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Der Bund hatte 12 000 Unterschriften gesammelt. «Alle im Rahmen des Anschlusses Frankens an Bayern in andere Landesteile verbrachten Kunstschätze, im Folgenden Beutekunst genannt«, heißt es in der Petition, sollten «bis zum 31. Dezember 2009« nach Franken zurückkehren.
Mit diesem Datum machten es die Petenten ihren Gegnern in der Politik leicht. «Schon aus rein praktischen Gründen« sei das unrealistisch, weil sich in der kurzen Zeit die Kunstwerke nicht zurückgeben ließen.
Gleichwohl kam es im zuständigen Kulturausschuss zu einem Kompromiss. Das Wissenschaftsministerium soll noch in diesem Jahr eine umfassende Liste aller Kulturgüter erarbeiten, die nach 1803 aus dem fränkischen Raum verschwunden sind. Weit überwiegend lagern sie mittlerweile in München oder sind Teil verschiedener Ausstellungen und Museen.
Drei Eigentümer
Die Bestandsaufnahme ist schwierig, weil sich der Besitz auf drei Eigentümer aufteilt: Einige wenige Kunstschätze gehören dem Freistaat, Ausgleichsfonds und Wittelsbacher Stiftung teilen sich den Löwenanteil. Beide sind Eigentum des früheren Königshauses; 1923 hat der Freistaat ihnen den Besitz zugesprochen.
Es sei «höchst problematisch, wenn man andere zum Eigentumsverzicht zwingen wollte«, warnte der Schwabacher CSU-Politiker Karl Freller. Deshalb müsse das Land zunächst «eine saubere Analyse der Kunstwerke« erstellen und danach «sehr sensibel« mit dem Haus Wittelsbach reden. Bayern solle ausloten, «was definitiv technisch nicht rückführbar« sei, etwa, weil ein Transport die morbiden Kunstwerke zerstören könnte. Vor allem sei zu klären, «was als Leihgabe nach Franken kommen könnte, auch dauerhaft«. Es helfe niemandem, wenn das Land «den Konflikt sucht«.
Grüner stützt Wittelsbacher
Die Wittelsbacher hatten sich in der Vergangenheit selten kompromissbereit gezeigt und beharren auf ihrem Besitzanspruch. Damit stehen sie nicht allein. So stellte sich im Ausschuss der Grünen-Abgeordnete Sepp Dürr demonstrativ auf ihre Seite. «Das einzige, was ich teile, ist das Bedürfnis nach einer sauberen Analyse«, sagte Dürr, der von einer «hanebüchenen, schiefen, absurden Diskussion« sprach.
«Ich bin überrascht, dass das, was vor 200 Jahren geschehen ist, scheinbar gestern war«, wandte Dürr sich an die Befürworter der Rückabwicklung. «So schnell überbrückt man zwei Jahrhunderte.« Er frage sich, «wo wollen wir anfangen mit der Rückführung? Sollen dann auch die Kreuzsplitter wieder zurück ins Heilige Land?« Im Übrigen sei «alles Beutekunst, was die Wittelsbacher haben. Die haben nix anderes.« Das sei unabänderlich, weil «es damals keinen Rechtsstaat gab«.
Unmittelbarer Bezug
Befürworter der Rückgabe wie der SPD-Politiker Christoph Rabenstein halten dagegen. «Es spielt doch für die Wittelsbacher keine Rolle, ob ihr Eigentum in München lagert oder in Nürnberg oder Bamberg.« Entscheidend sei, dass die identitätsstiftenden Kulturgüter wieder nach Franken kommen. Der Bamberger Domschatz gehöre eben nach Bamberg, weil er hier einen unmittelbaren Bezug zum Gebäude und zur Region hat. Ähnliches gelte für Dürers «Vier Apostel«.
Große Hoffnungen sollte sich der Fränkische Bund nicht machen. Seine Petition ist die vierte zu diesem Thema. Die Haltung Bayerns blieb stets unverändert. «Wir sind in einem Rechtsstaat und nicht im Mittelalter«, sagt Ex-Kunstminister Thomas Goppel. «Wir dürfen nicht in den Besitz anderer eingreifen. Wir erhitzen uns über Dinge, die uns nicht gehören.«

