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„Pastis“ ausgebootet

Wirbel um Beschlüsse des Erzbistums Bamberg - 20.01.2004

BAMBERG  - Das Erzbistum Bamberg wird künftig keine Pastoralreferenten mehr ausbilden und darüber hinaus auch keine mehr einstellen.

Das bedeutet nach Angaben von Prof. Heinz-Günther Schöttler, Prodekan der theologischen Fakultät an der Universität Bamberg, dass aktuell 61 Frauen und Männer „vor dem beruflichen Aus stehen“. Außerdem, so Schöttler, wäre dies „der Tod der Fakultät“. Der Beruf des Pastoralreferenten ist eine Besonderheit der katholischen Kirche im deutschen Sprachraum. Er entstand nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Die Angehörigen dieser Berufsgruppe sind Volltheologen wie die Priester, haben aber keine Weihe. Sie sind in der Gemeinde-Seelsorge tätig, in Gefängnissen, Krankenhäusern und Schulen. In einzelnen Fällen übernehmen sie inzwischen wegen des Priestermangels sogar Aufgaben der Gemeindeleitung. Die Erzdiözese Bamberg bildet derzeit drei Jahrgänge aus, insgesamt 21 junge Leute, Frauen und Männer. Die Kirche, so Prodekan Schöttler, „setzt sie jetzt vor die Tür“. Nicht einmal jene Anwärter werden eine Stelle erhalten, die in wenigen Wochen mit ihrer Ausbildung fertig sind.

Darüber hinaus streben von den 66 Theologiestudenten an der Uni 40 den Beruf des Pastoralreferenten an. Schöttler: „Die fragen sich nun, ob sie ihr Studium abbrechen sollen.“ Weiterhin soll, wie die Katholische Nachrichtenagentur (KNA) meldet, die Zahl der Pastoralreferenten in der Diözese mittel- bis langfristig von 160 auf 120 reduziert werden. Dafür sollen 60 von den nicht universitär ausgebildeten und demnach auch schlechter bezahlten Gemeindereferenten/-innen eingestellt werden.

Der rigorose Beschluss des Erzbistums fiel während einer dreitägigen Klausurtagung der Bistumsleitung vorige Woche in Weisendorf, Kreis Erlangen-Höchstadt. Während die kirchlichen Bediensteten von dieser Entscheidung und anderen Sparmaßnahmen in einem Rundschreiben unterrichtet wurden, beklagt sich Professor Schöttler, „dass wir noch nicht einmal offiziell informiert wurden“. Er prangert verärgert an, dass „dieser Beschluss ohne jede Kommunikation, ohne jede Rücksprache erfolgte“.

Solidarität bekundet

Das Bamberger Vorgehen, darüber sind sich die Experten sicher, wird bundesweit Wellen schlagen und möglicherweise ein (negatives) Vorbild für andere Bistümer werden. Aus der Region meldeten sich bereits gestern etliche Kritiker zu Wort, die ihre Solidarität mit den „Pastis“ bekundeten, darunter der Priesterkreis Feuerstein.

Viele zeigten Unverständnis für den geplanten Schritt. Vor allem deshalb, weil beim fortschreitenden Priestermangel die Pastoralreferentinnen und -referenten im Prinzip unentbehrlich geworden sind. Letztlich mutmaßen Kritiker, dass der Klerus in den Diplomtheologen ohne Weihe eine hochqualifizierte Laien-Konkurrenz heranwachsen sieht, die quantitativ zunimmt und mit sinkender Zahl der Priester an Einfluss gewinnt.

Zu den Kritikern gehört auch die Bamberger „Studentische Initiative für Laienberufe in der Kirche“. Sie protestiert massiv gegen die Streichungsbeschlüsse und wirft Erzbischof Ludwig Schick „eine abrupte Wende“ vor. Noch im Mai 2003 habe er bei einem Treffen mit allen Theologiestudenten sein Ja zum Beruf des Pastoralreferenten bekundet. 

ULRICH RACH



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