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Sie lächeln, laufen, ziehen sich langsam aus — noch alles etwas verkrampft: Sieben Männer, die sich normalerweise auf dem politischen Parkett bewegen, drehen und wenden sich nun wie in Heidi Klums Fernsehshow. Ein Leben auf dem Laufsteg war den Bezirksräten — dünn, dick, groß bis glatzköpfig — bislang eher nicht gegeben. Doch nun genießen sie den ganz großen Auftritt vor den Kameras. Nicht in ihrer Rolle als Politiker, sondern einmal als Model für fränkische Trachten.
Die Trachtenforschungsstelle des Bezirks Mittelfranken hat — nach dem Erfolg einer Damenkollektion vor einem Jahr — nun das starke Geschlecht mit echt regionaltypischer Kleidung bedacht. Die eitlen Männer, so flüstern die Frauen, hätten die eigene Kollektion nahezu eingefordert.
Zehn Modelle sind für die Herren der Schöpfung herausgekommen. Trachtenjacken und Westen in gedeckten Farben, schlicht und modisch, die zur Jeans genauso passen wie zur eleganten Anzughose. „Jedes Kleidungsstück ist so individuell wie wir Franken“, wirbt Bezirkstagspräsident Richard Bartsch. Die Unikate wären auch sichtbares Zeichen für das fränkische Selbstbewusstsein. Man(n) käme hier schließlich gut und gerne ohne oberbayerische Lederhose aus.
Bartsch selbst hat sich für das Modell „Leonhard“ entschieden: einen verkürzten Gehrock mit vielen Knöpfen — ehemals Ausdruck von Reichtum —, dazu eine silber schimmernde Weste im Rautenlook. Bei der original historischen Kniebundhose hat ihn der modische Mut allerdings verlassen. Die Kreationen, nach Vorlagen aus dem 19. Jahrhundert entworfen, sollen schließlich im Alltag tragbar sein, betont Trachtenforscherin Evelyn Gillmeister-Geisenhof.
„Mittelfranken war für Trachten bisher ein weißer Fleck auf der Landkarte“, sagt die Expertin. Mit ihrer Damen- und Herrenkollektion soll das nun anders werden. „Ich fänd’s schön, wenn die Kellnerin irgendwann das Schäufele nicht mehr im Dirndl serviert“, meint sie. Norbert Dünkel, stellvertretender Bezirkstagspräsident, sieht gute Chancen für eine Renaissance der Mittelfranken-Tracht: „Die jungen Leute wollen zur Kerwa nicht mehr Jeans und Hemd tragen. Viele suchen nach einem Kleidungsstück, das Bezug zur Heimat hat und Identität stiftet.“ Er selbst will seine Tracht auf Volksfesten, in Bierzelten oder bei Kirchbesuchen tragen.
Wer sich echt fränkisch einkleiden möchte, zahlt — so wie die Bezirksräte übrigens auch — für ein Frauenmodell ab 250 Euro. Die Weste für Männer gibt’s für 81 Euro, die Trachtenjacke je nach Stoffqualität ab 240 Euro. Genäht werden die Unikate in Werkstätten sozialer Einrichtungen und in einer unterfränkischen Schneiderei.
Trachtenforschungsstelle Mittelfranken, Tel. (09149) 908688.

