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Familiendrama: Polizei findet verweste Leichen

94-jähriger dementer Familienvater hatte den Tod seiner Frau und seines Sohns nicht bemerkt - 25.04.2012 17:23 Uhr

Wochenlang lagen in diesem Haus die Leichen einer 80 Jahre alten Frau und ihres 52 Jahre alte behinderte Sohnes. Der 94 Jahre im Erdgeschoss wohnende Familienvater leidet an Demenz und hatte den Tod der Beiden nicht bemerkt.

Wochenlang lagen in diesem Haus die Leichen einer 80 Jahre alten Frau und ihres 52 Jahre alte behinderte Sohnes. Der 94 Jahre im Erdgeschoss wohnende Familienvater leidet an Demenz und hatte den Tod der Beiden nicht bemerkt. © dpa


In einer kleinen Gemeinde im Allgäu, nur wenige Kilometer vom Bodensee entfernt, hat sich eine erschütternde Familientragödie abgespielt. Über mehrere Wochen hinweg lagen eine 80-jährige Frau und ihr 52 Jahre alter Sohn unbemerkt tot in ihrem Haus, in dem auch der Familienvater lebt. Der Sohn sei behindert und von der Mutter abhängig gewesen, sagte ein Sprecher der Kripo Lindau am Mittwoch und bestätigte einen Bericht der „Allgäuer Zeitung“. Der 94-jährige Familienvater leidet unter Demenz und hat den Tod seiner Frau und seines Sohnes wohl nicht bemerkt.

Die Polizei hatte die stark verwesten Leichen im Obergeschoss des Hauses in Scheidegg (Landkreis Lindau) gefunden. Sie sollen dort über längere Zeit gelegen haben. „Wir gehen von Wochen bis Monaten aus.“ Wie die Frau und ihr Sohn gestorben sind, sei noch unklar. Es sei nicht auszuschließen, dass die 80-Jährige eines natürlichen Todes starb und der von ihrer Hilfe abhängige Sohn danach verhungerte.

Die beiden Leichen wurden inzwischen obduziert. Hinweise auf ein Gewaltverbrechen gebe es nicht. Den Angaben zufolge könnten sich die beiden auch vergiftet haben. Zur Klärung der Todesursache wurde eine chemisch-toxologische Untersuchung der Leichen angeordnet.

Nach Polizeiangaben ist die Familie vor einigen Jahren nach Scheidegg gezogen und lebte dort sehr zurückgezogen. Während der Mann im Erdgeschoss lebte, sollen seine Frau und der behinderte Sohn das Obergeschoss bewohnt haben. Da sie sich noch selbst versorgen konnte, hatte die Familie keine Kontakte nach außen. So erklären sich die Ermittler, warum der Tod der Frau und ihres Sohnes im Ort unbemerkt blieb.

Auf den Fall aufmerksam wurde die Polizei durch Angehörige, die mehrfach vergeblich versucht hatten, die Frau telefonisch zu erreichen. „Der Mann hat immer gesagt, dass die beiden schlafen“, sagte der Kripo-Sprecher. Schließlich baten die Angehörigen die Beamten, in dem Haus der Familie nach dem Rechten zu schauen. 

dpa

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