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Eigentlich will Klaus Ernst gern über das große Ganze reden und speziell über den Euro — wie sich die Gemeinschaftswährung retten und zugleich die soziale Balance in der Bundesrepublik verbessern lässt. Da sieht sich der Parteichef der Linken in bester Gesellschaft mit US-Präsident Barack Obama und dessen französischem Kollegen Nicolas Sarkozy: Deutschland ist das Problem, weil es zu viele Waren in die Partnerländer exportiert. In Ernsts Vorstellung können Griechenland oder Spanien wirtschaftlich deshalb überhaupt nicht mehr auf die Beine kommen, sie kommen gegen diese Konkurrenz nicht mehr an.
Klaus Ernst redet gern, schnell und vertritt gelegentlich eigenwillige Thesen — so auch bei seinem Besuch im Nürnberger Presseclub. Dem Euro hilft es am meisten, fährt er fort, wenn die Deutschen höhere Löhne und Renten zahlen. Das belastet die Industrie, die Ausfuhren werden teurer, und schon haben die Schuldenstaaten eine echte Chance, die ökonomische Krise zu überwinden. So kommen mehr Steuern in deren marode Staatskassen, erklärt der studierte Diplom-Volkswirt. Schon ist alles gut für den Euro — oder es wird zumindest besser. Ist er jedenfalls überzeugt.
Der Schweinfurter Gewerkschafter hat eine Vorliebe für solche Höhenflüge — nicht nur intellektuell. So macht er sich bei einer bemerkenswert großen Zahl seiner Parteifreunde immer wieder verdächtig mit Dingen, die auf den ersten Blick nicht zu seiner Partei passen: Weil er bei einem Kongress der Europäischen Linken in Paris in einem Vier-Sterne-Hotel übernachtete, zum Beispiel. Zusammen mit etlichen anderen Delegationsmitgliedern, kontert er die Frage.
Gegner hat er sich trotzdem reichlich geschaffen, zum Beispiel im bayerischen Landesverband. Und so muss Ernst doch thematisch vom Euro zum bayerischen Landesparteitag der Linken wechseln, wo am Wochenende ein Drittel der Delegierten protestierend den Saal verließ, als er ans Rednerpult trat. Persönlich ficht ihn das nicht an: Der Rest, so hält er dagegen, habe im Stehen Beifall geklatscht. Nur stehe das dann nicht in der Zeitung.
Allerdings: Gut findet er den Riss nicht, der durch den Landesverband geht. Er sieht die Partei in Bayern in einer „schlechten Verfassung“, und kommt sich manchmal vor wie im Zirkus: „Ich lasse die Teller auf Stäben kreisen, und dann versuchen Leute, sie mir wegzublasen.“
Jenseits dieses bildhaften Vergleichs ortet Ernst seine parteiinternen Gegner unter ehemaligen Mitgliedern der PDS, die in der Partei aufgingen: „Es ist schwer“, so stöhnt er, „das Sammelbecken der Linken zu einem gemeinsamen Handeln zu bewegen.“ Ohne das geht es freilich nicht, da lässt er keinen Zweifel und rückt seine Gegner in die Nähe von Sektierern: „Die haben Positionen, die sie schon seit 40 Jahren erfolglos vertreten.“ Deshalb spielen sie „keine gute Rolle“ in der Partei, sagt er, und macht klar, dass er Integration verlangt, denn: „Ich bin nicht dafür zuständig, dass ich mich dem Wahnsinn hingebe.“
Gut bei so viel internen Konflikten: Wenigstens der betagte Porsche, der Ernst von Gegnern gern vorgehalten wird, bietet derzeit keine Ansatzpunkte. Er steht im Winter abgemeldet in der Garage.

