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Lance Armstrong hat es allen bewiesen: Der ehemalige amerikanische Leistungssportler „fuhr“ dem Krebs auf dem Rennrad davon. Mit 25 Jahren bekam er die Diagnose Hodenkrebs. Mehrere OPs und Chemotherapien folgten. Bereits zwei Jahre später kehrte er geheilt in den Profi-Radsport zurück und startete durch zu einer zweiten Karriere.
Sport und Krebs muss kein Widerspruch sein. „Weg vom Sofa, egal, ob Krebs- oder Herzkreislauf-Patient“, plädiert Prof. Dr. Martin Halle, Ärztlicher Direktor des medizinischen Präventionszentrums an der Technischen Uni München. Der renommierte Sportmediziner kennt nur einen Rat gegen Krebs, Depressionen und Diabetes: „Bewegung, Bewegung, Bewegung.“
Der Theorie, sich auf der Couch für die nächste Chemotherapie zu erholen, kann der Experte nichts abgewinnen. Im Gegenteil: In Spezialsprechstunden verordnet der Mediziner seinen Krebspatienten ein Sportprogramm. „Bewegung auf Rezept“ nennt er das. Ob es der 92-Jährige ist, der nur drei Treppenstufen laufen könne, der Olympiasieger oder ein zwölfjähriger Junge — „wir machen die Patienten fit für die Therapie“, erklärte der Arzt bei einem Vortrag in Erlangen. Studien zeigten schließlich, dass Bewegung helfe, Krankheiten zu besiegen oder sogar zu verhindern. Auch und gerade bei Krebs. „Weil durch die Bewegung unser größtes Organ, die Muskulatur, aktiviert und etwas im Stoffwechsel bewirkt wird“, erklärt Halle.
„Wer nur ein bisschen fitter ist, hat ein 30-prozentiges geringeres Risiko, an Krebs zu erkranken“, betont der 49-Jährige. Er selbst radele jeden Tag zur Arbeit und schnüre zweimal die Woche die Laufschuhe. Ein Vorbildtyp. Denn über 50 Prozent der Deutschen machen laut Umfrage überhaupt keinen Sport.
Dabei geht es Halle nicht um Leistung, sondern um ein wenig Ausdauersport, mindestens zweimal pro Woche. „Zügiges Gehen, so dass man leicht schwitzt, reicht schon aus und wenn es nur sieben Minuten am Tag sind“, sagt er. „Dass nur 30 Minuten Sport am Stück etwas bringt“, sei inzwischen wissenschaftlich überholt.
„Durch Sport kann ich meine eigene Prognose verbessern“, versichert der Arzt. Das Brustkrebs-Risiko zum Beispiel sinke bei vier Stunden Sport pro Woche um 30 Prozent. Auch nach einer Brustkrebs-Diagnose sei die Wahrscheinlichkeit, daran zu sterben, weitaus niedriger, wenn man sich täglich eine halbe Stunde zügig bewege. Ähnlich sehe es bei Darm- und Prostatakrebs aus. Auch bei der zweiten großen Volkskrankheit, den Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wirke Sport besser als alles andere.
Die wissenschaftliche Erkenntnis müsste sich nun auch im klinischen Alltag durchsetzen, fordert Halle. „Da gibt es noch großen Nachholbedarf.“ Bei den Sportkonzepten für Krebspatienten stünde man erst am Anfang (siehe Artikel rechts).

