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„Als Kind bin ich immer ganz schnell durch die dunklen, wenig oder gar nicht beleuchteten Flure gelaufen“, erzählt Albrecht Freiherr von und zu Egloffstein. In seiner Kindheit war die Burg für ihn stets ein großer Abenteuerspielplatz.
Heute ist der Freiherr 71 Jahre alt – und auf Burg Egloffstein in der Fränkischen Schweiz lebt er noch immer. Auch wenn er während seiner Berufstätigkeit als Soldat lange Zeit nur selten hier war.
Mit seiner Frau Sibylle bewohnt er die Burg, gemeinsam halten sie den Bau instand – ein Vollzeitjob. Zu dem alten Schloss gehören nicht nur mehrere Gärten, sondern auch zehn Nebengebäude. „Wir sind unsere eigenen Gärtner, Hausmeister und – so weit es geht – auch Handwerker“, sagt von Egloffstein.
Jeden Tag beginnen die Eheleute mit einem Rundgang durch die Burg, um zu sehen, ob noch alles in Ordnung ist. Erst kürzlich hatte ein Sturm einen Teil des Daches abgedeckt – ein Leck war die Folge. „Den Schaden haben wir gleich entdeckt – und das geht nur, wenn man selbst hier wohnt.“
Danach arbeiten die Burgbesitzer ihr Tagesprogramm ab, reparieren Möbel, erneuern den Anstrich oder führen Besucher durch die alten Mauern. Die vergangenen 20 Jahre verbrachten sie damit, die Burg von Grund auf zu sanieren. „Über Jahre hatten wir hier eine Großbaustelle“, sagt von Egloffstein. Dank ihrer strahlend weißen Fassaden sticht die Burg über dem 2000-Seelen-Ort schon vom Tal aus ins Auge.
Auch wegen der Mühe, die die Renovierung gekostet hat, empfindet es Albrecht Freiherr von und zu Egloffstein nicht als Privileg, auf einer Burg zu leben. „Angesichts der langen Familientradition will ich mich aber nicht verweigern, auch wenn es manchmal nicht ganz einfach ist.“ Auf diese Tradition legt er großen Wert. „Burg Egloffstein ist eine der wenigen Burgen, die von Anfang an von derselben Familie bewohnt wird, die sie im 12. Jahrhundert erbaut hat.“
Diese lange Tradition fortzusetzen, ist nicht immer einfach. Im Hochmittelalter dienten Burgen als Schutzgebäude, der Sicherheit wurde absoluter Vorrang eingeräumt. „Wohnen war dort nur unter widrigen Umständen möglich“, sagt von Egloffstein. „Es war ganz anders, als man sich das später in der Romantik vorgestellt hat. Es war kalt, dunkel, zugig, feucht und es hat immer unangenehm gerochen.“
Erst im 19. Jahrhundert machte sich der Ururgroßvater des Freiherrn daran, die Burg wohnlich zu machen: Er ordnete die Räume anders an, zog Kamine ein und vergrößerte die Fenster, die vorher nur wenig Tageslicht eingelassen hatten. Heute gibt es mehr Komfort: Drei Gebäude sind mit einer Zentralheizung ausgestattet – in einem davon leben die Burgbesitzer.
Trotzdem müssen die Eheleute auch heute noch Abstriche machen. „Weil man es damals den Angreifern natürlich so schwer wie möglich machen wollte, gibt es viele Treppen zu steigen“, sagt von Egloffstein. „Man muss also sportlich sein.“
Fit halten den 71-Jährigen wohl auch die Burgführungen, die er noch immer selbst durchführt. „Solche Führungen werden natürlich überall angeboten, aber die Kombination aus Burg und der Familie, die ununterbrochen hier gelebt hat, gibt es in Deutschland nicht so häufig.“
Daneben vermietet der Burgherr Ferienwohnungen auf dem Schloss, von deren Fenster man einen hervorragenden Blick auf das bewaldete Tal hat. „Für die meisten Gäste sind die Übernachtungen ein echtes Erlebnis, vor allem, wenn sie Kinder dabei haben“, sagt Albrecht von Egloffstein.
Mit den Führungen, den Ferienwohnungen und auch den Trauungen, die der Freiherr auf der Burg organisiert, wollen die Eheleute Geld einnehmen, um die Reparaturen an den alten Gemäuern bezahlen zu können. „Es ist nämlich keinesfalls so, dass man als Burgherr ausgesorgt hätte“, sagt der Freiherr.
Dass auch in Zukunft die Egloffsteins die Burg über dem Ort gleichen Namens bewohnen werden, da ist sich der Freiherr sicher. Zwar gehen die beiden Kinder des Burgbesitzers in Berlin und Frankfurt bürgerlichen Berufen nach. Wenn es eines Tages aber an der Zeit sein wird, sich um die Burg zu kümmern, „werden sie sich der Familientradition nicht entziehen.“
Sa. 05.11.11
Sa. 29.10.11
Mo. 24.10.11
Sa. 15.10.11
Sa. 08.10.11