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Voller Konzentration nimmt Peter Kurz sein Ziel ins Visier. Da die Sonne durch den lichten Wald scheint, ist der Hirsch gut zu erkennen. Lange hält der 48-Jährige den Bogen gespannt, bis plötzlich der Pfeil blitzschnell durch den Wald saust. Der dumpfe Einschlag in etwa 15 Meter Entfernung lässt seinen Sohn Frederic jubeln. „Der Schuss war gut. Ich glaube, du hast ihn an der richtigen Stelle getroffen.“
Der Hirsch im Wald oberhalb von Bolsterlang rührt sich trotzdem nicht von der Stelle. Denn das lebensgroße Tier mit mächtigem Geweih ist nicht echt. „Unsere 3-D-Ziele sind aus Schaumstoff“, sagt Andreas Pechlaner, der eine Gruppe Urlauber durch den Bogenparcours an der Hörnerbahn führt. Der 1. Allgäuer Alpenparcours bei Bolsterlang liegt auf 1400 Meter Höhe, er ist damit wohl die höchst gelegene Bogensportanlage Deutschlands. Entlang des Weges, der abseits der Wanderregion durch einen Wald mit sumpfigen Stellen führt, warten 32 lebensgroße Tierattrappen auf die Bogenschützen.
Der Auerhahn, Bär, Luchs oder Biber stehen im Dickicht oder am Waldrand und verlangen von den Schützen, dass sie sowohl bergauf als auch bergab schießen. „Hier im Wald sehen die Tiere total echt aus“, sagt Frederic (12), der mit seinen Eltern Urlaub im Allgäu macht. Obwohl er am Anfang sein Ziel oft verfehlt, macht ihm der Besuch im Bogenparcours viel Spaß. Wer in Bolsterlang auf die Jagd gehen will, muss aktiver Schütze sein oder wie die Familie Kurz aus der Pfalz einen Einsteigerkurs absolvieren. Ein Schuss in die sogenannte „Killzone“ im Bereich von Herz und Lunge ergibt die höchste Punktzahl, erklärt Pechlaner. „Ihr habt drei Pfeile zur Verfügung, um das Tier zu erledigen.“
Tierschützer lehnen dieses Angebot ab. Denn auch Kinder ab zehn Jahren dürfen in den Anlagen mit Pfeil und Bogen auf Tierattrappen schießen. „Die Hemmschwelle der Kinder, auf lebende Tiere zu schießen, ist erwiesenermaßen viel geringer, wenn sie schon auf Tierattrappen geübt haben. Es ist dann kein großer Unterschied mehr, auch auf Nachbars Katze zu schießen“, sagt Heinz Krämer, Vizepräsident des Landesverbands Bayern des Deutschen Tierschutzbundes. Für Pechlaner sind diese Bedenken nicht nachvollziehbar. „Ich sehe da keinen Zusammenhang. Der Trieb, ein lebendes Tier zu verletzen, wird meiner Ansicht nach nicht dadurch geweckt, dass man zuvor auf eine Attrappe geschossen hat.“
„Mir würde nie einfallen, auf ein Tier zu schießen. Ich bin sehr tierlieb, bin sogar Vegetarier.“ Auch Peter Kurz hält die Kritik der Tierschützer für überzogen. „Kinder können gut zwischen einem lebenden Tier und einer Attrappe aus Schaumstoff unterscheiden.“ Sein Sohn Frederic würde niemals ein Tier quälen, geschweige denn auf eines schießen. Statt eine Gefahr im Bogenschießen zu sehen, sollten sich die Menschen mehr Gedanken darüber machen, was in Videospielen und im Internet alles passiert.

