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Der kleine Dino und die anderen Jurassic-Stars

Fossilienmuseum in Solnhofen kann hochkarätige Exemplare nicht komplett ausstellen - 01.12. 06:00 Uhr

SOLNHOFEN  - Bisher war der Jahrhundertfund nur drei Tage lang bei den Mineralientagen in München zu sehen, jetzt ist er in seine alte Heimat zurückgekehrt: Der berühmte, „Xaveropterus“ genannte Raubdinosaurier steht im Mittelpunkt einer Sonderschau in Solnhofen.

Museumsleiter Martin Röper hält ein  Jung-Krokodil in Händen. Hinter ihm in der Vitrine liegt der Star der Ausstellung, ein kleiner Raubdinosaurier.
Museumsleiter Martin Röper hält ein Jung-Krokodil in Händen. Hinter ihm in der Vitrine liegt der Star der Ausstellung, ein kleiner Raubdinosaurier.
Foto: Auer
Museumsleiter Martin Röper hält ein  Jung-Krokodil in Händen. Hinter ihm in der Vitrine liegt der Star der Ausstellung, ein kleiner Raubdinosaurier.
Museumsleiter Martin Röper hält ein Jung-Krokodil in Händen. Hinter ihm in der Vitrine liegt der Star der Ausstellung, ein kleiner Raubdinosaurier.
Foto: Auer

Normalerweise hat das Museum in Solnhofen in der Winterpause nur noch sonntags geöffnet. Doch für seine neueste Errungenschaft, die erst in diesem Herbst als Sensationsfund bundesweit Schlagzeilen lieferte, macht Museumsleiter Martin Röper (53) seine Schauräume ganz weit auf: „Europas schönster und besterhaltener Raubdinosaurier“, so das Urteil des Geologen, ist der Star einer Sonderausstellung in Solnhofen.

Für die Steinplatte mit dem 70 Zentimeter großen Fossil des Jungtieres musste sogar einer der beiden Urvögel Platz machen. Solnhofen hat das weltweit einzige Museum mit zwei Exemplaren des Archaeopteryx.

Vor genau 150 Jahren war die erste von mittlerweile elf bekannten Versteinerungen dieses Mischwesens entdeckt worden, das Wissenschaftler als Bindeglied zwischen Reptil und Vogel ansehen.

Vergleich mit Archaeopteryx

Den Raubdino aus einem Steinbruch in der Gegend von Kelheim hält Röper für den „bedeutendsten Fund eines Archosauriers auf deutschem Boden seit Entdeckung des Archaeopteryx“. Der Geologe hatte in der Nähe des niederbayerischen Ortes die Forschungsgrabungen eines privaten Teams zwölf Jahre lang wissenschaftlich begleitet. Seinen Kontakten ist es zu verdanken, dass das Fossil als Dauerleihgabe in seiner erdgeschichtlichen Heimat bleibt.



„Sehr honorig“ nennt der Museumsleiter das Verhalten des Eigentümers, der aus eigenem Antrieb für die Eintragung in die Liste der nationalen Kulturgüter sorgte. „Man hätte den Dinosaurier ja auch im Ausland meistbietend verscherbeln können“, sagt Röper.

Das wertvolle Stück aus der Jurazeit darf nun Deutschland nicht mehr verlassen. Nach Angaben des 53-Jährigen ist das von Radiohörern „Xaveropterus“ getaufte Fossil zu 98 Prozent erhalten und damit der „kompletteste Fund eines Theropoden in Europa“.

Da die Platte sehr stark zerbrochen war, sei es eine wissenschaftliche Meisterleistung gewesen, den 150 Millionen Jahre alten Schatz vor Ort zu bergen und dann zu präparieren und zu restaurieren.

Kelheim gehörte wie Solnhofen in Urzeiten zu einer Südseeidylle mit Korallenriffen, tropischen Lagunen und vielen Inseln. Das sogenannte Solnhofen-Archipel existierte laut Röper vor 147 bis 153 Millionen Jahren. Aus den Meeresablagerungen entstanden global bedeutsame Fossilienlagerstätten, die Jurakalke.

Was die Kalkschlicke konserviert haben, können Besucher in Solnhofen bestaunen.

Da ist etwa der 70 Zentimeter lange Knochenfisch mit der wissenschaftlichen Bezeichnung Callopterus, „urtümlich und selten wie ein Archaeopteryx“, wie Röper anmerkt. Oder der kleine, 2002 nahe Regensburg entdeckte Flugsaurier — „weltweit das einzige Exemplar“.

Mehr als zwei Meter misst ein Meereskrokodil; es ist eine Rarität und eine Attraktion wie das erst vor zwei Jahren der Fachwelt präsentierte Landkrokodil. Als Fossil ist das Jungtier derart gut erhalten, dass sich sogar die Schuppung der Reptilhaut auf der Versteinerung abzeichnet.

Mit den Jurassic-Stars aus der Jurazeit ist das Museum in Solnhofen weit über Deutschland hinaus bekannt, nicht nur bei Geotouristen und in wissenschaftlichen Fachkreisen. „Wir haben nicht irgendwelche Stücke, sondern einzigartige Exemplare“, erläutert Röper. Damit hat die Sammlung ein Luxusproblem: „Wir können nicht einmal die erste Wahl unserer Funde komplett ausstellen.“

Anders ausgedrückt: In Solnhofen schlummern hochkarätige Exponate, „nach denen sich andere Museen die Finger lecken“, im Depot. „Wir könnten unsere Ausstellungsfläche glatt verdoppeln“, sagt der 53-Jährige.

Modernisierung geplant

Also hat im Museum das Rotationsprinzip Einzug gehalten. Statt einer Erweiterung ist eine Modernisierung geplant. „Wir wollen ab 2012/2013 zeitgemäße Audivisionstechnik einsetzen und einen 3-D-Film über die Steinregion zeigen“, sagt Bürgermeister Manfred Schneider.

Große Sprünge kann sich die kleine 1800-Einwohner-Gemeinde an der Altmühl nicht leisten. Sponsoren- und Spendengelder müssen immer wieder auftauchende Finanzlücken schließen. Mittelfristiges Ziel ist deshalb eine Partnerschaft mit dem Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen und dem Bezirk Mittelfranken, womöglich in Form eines Zweckverbands. Mit seinen exklusiven Stücken von Weltrang ist das Museum steinreich, aber nur im übertragenen Sinn.

Die Sonderschau „Schenkungen und Leihgaben — Prädikate für das Museum“ ist bis 18. Dezember täglich von 10 bis 18 Uhr zu sehen. Danach ist das Bürgermeister-Müller-Museum in Solnhofen bis Ende März nur sonntags von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Weitere Informationen unter Telefon 09145/8320-0 oder im Internet unter www.solnhofen.de 



HORST M. AUER

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