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Dass sich der Verteidigungsminister jetzt der Reservisten erinnert, ist schlicht der Personalnot geschuldet, die nach der Aussetzung der Wehrpflicht die aktive Truppe plagt. So muss der Verlust von immerhin 20.000 Stellen ausgeglichen werden. Reservisten könnten, so der Minister, Soldaten dort entlasten, wo es nicht um Kampfeinsätze geht. „Wenn Not am Mann ist“, sagte de Maizière unserer Zeitung, „sollten sie helfen. Zum Beispiel bei einer Flut die Hilfsmaßnahmen unterstützen.“
Den Reservisten wird nach dem Ende der Wehrpflicht eine stärkere Bedeutung zukommen, meint auch der Landesvorsitzende des Reservistenverbandes, Friedwart Lender. Die Landesgruppe Bayern ist die größte in Deutschland. Fast 45.000 Mitglieder sind in über 800 sogenannten Kameradschaften organisiert.
Zwei Hauptaufgaben können die Soldaten im Un-Ruhestand dabei zukünftig übernehmen: die Sicherung von militärischen Objekten im Krisenfall sowie die Unterstützung der Bundeswehr bei einer großen Katastrophe in Form von Pionier- und ABC-Kräften sowie mit Sanitätssoldaten. „Damit könnten die aktive Truppe entlastet und Kräfte freigesetzt werden, die anderweitig dringender gebraucht werden“, sagt Lender.
Neben einer guten und fundierten Ausbildung braucht es dafür natürlich auch eine ausreichende Zahl von dienstfähigen Reservisten. Doch damit scheint es nicht überall gut bestellt zu sein, klagen doch immer mehr Reservistenkameradschaften über Mitgliederschwund und Überalterung.
Vergleichsweise glimpflich scheint dabei noch die Reservistenkameradschaft (RK) Erlangen-Stadt davonzukommen. Überalterung ist für den RK-Vorsitzenden Hermann Börner kein Thema. 50 Mitglieder zählt die Kameradschaft derzeit. Laut Börner rekrutiert sich der Nachwuchs dabei unter anderem aus ehemaligen Wehrpflichtigen, die in Erlangen studieren.
Das sieht anderswo ganz anders aus. So kämpfen zum Beispiel im Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz die Soldatenkameradschaften ums blanke Überleben. „Früher hatten wir 55 Ortsgruppen, jetzt sind es noch 33“, sagt Kreisvorsitzender Erwin Schwarz. Auch hätten noch vier Vereine mehr als 100 Mitglieder. Im Durchschnitt seien diese aber zwischen 60 und 65 Jahre alt. Es fehlt an Nachwuchs. Schwarz geht deshalb davon aus, dass die Zahl der Kameradschaften im Landkreis weiter schrumpfen wird. „Wir werden in den nächsten Jahren noch einen starken Aderlass vor uns haben.“
„Bislang war es unsere Philosophie“, so Landes-Chef Friedwart Lender, „dass wir möglichst in jedem Dorf eine eigene Reservistenkameradschaft haben. Das wird sicherlich zukünftig schwieriger.“ Schließlich könnten die Reservisten nicht mehr aus einem großen Reservoir wie zu Zeiten der Wehrpflicht schöpfen, wo früher bis zu 200.000 Wehrpflichtige nach Ablauf ihrer Dienstzeit die Bundeswehr verließen. Heute braucht die aktive Truppe nur noch 15.000 Freiwillige. „Ich gehe aber davon aus, dass diejenigen, die sich jetzt freiwillig zur Bundeswehr melden, hinterher auch eher bereit sein werden, sich freiwillig bei den Reservisten zu engagieren“, blickt Friedwart Lender optimistisch in die Zukunft.
Und wenn alle Stricke reißen, könnten auch mehrere Kameradschaften aus mehreren Dörfern zu einer einzigen zusammengefasst werden, wie das schon andere Vereine praktizieren. „Doch noch haben die Reservistenkameradschaften auf dem flachen Land in Bayern eine hohe Bedeutung“, ist Lender überzeugt.

