21°C
Donnerstag, 24.05. - 00:18 Uhr
Login
Info
Anmeldung
Diese Funktion steht nur registrierten Usern zur Verfügung.
Loggen Sie sich bitte hier ein oder registrieren Sie sich kostenlos!
Passwort vergessen
Info
Passwort vergessen
Wenn Sie Ihr Passwort vergessen haben können Sie hier ein neues Passwort anfordern. Geben Sie bitte hierzu Ihre E-Mail-Adresse ein!

E-Mail-Adresse
Druckversion

Häftlinge in Nadelstreifen

Aus der Villa in den Knast: Keine Vorzugsbehandlung für Manager - 10.02. 10:17 Uhr

MÜNCHEN  - Aus der Villa in den Knast: Prominente Manager wie der ehemalige Bankvorstand Gribkowsky müssen sich in der Untersuchungshaft von ihrem alten Leben im Luxus verabschieden und ihre Zelle selber putzen. Bei ihren Mithäftlingen kommen sie aber meist gut an.

Spärlich möbliert: In der Zelle schrumpft die Welt auf acht Quadratmeter.
Spärlich möbliert: In der Zelle schrumpft die Welt auf acht Quadratmeter.
Foto: dpa
Spärlich möbliert: In der Zelle schrumpft die Welt auf acht Quadratmeter.
Spärlich möbliert: In der Zelle schrumpft die Welt auf acht Quadratmeter.
Foto: dpa

Für den ehemaligen Bankvorstand Gerhard Gribkowsky ist die Welt auf acht Quadratmeter geschrumpft: Ein Bett, ein Tisch, ein Stuhl. Aus dem Waschbecken der Nasszelle mit Klo fließt kaltes Wasser, duschen darf er sich höchstens dreimal pro Woche gemeinsam mit drei anderen Männern.

Seit mehr als einem Jahr sitzt der einstige Spitzenbanker der BayernLB wegen des Verdachts der Bestechlichkeit in der Münchner Justizvollzugsanstalt Stadelheim in Untersuchungshaft - und ist dort ein Häftling wie jeder andere. „Es gibt keine Sonderbehandlung für Wirtschaftsgefangene“, sagt der Justizvollzugsbeamte Hermann Wals. Seit mehr als 25 Jahren arbeitet er dort und hat neben Mördern, Räubern und Betrügern auch immer wieder mal Manager hinter den sechs Meter hohen Mauern begrüßt.



 

Ein Leben in Luxus gewohnt

Hart ist der Einzug in das Gefängnis für viele der rund 1000 Untersuchungshäftlinge in Stadelheim. Kaum einer fällt aber so tief wie Wirtschaftsbosse, die ein Leben in Luxus gewohnt waren und aus ihren Villen in einen „Haftraum“ umziehen müssen, wie die Zellen in Stadelheim genannt werden. Zwar haben Untersuchungsgefangene, für die bis zu einem rechtskräftigen Urteil die Unschuldsvermutung gilt, einen Anspruch auf eine Einzelzelle. Ihre Flurnachbarn dürfen sie sich aber nicht aussuchen.

Mord, Totschlag, Drogenhandel, Betrug oder Steuerhinterziehung? Das spielt bei der Zimmerbelegung der JVA meist keine Rolle. „Grundsätzlich haben alle Untersuchungsgefangenen die gleichen Rechte und werden auch nicht in nach Tatvorwurf getrennten Abteilungen untergebracht“, sagt eine Sprecherin des bayerischen Justizministeriums.

 

Gemeinsame Unterbringung hat sich bewährt

Im Gefängnis-Alltag hat sich die gemeinsame Unterbringung nach Ansicht des Anstaltspsychologen Andreas Alter bewährt. „Durch die Mischung korrigieren sich die Gefangenen selbst in ihrem Verhalten.“ Wirtschaftshäftlinge kommen bei vielen Gefangenen gut an, weil sie sich gut ausdrücken können und sich im Umgang mit Behörden auskennen.

„Dadurch können sie den anderen auch mal Hilfestellung leisten beim Schreiben von Briefen“, sagt Wals. „Sie haben eine hohe Stellung in der Gefängnis-Hierarchie“, bestätigt Gribkowskys Anwalt Daniel Amelung. Auch beim Personal sind die smarten Manager meist beliebt, weil sie sich gut benehmen und schnell lernen, die Justizvollzugsbediensteten korrekt mit „Herr Beamter oder „Frau Beamtin“ anzureden. „Wärter ist bei uns ein Schimpfwort“, sagt Wals.

