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Erweitertes S-Bahn-Netz: Bittere Bilanz

Pendler der S1 sind mit ihrer Geduld am Ende — Verkehrspolitiker fordert Nachbesserungen - 05.10.2011 06:56 Uhr

NÜRNBERG  - 300 Tage nach dem Start des S-Bahn-Ergänzungsnetzes sind Tausende Pendler frustriert. Viele folgten dem ersten Aufruf unserer Zeitung, ihre Erlebnisse zu schildern.

Die Deutsche Bahn muss weiter auf den Einsatz ihrer neuen Regionalzüge vom Typ «Talent 2» warten, die auch auf der S-Bahn-Strecke in Nürnberg eingesetzt werden sollen.
Die Deutsche Bahn muss weiter auf den Einsatz ihrer neuen Regionalzüge vom Typ «Talent 2» warten, die auch auf der S-Bahn-Strecke in Nürnberg eingesetzt werden sollen.
Foto: dpa
Die Deutsche Bahn muss weiter auf den Einsatz ihrer neuen Regionalzüge vom Typ «Talent 2» warten, die auch auf der S-Bahn-Strecke in Nürnberg eingesetzt werden sollen.
Die Deutsche Bahn muss weiter auf den Einsatz ihrer neuen Regionalzüge vom Typ «Talent 2» warten, die auch auf der S-Bahn-Strecke in Nürnberg eingesetzt werden sollen.
Foto: dpa

Sind Sie auch Pendler? Schildern Sie uns ihre Erfahrungen mit der Nürnberger S-Bahn, damit wir sie veröffentlichen können! Ihre Zuschrift schicken Sie uns bitte an folgende Adresse: nn-online@pressenetz.de

„Katastrophal“, „unzulänglich“, „eine Schande“: So charakterisieren viele, die täglich auf die Nürnberger S-Bahn angewiesen sind, die Beförderungsqualität. Die allermeisten Probleme gibt es dabei auf der Linie S1. „Der Unmut unter uns Pendlern ist enorm“, schreibt beispielsweise ein „überzeugter Öffentlich-Fahrer“. Dreimal pro Woche fährt er morgens und abends auf der Strecke Kersbach-Nürnberg. Seine persönliche Bilanz: „Es ist eine bemerkenswerte Ausnahme, wenn an einem Tag beide Verbindungen pünktlich sind.“ 20 bis 30 Minuten Verspätung pro Fahrt seien keine Seltenheit.

Besonders ärgerlich sei zudem die mangelhafte Information der Bahn. „Bevor ich gegen 5.45 Uhr das Haus verlasse, checke ich auf bahn.de, ob mein Zug um 6.09 Uhr pünktlich ist. Es passiert regelmäßig, dass der Zug als pünktlich gelistet ist und man dann am Bahnhof erfährt, dass er wieder einmal ausfällt“.

Diese Unzuverlässigkeit macht auch andere Pendler zornig. Viele sehen sich wegen der anhaltenden Unpünktlichkeit dazu gezwungen, deutlich frühere Verbindungen zu wählen oder beklagen, wie sich Verspätungen regelmäßig aufschaukeln, wie ein Bahnkunde auf dem Weg von Nürnberg-Rehhof nach Fürth-Unterfarrnbach: Aus 15 Minuten Verzögerung „werden dann 25 und in Fürth sind es dann 50 Minuten“.

Ein anderer berichtet von der Fahrt von Röthenbach nach Nürnberg. „Als ich ankomme, steht schon eine Verspätung von 25 Minuten an der Anzeige. Bis Nürnberg sind dann noch einmal wegen diverser Zwischenfälle acht Minuten draufgekommen, so dass am Ende 37 Minuten Verspätung zusammengekommen sind. Und das bei einer Fahrstrecke von 16 Minuten!!!“



Ein weiteres Ärgernis sind die Dauerbaustellen sowie die fehlenden Neufahrzeuge beziehungsweise der Zustand der alten Züge. „Ganz toll ist es auch, wenn man mitten in der Nacht am Zielbahnhof ankommt und aussteigen möchte und die Tür kann nicht geöffnet werden. Zur nächsten Tür laufen bringt dann auch nichts, weil der Zug so kurz hält, dass dies schlichtweg unmöglich ist“, schreibt eine Frau.

„Man fühlt sich hier schlicht und einfach verarscht als Pendler. Die müssen ja in die Arbeit, denen kann man sowohl unfertige Bahnhöfe als auch veraltete Züge, die so gut wie nie pünktlich fahren, zumuten“, so ein weiterer Bahnfahrer.

Gerade bei der S1 seien die Verantwortlichen „ganz bewusst und sehenden Auges in die Krise gefahren“. Zudem sei es eine „Schande“, dass der Hersteller Bombardier es nicht schafft, „binnen vier Jahren vernünftige Züge zu bauen“.

Eine „bittere Zwischenbilanz“ für das erweiterte S-Bahn-Netz zieht mit Blick auf die anhaltenden Probleme aktuell auch der verkehrspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Thomas Beyer. „Bis heute leiden Zehntausende von Fahrgästen unter einer mittlerweile untragbaren Serie von Pleiten, Pech und Pannen“.

Forderung nach rundem Tisch

Schuld sei ein Netz, das als „Billig-Variante“ geplant und gebaut worden sei, wofür schon ein Blick auf die verschiedenen Bahnsteighöhen genügen würde. Zudem sei der Ausbau viel zu spät in Angriff genommen worden, weil die Staatsregierung über Jahre den Startschuss für den Netzausbau verzögert habe. Die Folge: Dauerbaustellen, mangelnde Barrierefreiheit und ein „ungeeignetes Fahrplankonzept“. Beyer fordert die Staatsregierung, die Bayerische Eisenbahngesellschaft und die Bahn „als Hauptverantwortliche der Misere“ auf, an einem Runden Tisch an einer Problemlösung zu arbeiten.  

ARNO STOFFELS


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