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„Freunde, zieht euch warm an“, so klingt es, wenn der 150Jahre alte Baum im Botanischen Garten von Erlangen mit seinen „Freunden“ über den Winter „plaudert“. Im Internet verbreitet die Eiche täglich neue Nachrichten über sich und ihre Umwelt. Fast 7000 Fans verfolgen inzwischen ihre Botschaften im Netz bei Facebook und Twitter. Noch mehr — über 274000 Menschen — sahen sich bereits den Kurzfilm zu dem wissenschaftlich begleiteten Projekt auf youTube an.
Der sprechende Baum („talking tree“) hat schließlich gewissen Seltenheitswert. Wissenschaftler des Instituts für Geografie an der Uni Erlangen hatten im Spätsommer die Deutsche Eiche — zusammen mit dem Magazin Spektrum der Wissenschaft — in einen High-Tech-Baum verwandelt (wir berichteten). Der 18 Meter hohe Riese ist seither verkabelt und vernetzt: Eine Wetterstation, ein Saftfluss-Messer und ein Gerät, das das Wachstum der Eiche aufzeichnet, liefern das ganze Jahr über Daten. Um zu sehen, wie sich das Klima auf den Stadtbaum auswirkt.
„Wir können zum Beispiel anhand der Klimadaten und Holzproben erkennen, ob der Baum im warmen Herbst noch einmal einen Wachstumsschub gemacht hat“, erklärt Geografie-Professor Achim Bräuning. Oder aber: Wie die Eiche die wärmere Stadtlage verträgt. Anhand der höheren Temperatur, die die Stadtpflanze umgibt, ließen sich auch Ableitungen in punkto Klimawandel machen. Zum Beispiel, wie eine Eiche auf dem kalten Land wohl auf zunehmenden Hitzestress reagieren wird.
Doch die Fangemeinde der Stieleiche in Erlangen will derzeit ganz andere Dinge wissen, als in tiefe wissenschaftliche Geheimnisse einzutauchen. Ob der Baum sich nicht den Ast abfriert, fragt zum Beispiel ein „Freund“. Ein anderer twittert („zwitschert“), ob die Pflanze nachts friere.
„Nein, der Baum friert nicht“, versichern alle beteiligten Geografen und Biologen ernsthaft. Im Gegenteil: „Der Baum hält momentan Winterschlaf“, sagt Daniel Lingenhöhl, heimliche Stimme des Gehölzes. Der Baum sei so gut durch seine Rinde isoliert, dass im Inneren des Stammes höchstens null Grad herrschten, meint der Redakteur von Spektrum.
Im kahlen Baum ist Winterruhe eingekehrt: Im Stamm befindet sich kaum mehr Wasser, der Saftfluss ist gestoppt, genauso wie die Photosynthese. Zudem bilde die Eiche in der kalten Jahreszeit eine Art Frostschutzmittel, erklärt Professor Bräuning. „Das verhindert, dass sich Eiskristalle in der Zelle bilden.“ Im Frühjahr würden die inaktiven Zellen jedoch wieder zurückgebaut, dem Baum also neues Leben eingehaucht. Der Kurator des Botanischen Gartens in Erlangen, Walter Welß, der jeden Tag einen Blick auf die Eiche wirft, weiß auch aus Erfahrung: „Ein heimischer Baum geht nie wegen Frost ein.“
Ist der Baum erst wieder „aufgewacht“ , wird es richtig spannend, verspricht Bräuning. Wenn die Eiche im April langsam ausschlägt, wächst sie am stärksten und verrät so am meisten über ihre Art. Abzulesen allerdings weniger an moderner Technik, sondern am Jahrring — der über das 150-jährige Leben der Eiche besonders anschaulich Geschichten erzählen kann.

