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„Das Glücksspiel braucht auf jeden Fall klare Regulierungen“

Bayerns Lotto-Präsident Erwin Horak über staatliche Spielbanken, Sportwetten und über den Wildwuchs der kommerziellen Anbieter - 29.03.11

Erwin Horak (60) ist Präsident von Lotto Bayern und federführend beim Deutschen Lotto- und Totoblock. Wir sprachen mit dem Juristen über die Zukunft des Glücksspiels, vom guten alten Lotto über Sportwetten wie Oddset bis zu den Spielbanken.


Der Präsident von Lotto Bayern, Erwin Horak.
Der Präsident von Lotto Bayern, Erwin Horak.
Foto: Karlheinz Daut
Der Präsident von Lotto Bayern, Erwin Horak.
Der Präsident von Lotto Bayern, Erwin Horak.
Foto: Karlheinz Daut

Herr Horak, spielen Sie selbst Lotto und wie steht es mit dem Gewinn?


Es gibt immer mehr attraktive Glücksspielautomaten in privaten Spielhallen, was für suchtgefährdete Nutzer nicht unproblematisch ist.
Es gibt immer mehr attraktive Glücksspielautomaten in privaten Spielhallen, was für suchtgefährdete Nutzer nicht unproblematisch ist.
Foto: AP
Es gibt immer mehr attraktive Glücksspielautomaten in privaten Spielhallen, was für suchtgefährdete Nutzer nicht unproblematisch ist.
Es gibt immer mehr attraktive Glücksspielautomaten in privaten Spielhallen, was für suchtgefährdete Nutzer nicht unproblematisch ist.
Foto: AP

Horak: Ich spiele regelmäßig, die Gewinne waren überschaubar. Sie sehen ja selber, ich arbeite noch. Mein höchster Gewinn lag im zweistelligen Euro-Bereich.

Und wie sieht es bei den Spielbanken aus?

Horak: In Bayerns Spielbanken darf ich nicht spielen, aus gutem Grund. Stellen Sie sich vor, ich würde auf eine Zahl setzen und gewinnen. Da entstünde sofort ein Verdacht.

Von Bayerns Spielbanken machen nur zwei Gewinn, darunter Feuchtwangen. Alle anderen schreiben rote Zahlen ...

Horak: Wir haben bei den Spielbanken Probleme. 2002 hatten wir 133 Millionen Umsatz, letztes Jahr waren es noch 68 Millionen. Bundesweit zeigt sich der gleiche Trend. Allein das strikte Rauchverbot hat uns einen Einbruch von fast 30 Prozent beschert. Mindestens genauso wichtig ist aber das übermäßige Wachstum kommerzieller Spielhallen.

Haben Sie Hoffnung, dass sich die Lage bessert?

Horak: Ein gewisse Hoffnung schon. Die Länder beraten momentan über einen neuen Glücksspiel-Staatsvertrag. Der wird wohl regeln, dass die nächste Spielhalle von einer Schule mindestens 100 Meter entfernt sein muss. Auch der maximale Gewinn und der maximale Verlust an einem Spielautomaten werden deutlich reduziert werden, ebenso die Öffnungszeit von derzeit bis zu 23 Stunden am Tag. Das sind notwendige Regulierungen, die ich lange vergeblich gefordert habe.

Warum ist das notwendig?

Horak: 80 Prozent aller in Behandlung befindlichen Spielsüchtigen sind in kommerziellen Spielhallen süchtig geworden. Das zeigen wissenschaftliche Studien. Bei den staatlichen Spielbanken liegt der Wert bei einem bis zwei Prozent.

Nimmt der Staat den Schutz für Suchtgefährdete in den Spielbanken wirklich wahr? Im Grunde leben sie ja auch davon, dass Gäste mehr ausgeben als ihnen guttut...

Horak: Keineswegs! Staatliche Spielbanken sind gerade nicht auf Gewinnmaximierung angewiesen. Wir nehmen unsere Verantwortung sehr ernst. So überprüfen wir jeden Gast vor seinem Zutritt anhand einer bundesweiten Sperrdatei. Bei uns ist der Zutritt erst mit 21 Jahren erlaubt, in den kommerziellen Spielhallen schon mit 18 Jahren.

Wollen Sie diese Auflagen über Bord werfen?

Horak: Aber nein! Die Liste von Personen, die zu ihrem eigenen Schutz nicht spielen dürfen, wird konsequent geführt und durchgesetzt. Zudem: Wenn unsere Angestellten bemerken, dass ein Gast Auffälligkeiten im Spielverhalten zeigt, dann sprechen wir den Betreffenden an und ziehen gegebenenfalls Konsequenzen. Bitten von Angehörigen, einen Spielsüchtigen zu sperren, gibt es natürlich immer wieder. Der Wunsch, ein Erbe voll zu erhalten, reicht aber als alleiniger Grund für eine Sperre nicht aus.

Bisher waren staatliche Sportwetten wie Oddset vor privater Konkurrenz geschützt. Jetzt sagt ein Gericht, dass laut EU-Recht private Sportwetten nicht einfach zu verbieten sind ...

Horak: Wenn Sie sagen, Oddset sei bisher vor illegaler Konkurrenz geschützt, muss ich widersprechen. Kommerzielle Anbieter behaupten, das Oddset nur noch zehn Prozent des Umsatzes auf diesem Sektor habe. Wenn das stimmt, werden 90 Prozent des Marktes von Illegalen beherrscht. Die sitzen irgendwo auf der Welt.

Brauchen wir andere Gesetze?

Horak: Nein. Man muss die Gesetze nur konsequent vollziehen. Glücksspiel kann in Deutschland nur betreiben, wer dafür eine Erlaubnis eines Bundeslandes hat. Eine aus Gibraltar oder aus einem anderen EU-Land reicht nicht aus. Wenn jetzt die Sportwetten kommerzialisiert werden, erweckt das den Anschein, dass man sich nur lange genug illegal betätigen muss, um am Ende zu bekommen, was man will. Für die rechtstreuen Bürger wäre dies ein fatales Signal.

Blicken wir einmal 20 Jahre voraus. Sind Sie sicher, dass es dann Lotto, Oddset und die staatlichen Spielbanken überhaupt noch gibt?

Horak: Was Lotto betrifft, habe ich gar keine Angst. Dieses Spiel ist einfach und attraktiv. Die Sportwetten wird es noch geben, aber man wird sie kaum wiedererkennen. Ich fürchte, dass man in 20 Jahren auf jedes Stolpern eines Stürmers wetten kann. Wenn dessen Freundin weiß, dass er stolpern wird, sind 30000 Euro schnell verdient. Solche Wetten öffnen der Manipulation Tür und Tor.

Und bei den Spielbanken?

Horak: Da wird es davon abhängen, wie ernst es der Staat mit dem Zurückdrängen der Spielhallen meint.

Privatisierung, wie es Bayerns FDP will, ist das ein Weg?

Horak: Nein. Der FDP schwebt vor, zusätzliche private Spielbanken in den drei großen Städten München, Nürnberg und Augsburg zu ermöglichen. Das würde den Zielen des Spielbankengesetzes zuwiderlaufen, das ganz bewusst keine Standorte in Ballungszentren vorsieht. Eine solche Privatisierung würde nur dem Profit einiger weniger Investoren nützen.
  





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