 

Unterordnung ist plötzlich gefragt

Trotzdem leiden Vorstände oder Geschäftsführer nach Einschätzung von Rechtsanwälten massiv unter der Haft. „Sie werden aus ihrem Umfeld herausgerissen und müssen sich unterordnen“, sagt Rainer Brüssow, der in seiner Anwaltslaufbahn außer Gribkowsky schon eine ganze Reihe Angeklagter aus der Wirtschaftswelt vertreten hat. Im Gefängnis kämen sie mit Menschen in Kontakt, mit denen sie sonst nie zu tun hatten. „Sie werden nicht resozialisiert, sondern entsozialisiert.“

Das sieht JVA-Psychologe Alter anders: „Hier treffen sie Menschen, die mit 1200 Euro auskommen müssen – und zwar im Monat, nicht pro Tag.“

 

Kleiner Fernseher ist der größte Komfort

Auf ihren gepflegten Lebensstil müssen sie in Haft verzichten. Der größte Komfort in der Zelle ist ein kleiner Fernseher, den sie wie alle Untersuchungshäftlinge für 13,80 Euro Mietgebühr pro Monat nutzen dürfen. Putzen müssen sie ihren Raum und das Klo zweimal pro Woche selbst. Statt Feinkost im Restaurant gibt es als Mittagessen Kartoffelbrei mit Frikadellen oder andere Mahlzeiten aus der Großküche – serviert in der Zelle. Obst oder Süßigkeiten dürfen sie alle zwei Wochen im Gefängnisgeschäft in Maßen selbst einkaufen. Mit ihren Frauen und Kindern dürfen sie maximal alle zwei Wochen eine Stunde lang durch eine Glasscheibe im überwachten Besucherraum sprechen. Nur die Anwälte dürfen jederzeit in die JVA.

Aus Sicht von Verteidiger Dirk Petri nutzt die Justiz die Untersuchungshaft bei Wirtschaftsstraftaten weniger wegen Flucht- oder Verdunklungsgefahr, sondern um Druck aufzubauen und langwierige Prozesse durch ein Geständnis zu vermeiden. „Beugehaft“, nennt er das. „Manche sind bereit, ihre Großmutter zu verkaufen um da raus zu kommen“, sagt Anwalt Amelung. 



Daniela Wiegmann, dpa

Ihr Kommentar

Name:
 
Info
Bestätigungswort

Um Ihren Kommentar abzusenden, geben Sie bitte das Bestätigungswort ein. Nicht lesbar? Erzeugen sie durch Klick darauf einen neuen Text.



Aktueller Zeitungstitel Nürnberger Nachrichten
  • Nürnbergs Trafo-Werk gefährdet: Die IG Metall fürchtet, der Stellenabbau sei nur der Anfang
  • Den Felsen im Griff: In der Frankenalb findet zu Pfingsten Deutschlands größtes Kletterfestival statt
  • Wenig ruhmreich: Unter der NS-Herrschaft ließ sich der 1. FC Nürnberg instrumentalisieren
Nachrichten aus der Region
Alle Regionen

22:32 Uhr:
22:00 Uhr:

Tour de Bier Logo


Weit über 300 Brauereien gibt es heute noch in Franken und der Oberpfalz. Begleiten Sie uns auf unserem Streifzug durch das Land, "wo Gerste und Hopfen blühen".

Hier geht es zu unserem Brauerei-Guide.

Brightcove Video Lokal Regional
Badeseen in der Region
Badeseen in der Region: Karte zum Öffnen anklicken!
User-Kommentare
Suche wird durchgeführt...

Stadtanzeiger Aktuell

Geschenk Ideen

Geschenk Ideen

Sie suchen ein nicht alltägliches Geschenk?
Im Pressearchiv Nürnberg werden Sie fündig: Historische Zeitungsnachdrucke, dazu passende Geschenkmappen und stilechte Zeitungshalter

Wochenmagazin

Gute Reise
Südtiroler Weinstraße: Den Süden kosten
Weinberge, gutes Essen und viel Kultur in Kaltern, Eppan und Tramin

Infos zum Thema Reise hier.