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Rumänische Pflegeschüler zu Gast in Neuendettelsau

14 Kursteilnehmer werden von der Diakonie für den Einsatz in ihrem Heimatland ausgebildet - 06.02. 07:56 Uhr

NEUENDETTELSAU  - Die Diakonie Neuendettelsau hat ein neues Projekt ins Leben gerufen: 14 Frauen und Männer aus Rumänien geben ihre alten Berufe auf. Sie werden die nächsten vier Jahre in dem Erholungshaus „Jakobsruhe“ nahe dem Neuendettelsauer Ortsteil Haag zu Alten- oder Krankenpflegern ausgebildet. Ihre Kenntnisse wollen sie später in ihrer Heimat einsetzen.

In der selbst eingerichteten Kapelle finden die rumänischen Gäste Zeit zum Beten.
In der selbst eingerichteten Kapelle finden die rumänischen Gäste Zeit zum Beten.
Foto: Julia Bemmerl
In der selbst eingerichteten Kapelle finden die rumänischen Gäste Zeit zum Beten.
In der selbst eingerichteten Kapelle finden die rumänischen Gäste Zeit zum Beten.
Foto: Julia Bemmerl

Erst seit Anfang Januar bewohnen die Rumänen die idyllische und im Wald versteckt liegende Jakobsruhe. Zu Beginn haben die Gäste gleich eine „liebevoll ausgestaltete orthodoxe Kapelle eingerichtet“, sagt Diakonie-Sprecher Thomas Schaller. „Für die 14 durchwegs religiösen Teilnehmer ist die Kapelle ein wichtiger Ort, um Ruhe zu finden“, fährt Schaller fort. Außerdem besitzt jeder der Gäste sein eigenes Zimmer, um sich zurückziehen zu können.

In Zusammenarbeit mit Bischof Petroniu aus Salaj im Norden des Landes hat die Diakonie die acht Frauen und sechs Männer für dieses Projekt ausgewählt. Die meisten sind ledig, aber auch eine Familie wohnt in der Jakobsruhe: Die 19-jährige Oana Carina ist mit ihren Eltern nach Franken gekommen. Die junge Frau hat in Rumänien ihre Schule abgeschlossen und freut sich nun auf die kommenden vier Jahre, die sie in Deutschland verbringen wird.



Mit einem monatlichen Gehalt von jeweils 800 Euro müssen die Teilnehmer für die Nebenkosten und ihre Verpflegung aufkommen. Miete zahlen sie nicht. „Wir teilen uns die Aufgaben im Haushalt auf, das klappt ganz gut. Überhaupt ist hier die Atmosphäre sehr gelassen“, sagt der Theologe Pater Pakomie, der vorher in einem Kloster lebte.

Jeden Mittag isst die Gruppe gemeinsam, bevor der Unterricht in dem schmalen Klassenzimmer an einem langen Tisch fortgesetzt wird. Auf dem Stundenplan stehen zunächst vor allem Pflege- und Hauswirtschaft, Diakoniegeschichte und natürlich Deutsch.

Immer mit dabei: Emil Cira, der als Übersetzer tätig ist. „Die rumänischen Gäste sind noch am Anfang ihrer Deutschkenntnisse, aber ich werde ihnen die fremde Sprache möglichst schnell beibringen“, sagt er. Nach der Theorie folgt die stark praktisch ausgerichtete, dreijährige Ausbildung für den Pflegeberuf.

Praktika absolvieren die Rumänen in den Einrichtungen der Neuendettelsauer Diakonie. Dort lernen sie, wie sie ältere, kranke oder behinderte Menschen in alltäglichen Situationen unterstützen und betreuen können. Dazu gehört Hilfe bei Behördengängen oder Arztbesuchen genauso wie Füttern und Körperpflege.

„Unser Wunsch ist es, nach der Ausbildung bedürftigen Menschen in Rumänien zu helfen und die effektiven Kenntnisse aus Deutschland dafür anzuwenden“, sagt der 43-jährige Pater Pakomie. Ob alle künftig als Alten- oder Krankenpfleger arbeiten werden — oder doch wieder im alten Beruf als Theologe, Elektriker oder Ingenieur zurückkehren — hängt auch von der Situation innerhalb Rumäniens ab. „In erster Linie geht es uns um die Hilfe für den Menschen und weniger um das Gehalt beim Jobwechsel“, betont Florica Tarcea Pop, Mutter von Oana Carina.

Erweiterung möglich

Schon jetzt gibt es in Salaj eine Sozialstation, die mit starker Hilfe aus Neuendettelsau und dem persönlichen Einsatz von Rektor Hermann Schoenauer entstanden ist. Der Bau von weiteren Stationen ist nicht ausgeschlossen, denn die „Azubis“ aus Rumänien wollen ihre neuen Kenntnisse in ihrem Heimatland nutzen, wo solche Kompetenzen noch fehlen, wie sie übereinstimmend sagen.



Die Diakonie Neuendettelsau setzt auch in Zukunft auf internationale Kooperationen, etwa mit Russland oder Polen. „Diese Hilfe zur Selbsthilfe ist eine sinnvolle Ergänzung zu den sonst üblichen Sachspenden“, sagt Diakonie-Sprecher Schaller. 



JULIA BEMMERL

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