Es sollte ein Volksfest werden für alle Luftfahrtbegeisterten in der Region - aber schon nach 45 Minuten beendete am Sonntagnachmittag in schreckliches Unglück den Flugtag in Lillinghof abrupt:
Ein zum Formationsflug startender Oldtimer geriet am frühen Nachmittag beim Starten außer Kontrolle und raste in voller Fahrt in die Menschenmenge. Eine 46 Jahre alte Frau aus Lauf (Landkreis Nürnberger Land) geriet anscheinend in die rotierenden Propeller und starb noch am Unglücksort. 38 Menschen wurden am Sonntag bei dem Unglück in der Nähe von Schnaittach-Lillinghof verletzt, fünf davon schwer. Der Pilot kam mit dem Schrecken davon.
Für die rund 3000 bis 3500 Zuschauer, die sich einem abgesperrten Bereich aufhielten, kam das Unglück völlig überraschend. "Wir waren gerade beim Kaffeetrinken, als auf einmal Tische und Bänke durch die Luft flogen - und auf einmal hatten wir den Propeller der Maschine vor uns", berichtete ein Augenzeuge.
Die Maschine kam 20 Meter vor dem Kontrollturm zum Stehen und kippte dort auf die Nase. Der Tower setzte Sekunden nach dem Unglück einen Notruf ab und sorgte für einen Großeinsatz von mehr als 100 Feuerwehrleuten, Notärzten, Sanitätern und dem Technischen Hilfswerk. Während mehrere Rettungshubschrauber die Schwerletzten in die nächste Klinik flogen, kümmerten sich Helfer um Zuschauer mit leichteren Verletzungen. Selbst zwei bis drei Stunden danach liefen noch Menschen mit blutverschmierten Jacken über das windige Flugfeld auf einem Hochplateau zu Füßen der Frankenalb.
Während sich Kripo-Beamten den auf die Nase gekippten, dunkelgrün- Lackierten Doppeldecker vom Typ Tigermoth untersuchten, spekulierten Mitglieder des Segelflug-Clubs Lauf über die mögliche Unglücksursache. Als gesichert galt nach Angaben der Polizei bis Sonntagabend lediglich, dass der rund 70 Jahre alte Doppeldecker bei einem Start zu einem Formationsflug mit zwei anderen Maschinen plötzlich nach rechts ausbrach und in Höhe des Kontrollturms auf die Zuschauermenge zuraste.
Der frühere langjährige Vorsitzende des Segelflug-Clubs Lauf, Thomas Horz, schloss nicht aus, dass die Maschine von einer starken Windböe nach rechts gedrückt wurde. "Ich habe nur kurz gesehen, wie der rechte Flügel kurz den Boden berührt". Ein solcher Vorfall könne bei Tempo 60 eine solche Maschine leicht destabilisieren und ausbrechen lassen.
Die Polizei hofft unterdessen auf Hobby-Videofilmer in den Reihen der Zuschauer und veröffentlichte noch am Sonntagabend einen entsprechenden Aufruf. Der Pilot stammt ebenso wie die Flugzeugführer der anderen beiden an der Flugvorführung beteiligten Piloten aus dem hessischen Gelnhausen. Sie treten mit den Maschinen regelmäßig bei Flugschauen auf. Der Pilot der Unglücksmaschine, der noch am Sonntagabend von der Kripo vernommen wurde, gelte als erfahren, berichtete die Polizei. Er fliege seit 15 Jahren den Flugzeug-Oldtimer, seit 12 Jahren nehme er damit an Flugschauen teil.
Die Veranstalter der Flugschau zeigten sich von dem Unglück erschüttert; zu der Schau werde seit 1969 eingeladen. Bisher habe es noch nie einen Unglücksfall gegeben - "außer mal einen Unterschenkelhalsbruch bei einem Fallschirmspringer."

