um“.

Ihre Partei wirbt stark für fränkisches Brauchtum, spricht sich beispielsweise gegen Dirndl in Franken aus. Ist es Ihnen damit politisch ernst?

Gattenlöhner: Das ist ein Nebenschauplatz, nicht Ziel unserer politischen Arbeit.

Wie ernst ist es Ihnen damit, ein Bundesland Franken auszurufen?

Gattenlöhner: Das wäre höchstens wieder ein Thema, falls die EU irgendwann die ganzen Regionen neu aufteilen würde, wovon ich nicht ausgehe.

Und wie sieht es mit ihrem Wunsch aus, das Bundesland in Bayern-Franken umzubenennen?

Gattenlöhner: Der Doppelname ist wünschenswert. Den gibt es schließlich auch in anderen Bundesländern, zum Beispiel Nordrhein-Westfalen.

Es gibt selbst überzeugte Franken, die fürchten geradezu, Sie könnten sich bei der Landtagswahl als „diese Deppen aus Franken“ blamieren...

Gattenlöhner: Das mag ja sein, dass die das sagen. Es werden bestimmt auch einige mit blauweißer Raute denken, jetzt kommen die auch noch. Wir werden ihnen das Gegenteil beweisen.

Sie kandidieren gerade als Bürgermeister in Roth. Ist das für Sie auch ein Testlauf für die Landtagswahl?

Gattenlöhner: Ja, absolut. Ich hoffe bei der Bürgermeisterwahl auf ein gutes Ergebnis, auf einen Achtungserfolg. Wenn ich fünf Prozent raushole bei sieben Bewerbern, das würde mir gefallen. Selbst ein Prozent wäre gut. Unsere Partei gibt es ja erst seit einem Jahr — was erwarten wir eigentlich.

In Franken gibt es Ihrer Internetseite zufolge die beste Bratwurst, viel Sonnenschein, guten Wein und weit mehr. Den Franken geht es doch eigentlich verdammt gut, oder?

Gattenlöhner: Ja. Aber den anderen geht es besser.

Was denken Sie? Braucht die Region tatsächlich eine neue Franken-Partei, die speziell ihre Interessen vertritt, weil sie benachteiligt ist? Und können Sie die Ziele der "Partei für Franken" nachvollziehen? Kommentieren Sie diesen Artikel. 



Interview: JOHANNA SÄUBERLICH

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