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Neonazis blasen gezielt zum Angriff auf ihre Gegner

Bitterer Beigeschmack beim ansonsten fröhlichen Solidaritätskonzert von „Blues&Kusz“ in Gräfenberg - 01.02. 07:00 Uhr

GRÄFENBERG  - So schön kann Solidarität sein. Frankenpoet Fitzgerald Kusz und Bluesgitarrist Klaus Brandl riefen Begeisterungsstürme hervor, als sie in Gräfenberg mit ihrem „Blues&Kusz“-Programm auftraten. Aber manchen blieb das Lachen dann doch im Hals stecken, wenn sie an den ernsten Hintergrund dieses Solidaritäts-Konzerts dachten: an die zunehmende Brutalisierung der Neonazi-Szene in Franken.

Unbekannte haben kürzlich das Auto des profilierten Neonazi-Gegners und langjährigen Sprechers des Gräfenberger Bürgerforums, Michael Helmbrecht, beschädigt.
Unbekannte haben kürzlich das Auto des profilierten Neonazi-Gegners und langjährigen Sprechers des Gräfenberger Bürgerforums, Michael Helmbrecht, beschädigt.
Foto: Polizei
Unbekannte haben kürzlich das Auto des profilierten Neonazi-Gegners und langjährigen Sprechers des Gräfenberger Bürgerforums, Michael Helmbrecht, beschädigt.
Unbekannte haben kürzlich das Auto des profilierten Neonazi-Gegners und langjährigen Sprechers des Gräfenberger Bürgerforums, Michael Helmbrecht, beschädigt.
Foto: Polizei

Als Kusz vor einem Jahr Rudolf Schäfer, einem der Sprecher des Bürgerforums Gräfenberg, den er seit Schulzeiten kennt, ein Solidaritätskonzert zusagte, konnte man nicht wissen, dass Nazi-Terroristen der NSU mehrfach aus Ausländerhass gemordet hatten, dass sie offenbar Unterstützung aus Franken bekamen und vermutlich aus diesem Kreis Racheakte gegen engagierte Neonazi-Gegner gestartet wurden.

Aber das ist nun alles grausame Wirklichkeit geworden. Der heutige Sprecher der Allianz gegen Rechtsextremismus, Michael Helmbrecht, und Bürgerforums-Sprecherin Karin Bernhart waren Ende Dezember in Weißenohe bei Gräfenberg Ziel eines Anschlags auf ihre Autos geworden. Und so wurde „Blues&Kusz“ auch zum Zeichen der Solidarität mit ihrem Schicksal.


Das Attentat reiht sich ein in eine Serie von gezielten Übergriffen auf engagierte Nazi-Gegner, und in eine zunehmende Brutalität dieser Szene. Als die Rechtsextremisten 2009 ihre regelmäßigen Aufmärsche in Gräfenberg stoppten, hatten sie schon angekündigt, sich einzelne Gegner — deren Namen und Fotos sie mehrfach auf einschlägigen Internet-Seiten veröffentlichten — herauszupicken.

Nicht organisiert?

Für Günther Pierdzig, den Koordinator der nordbayerischen Bündnisse gegen rechts und intimen Kenner der Szene, setzt die jüngste Entwicklung die Haltung der Sicherheitsbehörden fort, die Tatsache organisierter militanter Neonazis zu ignorieren. Er verwies in Gräfenberg auf das Oktoberfest-Attentat von 1980, das angeblich von einem Einzeltäter verübt wurde — Indizien, die das Gegenteil belegen könnten, seien aber verschwunden. Als sich im Oktober 2011 ein amtsbekannter Neonazi in Losau bei Kulmbach beim Bombenbasteln selbst in die Luft sprengte, habe die Polizei von einem „nicht organisierten Sympathisanten der regionalen rechten Szene“ gesprochen.

Auf diese Weise, so Pierdzig, hätten die Sicherheitsbehörden permanent geleugnet, dass es rechte (terroristische) Netzwerke gebe. Also auch beispielsweise kein organisiertes Freies Netz Süd. Aber das existiere nachweislich.


Das, so vermutet der Experte, beeinträchtige auch die Aufklärungsarbeit, etwa wenn Weißenburger von der „Kameradschaft Nationale Sozialisten Weißenburg“ die Stadt terrorisieren und vermutlich einen Angriff auf eine Mahnwache vor einem Jugendzentrum am 28. November verübten. Oder wenn, wie in der Neujahrsnacht geschehen, ein linker Treffpunkt in Ansbach angegriffen werde. Daneben gab es auch Anschläge auf Autos von Neonazi-Gegnern in Fürth und in Weißenohe. Und jeder, der die Szene kennt, weiß, dass den Neonazis in Franken solche Gewalttaten zuzutrauen sind.

Michael Helmbrecht zeigte sich nach dem Konzert beeindruckt von der Solidarität der Bevölkerung. Dies sei das einzige Mittel, sich gegen die Angst und Einschüchterung zu wehren, die Rechtsextremisten derzeit zu verbreiten versuchten. Das Haus, in dem seine Familie und die von Karin Bernhart wohnt, wird inzwischen auch von der Polizei besonders geschützt. Dennoch verlassen sie es nur mit Bangen – und sei es nur, um an einer Solidaritätsveranstaltung zu ihren Gunsten teilzunehmen. 



VON HERBERT FUEHR

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Kurzbeschreibung:
Seit der Aufdeckung der Morde der rechtsextremen Terrorzelle NSU haben sich in Nordbayern Übergriffe und Aufmärsche von Rechtsradikalen verstärkt. Besonders aktiv ist hierbei das "Freie Netz Süd", das vom Verfassungsschutz als „größtes und schlagkräftigstes Netzwerk“ bezeichnet wird.

Gegen die Aktivitäten der NPD und anderer rechtsextremer Organisationen in der Region hatte sich schon in der Vergangenheit eine breite Bürger-Bewegung gebildet, die den Aufmärschen regelmäßig mit Gegendemonstrationen und kreativem Protest begegnet. Hier ist zum Beispiel die "Allianz gegen Rechtsextremismus" als Zusammenschluss kommunaler und unabhängiger Initiativen zu nennen und das - bereits mehrfach ausgezeichnete - "Bürgerforum Gräfenberg".