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Einst hielt hier der Fürstbischof Audienz. Er saß unter den barocken Bögen der kunstvoll verzierten Stuckdecken und genoss den Ausblick auf den prachtvollen Rosengarten vor den Fenstern. Heute kann hier jeder sitzen. Denn hoch droben auf dem Bamberger Domberg, in der Neuen Residenz, hat die Staatsbibliothek Bamberg (Domplatz 8; Mo.–Fr. 9–17 Uhr, Sa. 9–12 Uhr) ihr Zuhause.
Der einstige Audienzraum dient als atmosphärischer Lesesaal, in dem man in wertvollen, in Schweinsleder gebundenen Folianten blättern kann. Vor allem gehobene und wissenschaftliche Literatur findet sich hier, insgesamt sind es 500.000 Bände.
„Die Pflichtexemplare füllen mir die Regale“, sagt Bibliotheksdirektor Werner Taegert. Seit 1987 muss sein Haus ein Exemplar jeder in Oberfranken erschienenen Publikation aufbewahren. Eine wichtige Aufgabe, aber eben auch eine platzraubende. Denn Trivialliteratur, Kinderbücher und Reiseführer passen so gar nicht in das Erwerbungsprofil der Bibliothek. Schwerpunkte sind das Buch- und Bibliothekswesen, Handschriftenkunde oder Kunstgeschichte. Sondersammelgebiete umfassen E.T.A. Hoffmann und Jean Paul.
Als Regionalbibliothek sammelt die Bamberger Einrichtung aber auch alle Bücher mit oberfränkischem Bezug. So liegt etwa Karl-Theodor zu Guttenbergs „Vorerst gescheitert“ an prominenter Stelle aus. „Wir haben sogar ein signiertes Exemplar seiner Dissertation“, erzählt Taegert.
Die wahren Kostbarkeiten sind aber ganz andere. „Wir sind die zweitbedeutendste Altbestandbibliothek Bayerns“, sagt Taegert stolz. Nur die Bayerische Staatsbibliothek München hat noch mehr Schätze auf Lager. Der ganze Stolz ist die Kaiser-Heinrich-Bibliothek. 165 Codices und Fragmente sind das, die noch auf Kaiser Heinrich II. zurückgehen, der im Jahr 1007 das Bistum Bamberg gegründet hatte. Gerade werden die mehr als 1000 Jahre alten Werke fotografiert.
Einen Großteil kann man schon heute auf der Bibliotheks-Homepage (www.staatsbibliothek-bamberg.de) bewundern. „Wir führen die Tradition einer tausendjährigen Bibliotheksgeschichte fort“, schwärmt Taegert. Schließlich hat man bei der Gründung der Bibliothek im Zuge der Säkularisation 1802/03 die Bücherschätze des Hochstifts Bamberg übernommen.
Wie traditionsreich die Räume sind, sieht man bei einer Führung durch die historischen Schauräume (Anmeldung unter Telefon 0951/955073101). Ein Saal aus dem fürstbischöflichen Archiv von 1740 ist dort zu sehen, oder ein Raum aus dem Jahr 1775, verziert mit Rokoko-Muscheldekor.
Anders als Bamberg, das während der Säkularisation die wertvollsten Exemplare nach München abgeben musste, sind der Landesbibliothek in Coburg (Schlossplatz 1; Mo.–Do. 10–17 Uhr, Fr./Sa. 10–13 Uhr) alle Schätze erhalten geblieben. Schließlich schloss sich der Freistaat Coburg erst 1920 Bayern an, alle Sammlungen wurden Eigentum der Coburger Landesstiftung.
So hat die Landesbibliothek, die im prächtigen Renaissance-Flügel und Teilen des neugotischen Flügels von Schloss Ehrenburg residiert, noch immer etliche Luther-Drucke und Luther-Bibeln aus dem 16. Jahrhundert im Fundus. Besonders stolz ist man auch auf die „Chronik der Sachsen und Thüringer“, die Georg Spalatin im Jahr 1510 verfasste. Die Wurzeln der Bibliothek, in der man unter pompejanischen Deckenmalereien aus dem 19. Jahrhundert und gewaltigen Kronleuchtern schmökern kann, gehen auf die herzogliche Hof- und Staatsbibliothek und damit bis ins 16. Jahrhundert zurück. Die 55.000 Bände sind noch heute Kern der Sammlung.
Die Amberger Provinzialbibliothek (Malteserplatz 4; Mo./Di./Do./Fr. 10–17 Uhr, Mi. 10–18 Uhr) ist in einem ehemaligen Jesuitenkolleg beheimatet. Sehenswert ist der barocke Lesesaal, der 1681 entstand und den Jesuiten als Arbeitsbibliothek diente. Noch heute finden sich dort deren Bücher, ergänzt um viele Exemplare aus den Zisterzienserabteien Waldsassen und Walderbach sowie aus Klosterbibliotheken. Heute konzentriert sich die Bibliothek auf geistes- und kulturwissenschaftliche Literatur.
Eine historische und wissenschaftliche Bibliothek mit 35.000 Bänden findet sich im Schloss Burgfarrnbach (Schlossplatz 12; Mo. 9–17 Uhr, Di.–Do. 9–16 Uhr). Sammlungsschwerpunkte sind Judaica und Furthensia (Literatur aus und über Fürth).
Lesen lässt sich in den Werken unter der bemalten Stuckdecke des Lesesaals, dem ehemaligen Speisesaal der Grafen Pückler-Limpurg. Besonders wertvoll ist ein Wappenbuch aus dem Jahr 1640, in dem die Adelsgeschlechter der Region verzeichnet sind. In Burgfarrnbach befindet sich auch das am besten erhaltene Exemplar von Johann Christoph Volkamers „Nürnbergische Hesperides“.
