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Am Unteren Tor in Betzenstein wird am 13.Mai eine Bronzeskulptur zu Ehren von Abraham Wolfgang Küfner (1760–1817) enthüllt. In Blickrichtung der Figur steht das Geburtshaus des Malers und Kupferstechers, sagt die Bildhauerin Kerstin Kassel über ihr Werk.
Auch im neuen Heimatmuseum des Landstädtchens in der Fränkischen Schweiz wird Küfner ein besonderer Platz eingeräumt werden. „Wir wollen sein künstlerisches Wirken würdigen“, erläutert Claus Meyer. Und beinahe entschuldigend fügt der Betzensteiner Bürgermeister hinzu: „Er war ja nicht nur ein Fälscher“.
Wegen Falschmünzerei saß Küfner einst für einige Jahre in der Festung Rothenberg in Haft. Das ist aber beileibe nicht der Grund, weshalb Nürnberg, das ihm 1786 die Bürgerrechte gewährte, auf den Künstler schlecht zu sprechen ist: Die alte Reichsstadt war dem Maler, dem sie Dürers Gemälde „Selbstbildnis im Pelzrock“ zur Anfertigung einer Kopie überlassen hatte, auf den Leim gegangen.
Die Geschichte klingt abenteuerlich und hat das Zeug zum Kunstkrimi. Am Ende war Nürnberg hinters Licht geführt worden und um ein Kunstwerk von Weltrang ärmer: Statt des Originals gab Küfner eine Kopie des Porträts zurück und verscherbelte den echten AD einige Jahre später nach München. An der Isar nahm man den Dürer zum Schnäppchenpreis gerne an und ließ die Eigentumsverhältnisse lieber ungeprüft. „Die sackten ein, was sie bekommen konnten“, sagt Karl Heinz Fietta (58).
Der Betzensteiner Heimatforscher hat sich ausführlich mit dem begnadeten Abmaler beschäftigt. Und: Es waren unruhige Zeiten im ausgehenden 18.Jahrhundert, als französische Truppen im hoch verschuldeten Nürnberg ein- und ausgingen. Küfner hatte damals den Auftrag erhalten, das Dürer-Bild zu kopieren. Womöglich sollte das Original vor dem Zugriff der Besatzer geschützt werden. Die Franzosen sicherten sich 1801 tatsächlich das Imitat durch Zwangsankauf und schafften es in den Louvre. Erst 1813 oder 1816 kam das Gemälde aus Paris zurück nach Nürnberg.
Die Stadt war inzwischen bayerisch geworden. Im politischen Wirrwarr jener Zeit war es Küfner offenbar leichtgefallen, das wegen ausgebliebener Bezahlung seiner Auftragsarbeit quasi als Pfand einbehaltene Original nach München zu veräußern.
Den Kunstmaler plagte akute Geldnot. In einem Schreiben an die kurfürstliche Galerie bot er deshalb 1805 der „hochzuverehrenden Direktion“ das Selbstporträt in der Hoffnung an, „daß dieses von allen Kennern gepriesene Bild in einer Sammlung seiner vorzüglichsten Werke seinen angemessenen Platz verdiene“. Der Preis von 600 Gulden werde „nicht übertrieben scheinen“.
Seit über 200 Jahren hängt er nun in München, der echte Dürer, den das Germanische Nationalmuseum gerne für seine große Schau über den jungen Meister ausgeliehen hätte. Erst nach der Rückkehr des falschen Dürers aus Paris hat man angeblich in Nürnberg gemerkt, dass die Stadt einem Schwindel aufgesessen war.
Die Küfner-Arbeit befindet sich heute im Besitz der städtischen Gemäldesammlung. Ab dem 26.Juli wird die Kopie im neuen Dürer-Saal des Dürer-Hauses gezeigt. Im Geburtshaus des Meisters wird bereits seit Ende 2010 auch „der nicht restlos aufgeklärte Krimi“ um Original und Imitat und „den für Nürnberg betrüblichen Besitzerwechsel“ thematisiert, sagt Thomas Schauerte.
Dem Leiter des Dürer-Hauses zufolge gibt es mindestens zwei weitere Kopien des Selbstbildnisses, die wahrscheinlich von Küfner stammen. Eine im Germanischen Nationalmuseum, die andere in der Münchner Pinakothek. Für Schauerte ist es jedenfalls „interessant zu beobachten, wie ein Gemälde zum Identifikationsobjekt wird“.

