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Im kleinen Kreis reifte die Idee: Wir fordern den Rücktritt des Präsidenten! Bei einer sogenannten studentischen Vollversammlung mit etwa 120 Teilnehmern stimmte die Mehrzahl dafür (wir berichteten).
Und als das Ganze publik wurde, erschraken die Studenten selbst ein bisschen über ihre Kühnheit. Weil sie genau wissen, dass diese Forderung unsinnig und hochschulpolitisch gar nicht durchsetzbar ist.
Man könnte also diese Vorgänge in den vergangenen Wochen als lächerlichen Kinderkram abtun. Aber so einfach geht das nicht. Denn dahinter steckt eine grundsätzliche Kritik an der Prioritätensetzung Grüskes, die durchaus nachvollziehbar ist.
Kurz zusammengefasst lautet der Vorwurf: Der Präsident sorgt sich viel mehr um den äußeren Glanz der Uni-Fassade als — im wahrsten Sinne des Wortes – um die dunklen Ecken im Inneren, an denen es reinregnet.
Worum es Grüske vorrangig geht, sind Begriffe wie Spitzenleistung, Elite, Exzellenz. Dabei vermittelt er meist den Eindruck, die Basis kaum im Blick zu haben — die 33000 Studenten der FAU und ihre ganz alltäglichen Probleme rund ums Studium.
Ein konkretes Beispiel: 6000 Neulinge hatte die Uni in diesem Wintersemester, etwa 3000 folgten der Einladung zur Erstsemester-Begrüßung im Erlanger E-Werk. Sie stellten sich geduldig in eine lange Schlange beim Einlass, um ihr Geschenk zu bekommen: eine Umhängetasche, gefüllt mit Schreibutensilien und Info-Material. Doch es waren nur 1500 Taschen vorbereitet, die Hälfte der Besucher ging leer aus und war entsprechend enttäuscht — am allerersten Uni-Tag.
Nur wenige Wochen später pries Grüske die neue „Emerging Fields Initiative“ (EFI) der FAU. Mit 4,4 Millionen Euro werden sechs Projekte gefördert, in denen „neue Ideen frühzeitig erkannt und in Spitzenforschung umgesetzt werden“ sollen. Klar, da geht es um Geldtöpfe, die unter gar keinen Umständen vermengt werden dürfen. Aber das Gedankenspiel muss erlaubt sein: Verteilt „nur“ 4,39 Millionen Euro an die Spitzenforscher — und ihr könnt auf Jahre hinaus jedem Erstsemester eine Begrüßungstasche spendieren.
Ein weiteres, typisches Beispiel: In der Debatte, wie man ausländi-
schen Studierenden helfen könnte, die 500 Euro Studiengebühren pro Semester aufzubringen, lehnte Grüske jede Sonderregelung für die Betroffenen ab.
Als es daran Kritik gab, glaubte Grüske, man unterstelle ihm Ausländerfeindlichkeit. Und konterte mit dem Argument, er komme gerade erst von längeren Flugreisen nach Nahost zurück, er habe dort in diversen Ländern mit Ministern und Hochschulleitungen über eine Zusammenarbeit verhandelt – das sei doch wohl alles andere als ausländerfeindlich.
Was die Studierenden stört, ist diese Expansions-Elite-Exzellenz-Denke, die Grüske stets vor sich her trägt — augenscheinlich ohne zu bemerken, dass die Studierenden seiner Uni, die meisten Mitarbeiter und viele Professoren ganz andere Sorgen haben, nämlich: Wie meistern wir hier vor Ort, in Erlangen und Nürnberg, den ganz normalen Uni-Wahnsinn?
Wenn die Weihnachtsferien vorbei sind, so ist zu hören, wollen sich Grüske und die Studentenvertreter mal zusammensetzen und miteinander reden. Die Rücktrittsforderung braucht Grüske nicht im geringsten zu erschrecken. Aber den Wunsch nach mehr Bodenhaftung könnte er Ernst nehmen.

