Der geplante US-Truppenabzug aus Europa wird nach Einschätzung des Betriebsratsvorsitzenden der US-Garnison Grafenwöhr, Klaus Lehl, den Standort in der Oberpfalz treffen. Es gebe aber deutliche Signale der US-Armee, dass die Garnison trotzdem erhalten bleibe, sagte er. Lehl rechnet damit, dass die 172. Brigade mit ihren rund 4000 Soldaten aus Grafenwöhr abgezogen wird und die Stryker-Brigade im benachbarten Vilseck erhalten bleibt.
Für die abgezogenen Soldaten sollten voraussichtlich andere in die Oberpfalz nachrücken. In den kommenden Jahren könnten aber bis zu 700 zivile Arbeitsplätze gefährdet sein. Auch der Bürgermeister von Grafenwöhr, Helmuth Wächter (SPD), geht von einem Abzug der 172. Brigade aus. „Ich bin realistisch genug“, sagte er am Mittwoch. „Aber andererseits wird Grafenwöhr durch andere Truppenkontingente aufgefüllt.“ Die Zahl der stationierten Soldaten werde sich daher voraussichtlich nicht verändern. „Sie haben den Standort in den vergangenen Jahren so mustergültig aufgebaut und werden ihn nicht aufgeben“, sagte Wächter.
Staatskanzlei-Chef Thomas Kreuzer ist nach Angaben eines Sprechers zuversichtlich, dass Grafenwöhr ein wichtiger Standort bleibt. Die „Mittelbayerische Zeitung“ und die Oberpfälzer Tageszeitung „Der neue Tag“ hatten zuvor über die Pläne berichtet. Ein Sprecher der US Army Europa (USAREUR) in Heidelberg sagte, er wisse, dass in der Region große Besorgnis herrsche. „Wir warten auf grünes Licht vom Pentagon.“ Eine endgültige Entscheidung über den Abzug der Brigaden werde für Ende Januar oder Anfang Februar erwartet.
Grafenwöhr gilt bei der US-Army als sogenannter dauerhafter Standort – was nicht bedeutet, das von dort keine Brigade abgezogen werden kann. US-Verteidigungsminister Leon Panetta hatte angekündigt, zwei der vier Kampfbrigaden aus Europa abzuziehen. Die Maßnahme ist Teil des Sparprogramms des Pentagons. Zwei der Brigaden haben ihr Hauptquartier in Grafenwöhr und dem benachbarten Vilseck.

