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Nürnberg steht vor Herkules-Aufgaben

Schulden, Sanierungsstau, Verkehrsdruck: Es fehlen Millionen für wichtige Investitionen - 18.01. 10:00 Uhr

NÜRNBERG  - Die größeren Städte in der Region stehen vor neuen Herausforderungen. Verkehr, mehr Angebote für Junge und Familien, Innenstadt-Sanierung, bessere Infrastruktur, Umstieg auf alternative Energien: Da hat auch Nürnberg noch einiges vor sich. Die zweitgrößte Stadt im Freistaat übernimmt in der Metropolregion viele zentrale Funktionen. Auch deshalb muss sie Herkules-Aufgaben bewältigen.

Die Bewältigung der Verkehrsströme zählt für die Stadt Nürnberg zu den größten Herausforderungen der Zukunft. Werktags passieren 570000 Fahrzeuge die Stadtgrenze.
Die Bewältigung der Verkehrsströme zählt für die Stadt Nürnberg zu den größten Herausforderungen der Zukunft. Werktags passieren 570000 Fahrzeuge die Stadtgrenze.
Foto: Stefan Hippel
Die Bewältigung der Verkehrsströme zählt für die Stadt Nürnberg zu den größten Herausforderungen der Zukunft. Werktags passieren 570000 Fahrzeuge die Stadtgrenze.
Die Bewältigung der Verkehrsströme zählt für die Stadt Nürnberg zu den größten Herausforderungen der Zukunft. Werktags passieren 570000 Fahrzeuge die Stadtgrenze.
Foto: Stefan Hippel

Kleine Städte, kleine Sorgen, große Städte, große Sorgen. Nürnberg steht als zweitgrößte Stadt in Bayern vor noch ganz anderen Herausforderungen als die Nachbarkommunen.

Die Frankenmetropole hat — trotz positiver Entwicklung — mit 7,3 Prozent (Dezember 2011) die höchste Arbeitslosenquote in Bayern. In der Stadt Erlangen beträgt sie mit 3,5 Prozent weniger als die Hälfte, für Neumarkt (Stadt und Kreis) weist die Arbeitsagentur gar nur 1,9 Prozent aus. Während Herzogenaurach mit seinen Weltfirmen täglich 12500 Einpendler verkraften muss und im Rat über neue Verkehrsachsen nachgedacht wird, kreuzen werktags rund 570000 Fahrzeuge die Nürnberger Außenkordons. Der öffentliche Schuldenstand pro Neumarkter Bürger liegt rein rechnerisch bei etwa 15 Euro, auf jeden Nürnberger kommen dagegen 2500 Euro Miese.



Hohe Arbeitslosigkeit, extreme Verkehrsbelastung, grenzwertige Überschuldung: Dies sind nur drei Beispiele im Vergleich zu Nachbarstädten und nur drei von vielen Zukunftsbaustellen in Nürnberg.

Zentrale Funktion für Region

Das Oberzentrum der Metropolregion hält wichtige Infrastruktur für die Menschen im Ballungsraum bereit und übernimmt zentrale Funktionen. Was viel Attraktivität mit sich bringt wie im kulturellen Bereich etwa die kommunalen Museen, Staatsoper und -theater und zwei Orchester, aber auch große Belastungen darstellt. Durch den Flughafen sind direkt und indirekt 5000 Menschen beschäftigt. Doch die aktuelle Krise des Airports entzieht dem städtischen Etat Kredite in Höhe von 20 Millionen Euro, hinzu kommen Bürgschaften. Die geplante Nordanbindung des Flughafens an die Autobahn A3 birgt im Stadtrat zusätzlich politischen Sprengstoff, auch weil sie mitten durch den geschützten Reichswald führen soll.


Die jüngste Kapitalaufstockung der NürnbergMesse schlug mit mehreren Millionen Euro zu Buche. Dafür lassen die Aussteller und Messegäste aber auch viel Geld in der Stadt. Das städtische Fußballstadion muss gerade wieder ertüchtigt werden. Die Sanierung des Reichsparteitagsgeländes wird vorsichtig auf 70 Millionen Euro geschätzt. Auf einem Teil der Kosten bleibt, auch wenn es eine nationale Aufgabe ist, wohl die Stadt sitzen. So wie sie auch beim geplanten Ausbau des Frankenschnellwegs trotz versprochener „Sonderfinanzierung“ durch den Freistaat dennoch einen hohen Eigenbeitrag leisten wird.

Viele Themen stehen konkret an. Für Frankenschnellweg und Nordanbindung wird noch in diesem Jahr mit Planfeststellungsbeschlüssen gerechnet. Im Sommer legen Gutachter zudem den lang erwarteten „Nahverkehrsentwicklungsplan“ vor. Das Konzept weist in Absprache mit den Stadträten und Bürgervertretern in die Zukunft des Nürnberger Nahverkehrs bis zum Jahr 2025.

Da geht es um die Frage, wie die Pendlerströme aufgefangen und die Innenstadt vom Kraftfahrzeugverkehr entlastet werden und wie Straßenbahnlinien im Stadtinneren optimiert werden können. Dazu zählt der Vorschlag einer Tram-Linie durch die Altstadt. Eine brisante und schon jetzt emotional diskutierte Variante.

Fest steht: Nürnberg will hohe zweistellige Millionenbeträge in den Nahverkehr investieren. Auch damit werden die bei Fahrgästen heftigst umstrittenen Fahrpreiserhöhungen im neuen VAG-Stadttarif begründet.

Als Herausforderungen bezeichnet Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD), der seit 2002 mit einer Großen Konsens-Koalition regiert und unangefochten im Sattel sitzt, „weiter hohe Ausgaben für Betreuung und Bildung“. Nürnberg handelt antizyklisch, investiert trotz hoher Schulden und macht sogar noch neue Miese. Das beäugt die Regierung von Mittelfranken als Aufsichtsbehörde sehr kritisch.

Wie andere Kommunen auch, muss Nürnberg bis 2013 Betreuung für jedes dritte Kind unter drei Jahren gewährleisten. Die Stadt muss Schulen ertüchtigen. Manche Gebäude können nur noch abgerissen werden.

Allein für zwei Schulzentren werden 150 Millionen Euro veranschlagt, die noch gar nicht im Mittelfristigen Investitionsplan enthalten sind. In der Stadt stehen viele marode Brücken.

Hohe zweistellige Millionenbeiträge werden für die Sanierung städtischer Seniorenheime fällig. Das alte Quelle-Gelände muss mit neuem Leben erfüllt, weitere Brach- und Gewerbeflächen revitalisiert werden, um den Zustrom in die wachsende Metropole mit über 503000 Einwohnern zu bewältigen. OB Maly sieht in all dem einen Beitrag für die Lebensqualität.

Wie es die Stadt aber bei so vielen und teuren Baustellen schaffen will, ihre Nettoneuverschuldung zu senken (vom Schuldenabbau gar nicht zu reden), bleibt ihr Geheimnis. 



VON ANDREAS FRANKE

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