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Italien: Mehr als Müll und Mafia

Journalistenaustausch zwischen Nürnberg und Genua - Nürnberger Nachrichten beteiligen sich an Kampagne gegen deutsch-italienische Vorurteile - 27.08. 15:13 Uhr

Nürnberg/Genua  - Die alte Liebe der Deutschen für Italien hat in den letzten Jahren gelitten. Mafia-Morde in Duisburg, Müll-Chaos in Neapel und der unvermeidbare Silvio Berlusconi prägen heute vielfach unser Bild und verstellen den Blick auf die Realität. Das will das Goethe-Institut mit dem Projekt "Va bene?!" ändern. Gleich für zwei Jahre ist die Kampagne angesetzt, an der sich auch die Nürnberger Nachrichten beteiligen. Unter dem Motto "Cambio d´aria - Tapetenwechsel" wird Arno Stoffels aus dem Reporter-Team den ganzen September über für die ligurische Tageszeitung "Il Secolo XIX" tätig und regelmäßig von seiner Arbeit und dem Leben in der quirligen Hafenstadt Genua berichten - frei von Klischees, versteht sich...


Das Tor zum Mittelmeer: Genuas komplett sanierter Hafen mit stilisierten Kran-Anlagen, die inzwischen ein Wahrzeichen für die Stadt mit ihren 500 000 Einwohnern ist.
Das Tor zum Mittelmeer: Genuas komplett sanierter Hafen mit stilisierten Kran-Anlagen, die inzwischen ein Wahrzeichen für die Stadt mit ihren 500 000 Einwohnern ist.
Foto: ENIT

Goethe ist natürlich schuld. Mit seiner literarisch verarbeiteten Reise durch Italien hat Deutschlands bekanntester Dichter und Denker im 19. Jahrhundert nördlich der Alpen endgültig die Sehnsucht nach leichtem Leben unter warmer südlicher Sonne geschürt. Dabei hat auch er schon mit Klischees gearbeitet. Der Großteil des Werks wurde von Goethe erst Jahrzehnte nach seiner dreijährigen Tour niedergeschrieben und Land und Leben dabei kräftig idealisiert.

 An dieser Herangehensweise hat sich seither wenig geändert. Der Stiefel mit seinen Menschen passt seither bequem in eine Schublade, auf der wahlweise "arm und faul" oder "dolce vita" steht. Drinnen findet sich die Überzeugung, dass Italiener wenig arbeiten, dafür aber gut essen und sich auch sonst keine Sorgen machen, nicht einmal wegen ihres - für uns - unmöglichen Regierungschefs Silvio Berlusconi, schließlich scheint ja immer die Sonne. Das es andersherum genau so ist und die Deutschen in Italien immer noch als überpünktliche, uniforme und weitgehend humorfreie Menschen betrachtet werden, die auch noch die schlechteste Pizza am Strand von Riccione klaglos futtern, macht es nicht besser.

Dem Goethe-Institut ist das aber zu wenig. Mit einer ganzen Reihe von Partnern wie der Bundeszentrale für politische Bildung, dem Institut für Auslandsbeziehungen und Kultureinrichtungen beider Länder hat Susanne Höhn, Italien-Direktorin der Organisation mit fränkischen Wurzeln, eine Kampagne gestartet, um mit Klischees auf beiden Seiten aufzuräumen. "Va bene!? Italien auf Deutsch. La Germania in italiano." heißt das Projekt, dass Anfang 2010 initiert und für zwei Jahre angesetzt ist. "Mit Eintagsfliegen verändern wir nichts", sagt Höhn.

Eine ganzer Strauss an Veranstaltungen ist geplant. Ein zentrales Projekt ist dabei der regelmäßige Austausch von Journalisten, an dem sich auch die Nürnberger Nachrichten beteiligen. Von 6. September bis Anfang Oktober wird so Arno Stoffels aus dem Reporter-Team seinen gewohnten Arbeitsplatz verlassen und bei der ligurischen Regionalzeitung "Il Secolo XIX" tiefe Einblicke in den italienischen (Arbeits-)Alltag in der Hafenstadt Genua nehmen und davon an dieser Stelle regelmäßig berichten. Von November bis Dezember macht sich dann sein Kollege Andrea Plebe auf zum "Cambio d´aria" oder "Tapetenwechsel" und wird aus der Sicht eines Italieners das Leben in und um Nürnberg von der Redaktion der Nürnberger Nachrichten aus beleuchten. 

Auf dem Weg, um Wohn- und Arbeitsplatz für einen Monat zu tauschen: Arno Stoffels, Reporter bei den Nürnberger Nachrichten
Auf dem Weg, um Wohn- und Arbeitsplatz für einen Monat zu tauschen: Arno Stoffels, Reporter bei den Nürnberger Nachrichten
Foto: Stefan Hippel

 





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