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Brennerei Haas: Edle Tropfen aus Pretzfeld

Bereits 110 Sorten hat Johannes Haas kreiert - Obstbauer und Schnapsbrenner in einem - 15.11. 12:13 Uhr

PRETZFELD  - „Gscheid oder gar ned“, nach diesem Motto hat Johannes Haas aus Pretzfeld den Sprung in die Riege der Edelbrenner von nationalem Ruf geschafft. Neuester Coup des innovativen Destillateurs: Schnaps mit Flurnummernangabe. Der Kunde weiß, wo die Birne gereift ist, die er in seiner Flasche hat.


Johannes Haas prüft mit dem Blick des wirklichen Kenners eines seiner feinen Destillate.
Johannes Haas prüft mit dem Blick des wirklichen Kenners eines seiner feinen Destillate.
Foto: Christine Hagner


„Du spinnst!“ lacht Johannes Haas heute. So habe ihn sein Vater damals geschimpft, als er ihm Anfang der 90er Jahre von seinem Plan erzählte, aus der kleinen Pretzfelder Schnapsbrennerei einen „richtigen Betrieb“ zu machen. Eine grundsolide Ausbildung hatte er bis dato durchlaufen. Auf Anregung des Vaters war er mit 16 Jahren an die TU Weihenstephan gezogen. An der dortigen Versuchs- und Lehrbrennerei lernte er alles, was er als „Destillateur und Fachkraft für Fruchtsafttechnik und Weinbereitung“ brauchte.

„Gscheid oder gar ned“, war die Devise des jungen Haas, der die kleine Pretzfelder Nebenerwerbs-Brennerei binnen kurzer Zeit zu einer bundesweit bekannten und geschätzten Edelbrennerei machte.

Die Qualität der feinen Brände, die in Pretzfeld aus den Kühlschlangen rinnen, überzeugt seit Jahren auch die Fachwelt. 7-mal Gold, 3-mal Silber und einmal Bronze — das war der erste Platz für Johannes Haas bei der „Bayerischen Obstbrandprämierung 2010“. 92 Mitbewerber verwies er auf die Plätze. Gold tragen sortenreiner Gala und Jonagold Apfelbrand, Fränkischer Schlehengeist, Schlehengeist, Himbeergeist, Himbeerbrand und Zibartenbrand, versilbert wurden sortenreiner Pinova Apfelbrand, Brombeergeist und Wildkirschenbrand. Fränkische Williams glänzt in Bronze.

Seit 1996 ist Haas auch Obstbauer. Auf zehn Hektar in der Fränkischen Schweiz gewinnt er sein eigenes Obst, das später als sortenreines Destillat ins tulpenförmige Gläschen wandert. Etwa 13000 Bäume nennt er stolz sein eigen, vor allem alte Obstsorten mit kraftvollem Aroma wie die wilde Eierbirne oder Mollebusch. Hass tut so ganz nebenbei auch etwas für den Artenerhalt. Sein Vorteil dabei: während der Ernte kann Haas die Früchte jeden zweiten Tag kontrollieren und so den perfekten Reifegrad ermitteln.

Bei der fränkischen Kirsche geht er noch einen Schritt weiter: Bis zu zweimal täglich fährt er in seine Obstgärten um den idealen Erntezeitpunkt der sensiblen Früchte zu ermitteln. Neuester Clou des Pretzfelders: Edle Brände mit Flurnummern-Angabe, bei denen der Kunde den Weg des Obsts vom Baum bis in die Flasche genau nachvollziehen kann.

Der Familientradition verpflichtet

Der über hundertjährigen Familientradition ist er verpflichtet. Für Haas gilt das sozusagen als Reinheitsgebot: keinen Zucker zusetzen und nur naturbelassene Früchte verwenden. Auch dabei wird enormer Aufwand betrieben: Das Obst wird, bevor es in den Maischebottich wandert, erst von Stiel und Kerngehäuse befreit. Bei der Verwertung von Erdbeeren wird gar eine Maschine eingesetzt, wie sie sonst in der Babynahrungsindustrie verwendet wird — damit kein Stückchen unreifes Grün den Geschmack des Erdbeerbrandes verfälscht.

110 verschiedene Sorten hat Haas mittlerweile im Programm, acht Beschäftigte kümmern sich um die edlen Destillate. 4000 Kunden in der gesamten Republik gießen sich regelmäßig einen Haas ins tulpenförmige Gläschen und auch die Sterneküche vertraut auf Wässerchen vom Haas: Andre Köthe vom Nürnberger Essigbrätlein und Alfons Schuhbeck etwa, der am Münchner Platzl Schnäpse und Brände vom Haas ausschenkt oder der Fernseh-Koch Alexander Herrmann aus dem oberfränkischen Wirsberg.

Eigene Whiskeysorte

Der Geist aus der Tonkabohne, der die Schokopraline des Münchner Delikatessen-Riesen Dallmayr so gschmackig macht, ist, wen wundert’s, aus Pretzfeld. Und auch in der Genießerland-Region Tegernsee, wo bayernweit die höchste Sternedichte herrscht, ist man auf den Oberfranken aufmerksam geworden: Verhandlungen mit einem Sternekoch am See sind fast perfekt.

Eine neue Urlaubs-Liebe hat der Tausendsassa unter den fränkischen Obstbrennern aus dem schottischen Islay mitgebracht: „Der Haas-Whiskey“, der seit zehn Jahren in seinen Kellern im Bourbonfass in Pretzfeld reift, soll fortan Sammler und Kenner Jahr für Jahr den Geschmack Schottlands in Franken spüren lassen.

Edelbrennerei Haas, Schmiedsgasse 2, 91362 Pretzfeld. Öffnungszeiten des Ladens: Mo. —Fr., 9—12.30 und von 14—18 Uhr, Sa. von 9—14 Uhr. Johannes Haas bietet regelmäßig Seminare an, Informationen unter Telefon (09194) 1256, oder im Internet www.destillerie-haas.de

Mehr Informationen in unserer Rubrik Essen und Trinken! 





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Hier sind die Gastro-Kritiken von NN- und NZ-Redakteuren zu finden, die für Sie Restaurants, Cafes, Kneipen, Gastwirtschaften und Biergärten in Nürnberg und Region getestet haben.